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WDR-Rundfunkrat rügt Talkshows : Populistisch und zugespitzt?

Hat sie die richtigen Gäste und Themen? Die Moderatorin Sandra Maischberger beherrscht ihr Metier eigentlich aus dem Effeff. Bild: dpa

Der Rundfunkrat des WDR kritisiert die Talkshows von Sandra Maischberger und Frank Plasberg mit harten Worten. Der Sender weist die Vorwürfe zurück. An manchen könnte aber etwas dran sein. Wobei der wichtigste Punkt fehlt.

          Dass Rundfunkräte in ihrer Rolle als Aufsichtsgremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit scharfer Kritik an demselben auftreten, ist eher die Ausnahme denn die Regel. In einem Punkt macht der Programmausschuss des WDR-Rundfunkrats diese Ausnahme, und das schon seit Jahren – mit pointierter Kritik an den Talkshows, mit denen der WDR das erste Programm der ARD bestückt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          „hart aber fair“ von und mit Frank Plasberg und „Maischberger“, meinen die Rundfunkräte, setzten „nach wie vor zu häufig auf populistische Reizthemen“. Das habe zum Beispiel zu Überschneidungen bei Diskussionen über den amerikanischen Präsidenten Donald Trump und dessen Politik geführt. Da sei mehr Abstimmung zwischen den Redaktionen und mehr thematische Vielfalt gefragt. „Alarmistische Zuspitzungen“ in Titeln sowie eine Moderation, die auf „negative Erwartungen, Beunruhigung und Angst“ abzielte, lasten die Rundfunkräte den Talkshows an. Sie wünschen sich sachlich und kompetent argumentierende Gesprächsgäste, mehr Frauen und mehr Jüngere, kleinere Runden, in denen ein respektvoller Umgang miteinander geübt werde.

          So ähnlich klang die Position des WDR-Rundfunkrats zu den Talkshows schon in den Jahren 2012 und 2015. Ganz so leicht von der Hand zu weisen sind die Beobachtungen nicht. Sie werden nicht wenigen Zuschauern einleuchten, wenngleich man mit dem Vorwurf des Populismus vorsichtig sein sollte. Das Etikett dient nämlich leider oft genug dazu, Diskussionen über Themen zu unterbinden, die einem einfach nicht passen, und den Meinungsstreit einzuengen. Darin besteht gerade für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine Gefahr, will er seiner gesellschaftlichen Aufgabe, von der Intendanten besonders gerne reden, gerecht werden.

          Die Replik des WDR auf die Kritik aus dem Rundfunkrat fällt vergleichsweise verhalten aus. Im Detail, hieß es gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, kämen die Redaktionen der Talkshows zu anderen Einschätzungen, etwa bei den Sendungen zu Donald Trump. Das sei „kein populistisches Reizthema, sondern journalistisch notwendig“ gewesen. Gäste und Themen würden nach „gründlicher Recherche, inhaltlicher Relevanz und journalistischen Kriterien“ ausgewählt. Zudem freue man sich darüber, „dass die renommierten Moderatoren Sandra Maischberger und Frank Plasberg beim Publikum großes Vertrauen genießen“, jüngere Moderatoren liefen sich derweil im dritten Programm des WDR warm.

          Und Action: Frank Plasberg ist in „hart aber fair“ (hier mit dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann) nicht zimperlich.

          Warmhalten aber will auch der Rundfunkrat das Thema. Für das nächste Jahr stehe es abermals auf der Tagesordnung. Dann könnten die Rundfunkräte vielleicht auch darauf kommen, dass ein Manko der Talkshows ist, dass sie – ebenso wie die „Brennpunkt“-Sondersendungen im Ersten oder die „Was nun, ...?“-Ausgaben des ZDF – längst rituellen Charakter angenommen haben und eine auf den Politikbetrieb in Berlin und dessen Protagonisten konzentrierte Hermetik aufweisen. Diese aufzubrechen, das wäre eine schöne journalistische Aufgabe.

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