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WDR-Intendantin Piel geht : Sie ist dann mal weg. Aber warum?

Die Herrin der ewigen Baustelle hört vor der Zeit auf: WDR-Intendantin Monika Piel Bild: dpa

Thomas Gottschalk und die Folgen: Monika Piel, die Intendantin des Westdeutschen Rundfunks, gibt überraschend ihr Amt auf. An diesem Montag tagt der WDR-Rundfunkrat. Vielleicht lüftet er ein Geheimnis.

          Vom Westdeutschen Rundfunk Auskunft zu bekommen, ist kein leichtes Unterfangen. Am späten Freitagabend aber war gar nichts zu machen. Warum tritt die Intendantin Monika Piel Hals über Kopf von ihrem Amt zurück? Bleibt nur solange, bis die Nachfolge geregelt ist?

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das wissen nur die Eingeweihten. Und wussten es am Freitag noch nicht. „Persönliche Gründe“ gibt Monika Piel für ihren Schritt an und solche gilt es zu respektieren. Die Gründe müssen so gravierend sein, dass die Intendantin ihr Büro geradezu fluchtartig verließ. Eine letzte E-Mail, und das war’s. Sie ist dann mal weg.

          Noch am Donnerstag hatte sie sich um neue Programmrichtlinien gekümmert und es schien, als wolle sie sich nun wieder um den eigenen Sender kümmern, nachdem sie in den letzten zwei Jahren als ARD-Vorsitzende mit der großen Medienpolitik beschäftigt war.

          Der WDR, eine ewige Baustelle

          Der WDR, größter ARD-Sender mit rund 4500 festen und ebenso vielen freien Mitarbeitern, ist eine ewige Baustelle. Im Hörfunk, aus dem die Intendantin kommt, gibt es Querelen um den Zuschnitt des Kulturprogramms WDR 3. Wie bei anderen ARD-Sendern treffen Vertreter der dem Zeitgeist entsprechenden Durchformatierung auf jene, die am eigenständigen Profil einer jeden Sendung festhalten.

          Für das dritte Fernsehprogramm des WDR gilt dasselbe: Es ist ein Kampf zwischen Regionalisierung und Quotenoptimierung, wie man sie betreiben kann, wenn man ganze Abende lang alte „Tatort“-Folgen wiederholt. Es ist kein Geheimnis, dass sich die Intendantin mit der Programmdirektorin Verena Kulenkampff nicht auf einer Wellenlänge befand. Aber derlei Frontverläufe gibt es in anderen Sendern auch. Es kommt darauf an, eine Lösung zu finden.

          Im weiten Rund der ARD wiederum hatte Monika Piel als Vorsitzende in der Tat einen schweren Stand. Mancher spricht sogar von zwei verlorenen Jahren, weil sich nichts wirklich bewegte. Doch wäre es unfair, dies allein Monika Piel anzulasten.

          Gottschalk fiel ihr auf die Füße

          Im Streit zwischen der ARD und den Verlagen um die „Tagesschau“-App wollte sie eine Verständigung. Das Dumme war nur, dass diese hintertrieben wurde, den Widerstand koordiniert in diesem Fall das Justiziariat des Norddeutschen Rundfunks.

          Dann holte Monika Piel den Entertainer Thomas Gottschalk zur ARD mit einem Vertrag, in den Mitglieder der Aufsichtsgremien gern Einblick genommen hätten, es aber nicht konnten. Und so warteten manche nur darauf, dass Gottschalk im ersten Programm großartig scheiterte. Was er tat und was Monika Piel auf die Füße fiel.

          Auch in der Frage eines gemeinsamen Jugendkanals wurde sie vorgeführt - ihr Vorgänger als ARD-Vorsitzender, der Intendant des Südwestrundfunks, Peter Boudgoust, forcierte das Projekt, Piel lenkte ein.

          So konnte man Monika Piel taktieren sehen, ohne zu erkennen, ob dies einem höheren Plan folgte. Für einen solchen braucht man in der ARD Verbündete, ein Intendant des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat einen politischen Job, er muss all die Manöver kennen und beherrschen, die in der Politik angesagt sind und dabei stets den Eindruck vermitteln, Herr - oder Frau - der Lage zu sein, ganz gleich, was geschieht.

          Ein Geschlechterkampfthema ist das nicht - auch wenn die Frauen unter den ARD-Intendanten noch in der Minderzahl sind, und Monika Piel sich in der inzwischen einschlägigen Zeitschrift „Stern“ über das angeblich Pfauenhafte ihrer männlichen Kollegen beschwerte.

          Es kommt vielmehr auf Kommunikation, Durchsetzungsfähigkeit und den persönlichen Umgang an, der bei Monika Piel fast schon etwas Klandestines hatte. Der Kreis ihrer Vertrauten muss winzig und ihr Verlangen groß sein, wenigstens kurz Herrin über die Nachricht zu sein, dass sie geht und - vorerst - alle rätseln, warum.

          Vielleicht weiß es die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin, mit der Piel am Freitag sprach. Vielleicht weiß oder wird es in nächster Zukunft wissen Ruth Hieronymi, die Vorsitzende des WDR-Rundfunkrats. Denn er trifft sich gleich am Montag. Neuer Punkt auf der Tagesordnung: Die Zukunft des WDR.

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