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WDR-Intendant Buhrow : Frag doch mal den Tom

  • -Aktualisiert am

Auf die Geste kommt es an: Tom Buhrow gibt sich den „WDR-Check“ Bild: WDR/Herby Sachs

Beim „WDR-Check“ ist der neue Intendant Tom Buhrow ganz in seinem Element. Dabei geht es in dieser Sendung weniger darum, dass sich der WDR der Kritik stellt, sondern darum, dass er so tut, als täte er es.

          Vermutlich gibt es im WDR schon eine Arbeitsgruppe, die die Möglichkeiten sondiert, zusätzlich zu den vier Klangkörpern des Senders - oder an ihrer Stelle - mehrere anstaltseigene Flauschkörper zu etablieren. Jährlich würde im Fernsehen dann der „Große-Flausch-Check“ übertragen. Die Zuschauer hätten Gelegenheit, die öffentlich-rechtlichen Tiere zu begutachten und den Verantwortlichen kritische Fragen zu stellen: ob es wirklich noch eine Ziege sein musste, warum zugunsten von Meerschweinchen auf Kaninchen verzichtet wurde, wohin das Ferkel verschwunden ist und ob die Redaktion von Horst Lichters „Schnitzeljagd“ sich nicht mal zu den Gerüchten äußern müsste.

          Am Ende gäbe es dann noch die Gelegenheit, eines der Tiere oder den Intendanten Tom Buhrow zu kraulen, und alle gingen mit einem warmen Gefühl von Familie im Bauch nach Hause sowie der Erkenntnis, dass die Menschen unterschiedliche Interessen haben und es unmöglich ist, es jedem recht zu machen, womöglich auch noch den Freunden der Biberratte.

          Es wäre, mit anderen Worten, gar nicht so anders als der „WDR-Check“, den der Sender in der vergangenen Woche zum zweiten Mal veranstaltete, nur noch ein bisschen kuschliger.

          Lass uns ruhig mehr personalisieren

          „Frag doch mal den Tom“ ist das Motto der Sendung, die theoretisch aus der Erkenntnis entstanden sein muss, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk den Beitragszahlern (also: allen) Rechenschaft schuldig ist, praktisch aber vor allem darauf zielt, Bürgernähe und Volkstümlichkeit zu inszenieren. Sie beginnt damit, wie vor dem ersten „WDR-Check“ ein Mann im Studio seiner Freundin einen Heiratsantrag machte, und der Information, dass beide gerne wieder hier gewesen seien, die Frau aber überaus schwanger sei.

          Als Nächstes wird uns ein Paar vorgestellt, das seinen dreißigsten Hochzeitstag in der Sendung feiert. Applaus. Später stellt sich noch heraus, dass eine junge Frau im Publikum die Nichte einer früheren Freundin von ihm ist. Das gibt ein großes Hallo. Buhrow sagt, er plädiere im Sender dafür: „Lass uns ruhig mehr personalisieren.“

          Allein für seine Auftritte hier hat es sich gelohnt, den „Tagesthemen“-Moderator zum Intendanten zu wählen. Er wirkt aufgeschlossen, kommunikativ und bemüht, eher wie ein Maskottchen denn wie ein Behördenleiter, und mischt seinen souveränen Auftritt in der Arena-Kulisse mit der perfekten Dosis Unsicherheit.

          Als ein Zuschauer fragt, wie es sein kann, dass die Sprecherin eines Landesministers im WDR als Journalistin arbeitete, spricht Buhrow, wie um sich selbst Mut zu machen, den Satz: „Man muss Fehler zugeben“ vor sich hin, bevor er dann den Fehler zugibt. Er bittet tänzelnd darum, einen streng schauenden Mann dranzunehmen, denn: „Ich will die bösen Fragen aus dem Weg haben.“

          Dabei gibt es ernsthaft gar keine bösen Fragen. Auf heikle Punkte wird aus der Ferne und teilweise mit vergnügter Selbstironie hingewiesen, ohne sie wirklich zu berühren; Nachfragen, wo sie nötig wären, werden mit glatter Senderroutine abgebügelt. Es geht weniger darum, dass sich der WDR der Kritik stellt, sondern darum, zu demonstrieren, dass sich der WDR der Kritik stellt. Wie fern dem Ganzen ein journalistischer Impetus ist, zeigt die Inszenierung der Befragung Buhrows durch den Fernsehkritiker Hans Hoff: Die Bühne wird optisch zu einem Boxring, die Moderatorin sagt: „Toi toi toi“ und „Ring frei!“ Wenn einer mal ein bisschen aggressiv nachfragt, ist das gleich eine Boxbude.

          „Ich bin hier, um zu sagen und darzustellen: Wir gehören Ihnen, und ich bin stolz auf das, was die Kollegen machen“, hinterlässt Buhrow dem Publikum und seinen Mitarbeitern als Aufmunterung. „Ihre Erwartungen an uns sind vielfältig und zum Teil widersprüchlich“, sagt er, um sofort hinzuzufügen: „Das ist keine Kritik, um Gottes Willen.“

          Man kann ihm beim schlechtesten Willen nicht böse sein, und immerhin weiß er, wie eine solche Sendung aussehen muss, damit sie wirkt, als stelle man sich einem offenen kritischen Diskurs. Das Führungspersonal des NDR nutzte eine ähnliche Gelegenheit eine Woche zuvor dazu, sich so sehr selbst und gegenseitig auf die Schultern zu klopfen, dass blaue Flecken geblieben sein müssen.

          Quelle: F.A.Z.

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