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Diekmann, Springer und Uber : Beifahrer auf der Überholspur

Ein neuer Job, der ihn allerdings kaum ausfüllen dürfte: Der ehemalige „Bild“-Herausgeber Kai Diekmann. Bild: dpa

Der ehemalige „Bild“-Chef Kai Diekmann berät Uber, sein früherer Arbeitgeber Springer investiert in den umstrittenen Fahrdienstkonzern. Wo das bloß hinführt?

          Das ist doch ein perfektes Match: Erst wird der frühere „Bild“-Herausgeber Kai Diekmann Aufsichtsrat bei Uber, dann stellt sich heraus, dass sein früherer Arbeitgeber Axel Springer bei dem Fahrdienst investiert hat. Da passt eins zum anderen, und dahinter steckt – Strategie.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Steckt sie auch, allerdings ist sie mit weniger Dramatik versehen, als es auf den ersten Blick scheint, sondern Teil einer nüchternen Kalkulation digitaler Märkte. Der Springer-Verlag hält an Uber, wie es auf Anfrage heißt, seit kurzem eine (angeblich geringe) Finanzbeteiligung. Doch sei das nicht als strategisches Investment zu verstehen. Vielmehr habe man sich an Uber beteiligt wie an AirBnB, um einen „Fuß in die Tür“ zu bekommen. Inzwischen verfüge man über eine dreistellige Zahl von Beteiligungen, die zum Teil nach dem Modell „Media for Equity“ vereinbart wurden: Springer erhält Anteile an Unternehmen, die dafür in den Medien des Verlags kostenfrei werben können.

          Wie das funktioniert, macht mit großem Erfolg die Fernsehgruppe Pro Sieben Sat.1 vor: Die einzelnen Sender sind nicht mehr entscheidend, Umsatz und Gewinn steigen exorbitant, weil die Manager der „alten“ Medien begriffen haben, wie man in der digitalen Welt Geld verdient. Dass dies bei Springer genauso läuft, ist kein Wunder. Der Verlag hat seine führenden Leute in den vergangenen Jahren nicht umsonst ins Silicon Valley geschickt. Auch Kai Diekmann war dort auf Tour und hat sich umgesehen. Welche Lehren er daraus zog, konnte man unter anderem sehen, als er im vergangenen Jahr auf der „Noah Conference“, bei welcher Springer Ko-Veranstalter war, ein Streitgespräch zwischen dem Daimler-Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche und dem Uber-Boss Travis Kalanick moderierte.

          Dreht ein großes Rad: Uber-Chef Travis Kalanick.

          Dass dessen Unternehmen bei einem Jahresumsatz von zuletzt 6,5 Milliarden und einem Nettoverlust von 2,8 Milliarden mit sechzig Milliarden Dollar bewertet wird, mag einem absurd erscheinen. Zumal, wenn man bedenkt, dass der Billigfahrservice umstritten, in manchen Ländern verboten und mit all den Problemen konfrontiert ist, die rasant wachsende Digital-Firmen haben: Sie müssen sich erst auf die Verantwortung für ihre Mitarbeiter und ihre Kunden einstellen. Gleichwohl kann die Wette des Uber-Chefs Travis Kalanick, der als nicht minder rabiat denn der Amazon-Chef Jeff Bezos gilt, aufgehen. Springer wäre dann mit von der Partie.

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