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Digitaler Rundfunk : Deutschland braucht einen nationalen Radioplan

Die Zukunft des Radios ist digital, heißt es. Ist sie das wirklich? Bild: AP

Das Digitalradio DAB+ kommt, es ist politisch beschlossen. Das müssen jetzt auch die Privatsender einsehen. Doch sie stellen für die Abschaltung von UKW Bedingungen. Jetzt ist die Politik gefragt. Ein Kommentar.

          Es war abzusehen, dass die Privatsender irgendwann einlenken würden: Das Digitalradio DAB+ kommt, es ist politisch beschlossen, auch wenn es beachtliche Einwände gegen die Umstellung von UKW auf den digitalen Übertragungsstandard gibt.

          In den Augen der Anhänger des Internetradios ist es eine Technik von gestern, ein teurer Zwischenschritt von der Radiowelle zum Netzradio, den man bedenkenlos unterlassen kann und den Länder wie Finnland als anachronistisch betrachten. Nicht minder gravierend ist der Vorhalt, den die Privatsender den DAB+-Befürwortern aus der Politik und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks machen. Sie befürchten nicht ohne Grund eine Flurbereinigung, an deren Ende die Vielfalt der deutschen Radiolandschaft eingeebnet sein könnte.

          Die Umstellung von UKW auf DAB+ ist teuer. Für die ARD-Radios ist sie jedoch ein Klacks, weil seit Jahren aus dem Rundfunkbeitrag zweistellige Millionenbeträge für die Digitalisierung der Wellen abgezweigt wurden – ohne, dass sie inzwischen alle auf DAB+ wären. Das missfiel den Rechnungsprüfern der Finanzkommission Kef derart, dass sie die letzte Zuweisung dieser Art mit dem Hinweis versahen, dass dies nun aber wirklich zum allerletzten Mal geschehe, sollte DAB+ nicht endlich kommen.

          600 Millionen und 500 Millionen Euro

          Rund sechshundert Millionen Euro stünden den öffentlich-rechtlichen Sendern zur Verfügung, sagt der Privatsenderverband VPRT. Er dürfte mit seiner Überschlagsrechnung richtig liegen. Fünfhundert Millionen Euro, so der Verband weiter, werde der Umzug ins Digitale die Privatradios kosten – wegen des sogenannten Simulcast-Betriebs, bei dem die Sender über Jahre hinweg sowohl auf UKW als auch auf DAB+ zu empfangen sind. Würden sie von einer Sekunde zur anderen umschalten, verlören sie ihre Hörer, die noch kein Digitalradio haben, also müssen sie warten, bis fast alle ein solches besitzen. Die Öffentlich-Rechtlichen können diese Phase bequem aussitzen, für sie ist die Digitalisierung vornehmlich eine organisatorische Frage.

          Die Medienpolitik in Bund und Ländern – der künftigen Bundesregierung und der Ministerpräsidenten – ist derweil gefordert. Eine politische Willensbekundung, wie sie die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Dorothee Bär (CSU), im Rahmen der in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ geführten, großen Radio-Debatte abgegeben hat, nach dem Motto „DAB+ hält technisch und inhaltlich, was es verheißt. Packen wir es an! Jetzt!“, reicht nicht. Zum Erhalt des dualen Systems mit dem öffentlich-rechtlichen auf der einen und dem privaten Rundfunk auf der anderen Seite, ist vielmehr ein nationaler Radioplan vonnöten.

          Auf den ersten Blick mag es verwunderlich erscheinen, wenn Privatunternehmen – mit Blick auf die Kosten von fünfhundert Millionen Euro – nach dem Staat rufen. Auf den zweiten Blick ist es das jedoch nicht. Sie tun dies schließlich, weil eine politische Entscheidung getroffen worden ist, die ihre Existenz in Frage stellt. Da ist eine konstruktive Lösung gefragt. Sonst wird aus dem dualen ein Mono-Rundfunksystem mit nur einer öffentlich-rechtlichen Melodie.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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