http://www.faz.net/-gqz-7oxf5

Wallraff bei RTL : Ich hab da eine Idee!

  • -Aktualisiert am

„Da solltet ihr mal Proben nehmen“: Günter Wallraff berät RTL-Reporter Bild: RTL

Erst Zalando, jetzt Burger King - Günter Wallraff recherchiert wieder undercover. Bei RTL schlüpft er in neue Rollen und gibt dem Nachwuchs Tipps. Obwohl das Ganze ungemein gestellt wirkt, ist es besser als das Programm der Konkurrenz.

          Wie gut es ist, wenn man als junger Nachwuchs-Undercover-Reporter einen alten Hasen an seiner Seite hat, der aus einem reichhaltigen Erfahrungsschatz schöpfen kann! „Da solltet ihr mal Proben nehmen“, empfiehlt Günter Wallraff seinem Lehrling Alexander Römer, nachdem der ihm berichtet hat, dass die hygienischen Zustände in der Burger-King-Filiale, in die er sich eingeschlichen hat, katastrophal sind. „Und das mal einem Hygiene-Institut vorlegen!“ Potztausend, darauf wäre man ja als Laie oder Anfänger nicht gekommen.

          Später schlägt Wallraff in einem Gespräch vor der Kamera dem Jungreporter auch noch vor, möglichst nicht nur in einem Laden zu recherchieren, sondern in mehreren, „damit nicht der Vorwurf kommt, das sind Einzelfälle“. Wie ein alter Wickie im schwarzen Wollpullover sitzt er da und sagt tatsächlich: „Ich hab eine Idee!“ Das alles ist so inszeniert, dass man sich vorstellen kann, wie die RTL-Leute zu Wallraff gingen und sagten: Wir wollen da was aufdecken, aber kriegen keine Drehgenehmigung! Und wie sich der Altmeister der Enthüllungsreportage zurücklehnte und sagte: Leute, ihr müsst das mit versteckter Kamera machen!

          Für RTL ist die Miniserie gut

          „Team Wallraff - Reporter undercover“ heißt die kleine Reihe. Der Einundsiebzigjährige ist ihr Mentor oder vielleicht eher: ihr Maskottchen. Angeblich schaut er live zu, was die Mini-Kameras seiner Leute aufnehmen und per UMTS auf seinen Laptop übertragen, warum auch immer. „In jeder Folge schlüpft er in mindestens eine wichtige Rolle“, verspricht der Sender, als wäre das ein Grund, einzuschalten, wobei: Tatsächlich ist die Verkleidungsszene, die ihn zu einem Unternehmer im Rollstuhl macht, der einen skrupellosen Anwalt anheuert, so skurril, dass man darauf gern jede Woche wartet. Die Aufnahmen sind allerdings schon Jahre alt.

          So albern das gelegentlich wirkt - die Zusammenarbeit funktioniert und ist geschickt. Sie gibt RTL mit den Recherchen dringend benötigte Programme mit gesellschaftlicher Relevanz; die markige Ankündigung am Anfang der Sendung „Darüber wird man reden“ ist kein leeres Versprechen. Und sie gibt Wallraff einen Rahmen, in dem er ohne zu viel eigenen Einsatz tätig werden kann und nicht allzu sehr aus der Zeit gefallen wirkt.

          Sie passen erstaunlich gut zueinander, die beiden Marken RTL und Wallraff, bis zu dem Moment jedenfalls, wenn Wallraff in der virtuellen Kulisse des RTL-Mischmagazins „Extra“ neben der ebenso virtuell aussehenden Birgit Schrowange steht, während sie verschieden interessierte und selten gebrauchte ernsthafte Gesichtsausdrücke testet. Sie ist dann aber wieder ganz in ihrem Element, wenn sie zum nächsten Beitrag überleitet: „Die Arbeitswelt verändert sich ja auch insgesamt,und statt Druck vom Chef gibt es in manchen Firmen sogar Streicheleinheiten vom ,Feel-Good-Manager‘.“

          Jetzt kommen die Öffentlich-Rechtlichen

          Sendungen wie „Extra“ und „Punkt 12“ sind sonst auch die Senderheimat für Reporter wie Alexander Römer, und dass es nun dank „Team Wallraff“ einen weniger unwirtlichen Lebensraum für ihre Recherchen gibt, ist vermutlich im Sinne aller. Und so sendertypisch überdramatisiert die Sendung gelegentlich scheint, so sehr stellt sie immerhin die tatsächlichen Enthüllungen in den Mittelpunkt.

          Am Dienstag kann man das dann vergleichen mit der Dramaturgie, in die sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk heute stattdessen bei solchen Themen flüchtet: einem Boxkampf zweier Unternehmen, dessen großer gestalterischer Aufwand regelmäßig im krassen Gegensatz zum Erkenntnisgewinn steht. In der kommenden Woche treten McDonald’s und Burger King in einem „großen Duell“ gegeneinander an, „,ZDFzeit‘ testet Preis, Geschmack und Qualität“. Und weil das Maskottchen dieser Sendung nicht Günter Wallraff ist, sondern Sternekoch Nelson Müller, wird auch die Frage beantwortet werden, ob dessen eigener „Müller-Burger“ besser schmeckt als die Produkte der Schnellbräter. Bei Burger King sind sie sicher schon am Zittern.

          Weitere Themen

          Superheldenerfinder Stan Lee ist tot Video-Seite öffnen

          Marvel-Autor : Superheldenerfinder Stan Lee ist tot

          Der Erschaffer von Spider-Man, Doctor Strange, Hulk und anderen Marvel-Helden wurde 95 Jahre alt. Stan Lee war dafür bekannt, seinen Superhelden eine in den 60er Jahren neuartige Komplexität und Menschlichkeit zu verleihen.

          Topmeldungen

          Aus Protest gegen May : Zwei Minister verlassen Mays Kabinett

          Nach der Einigung auf einen Austrittsentwurf bricht Theresa May ihre Regierung weg. Aus Protest gegen ihre Brexit-Pläne treten die Minister Raab und McVey zurück. Der EU-Sondergipfel zum Brexit soll am 25. November in Brüssel stattfinden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.