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„Waldis Club“ wird eingestellt Der ewige Stammtisch

 ·  Der Sportreporter und Fernsehmoderator Waldemar Hartmann ist populär. Weil die ARD-Gewaltigen nicht so wollen wie er, gibt er seine Sendung „Waldis Club“ nun auf. Aber geht er wirklich?

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Es gibt nicht wenige unter den öffentlich-rechtlichen Fernsehgewaltigen, die während ihrer eigenen Laufbahn versucht haben, der Karriere des Waldemar Hartmann einen Knick zu versetzen oder sie gleich ganz zu beenden.

Marianne Kreuzer war die erste. Als Sportchefin des Bayerischen Fernsehens wollte sie ihn im Jahr 2000 aus der BR-Sendung „Blickpunkt Sport“ verbannen. Hartmann, damals zweiundfünfzig Lenze zählend, sei zu alt für den Job, hieß es, und überdies zu wenig kompetent. Frau Kreuzer wurde sehr rasch von ihrem eigenen Vorgesetzten, dem damaligen Fernsehdirektor Gerhard Fuchs, zurückgepfiffen. Waldemar Hartmann ist eben populär und bringt Quote.

Im Jahr 2004 wurde ihm auf Anordnung des ARD-Sport-Koordinators Hagen Boßdorf die Moderation des „Topspiels der Woche“ in der „Sportschau“ entzogen. Keine zwei Wochen danach hatten ihn die Bundesliga und der Bildschirm wieder. Boßdorf wurde von seinem eigenen Vorgesetzten, dem ARD-Programmdirektor Günter Struve, sehr rasch zurückgepfiffen. Waldemar Hartmann ist eben populär und bringt Quote.

Die krachlederne Late Night

Ende 2008 lief Hartmanns Vertrag mit „Blickpunkt Sport“ aus. Er wurde nicht verlängert. Im „Spiegel“ beklagte er sich: „Ich bin nach zweiunddreißig Jahren im Sender durch den Hinterausgang verabschiedet worden und habe nicht mal eine trockene Blume bekommen.“ Der BR-Fernsehdirektor, der immer noch Fuchs hieß, blieb ungerührt. Waldemar Hartmann blieb populär und ging andere Wege.

Nun, im Juli 2012, ist es die ganze Riege der Sportchefs und Fernsehdirektoren der ARD, die ihm in die Quere kommt. Es geht um seine Stammtisch-Sendung „Waldis Club“, die uns seit der WM 2006 regelmäßig heimsucht und die wir während der ukrainischen und polnischen EM gerade aufs Neue überstehen mussten.

Den Vertrag für diese krachlederne Light Night wollten die ARD-Gewaltigen jetzt zwar verlängern, aber nur um ein Jahr - und nicht, wie es Hartmann vorschwebte, bis zur WM 2014 in Brasilien. Also schmeißt er gleich und ganz hin.

Feuilletonisten mag er nicht

Aufs Neue bietet ihm der „Spiegel“ eine Interview-Plattform. Als seinen Intimfeind macht er dort Steffen Simon aus, den Sportchef des WDR. Der habe ihn schon während der EM „auflaufen lassen“. Bei der Reportage des Halbfinales gegen Italien habe es Simon unterlassen, „ordentlich Werbung“ für Hartmanns nachfolgenden Stammtisch zu machen, obwohl er mit Anne Will, Til Schweiger und Fredi Bobic „Spitzengäste“ gehabt habe.

Was soll man sagen? Dass man schon die zusammen mit Harald Schmidt durchexerzierten „Harry und Waldi“-Sendungen von den Olympischen Spielen 2006 in Turin und 2008 in Peking kaum ertrug? Dass man jetzt dem Hinschwinden von „Waldis Club“ keine Träne nachweint? Waldemar Hartmann hat darauf die Antwort, „nur die Feuilletonisten“ sähen das so, die Zuschauer aber eben ganz anders. Er habe auch bei der jüngsten EM „um Mitternacht regelmäßig drei Millionen Menschen vor dem Fernseher versammelt“.

Viel Bier und dauernde Duzen

Waldemar, genannt: Waldi, Hartmann wird allein durch das „Weißbier“-Interview mit dem damaligen Bundestrainer Rudi Völler im Jahr 2003 fernsehlegendär bleiben. Wie der nicht zu bremsende Reiner Calmund und der mittlerweile ZDF-Ruheständler und Talkshow-Dauergast Rolf Töpperwien verkörpert er den Fußball in seiner volkstümlichsten Art, also eben auch mit viel Bier, Bier-Werbung, dummen Sprüchen und Dauer-Duzen. Man muss das nicht mögen, viele aber mögen ihn.

Bis zum Ende dieses Jahres hat er bei der ARD noch einen Vertrag als Boxmoderator - auch weil das Profiboxen so trostlos geworden ist und die langweiligen Klitschkos bei RTL kämpfen, könnte für Hartmann dann wirklich öffentlich-rechtlicher Dienstschluss sein.

Aber seine Karriere beweist, dass er ein Stehaufmännchen ist. Keineswegs ausschließen sollte man also, dass er irgendwie und irgendwo weitermacht. Auf die Frage, wann man zu alt fürs Fernsehen sei, antwortete er in Jahr 2000: „Wenn man nicht mehr sieht, wo die Kamera steht.“ Bis dahin ist noch eine lange Weile.

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Jahrgang 1951, Redakteur im Feuilleton.

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