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Wahlnachtsfernsehen Als könnten die Bilder nicht für sich sprechen

Das Übererklären machte ein bisschen müde in dieser langen Wahlnacht im deutschen Fernsehen. Nicht, wenn es um die komplexen Verhältnisse ging, sondern wenn Bilder für sich hätten stehen können oder Technik einfach nur hätte genutzt werden müssen.

© dpa Vergrößern Bis kein Platz mehr auf der Bühne ist: Nach dem Eingeständnis seiner Wahlniederlage wird Mitt Romney von seinen Lieben umringt

Der große Unterschied zwischen amerikanischem und deutschem Fernsehen, nach einer Nacht der Wahl: Auf MSNBC, nur als Beispiel, man könnte auch CNN nehmen, wird getwittert. In ARD und ZDF wird erst mal gesagt, dass jetzt getwittert wird, was ja eine irre neue Technologie sei, die „immer wichtiger geworden“ ist in letzter Zeit, wie Bettina Schausten im ZDF sagt - und dann wird getwittert.

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Oder per Skype telefoniert, das macht Andreas Cichowitz in der ARD, oder gebloggt, wie Sascha Lobo „für“ das ZDF, erklärt Bettina Schausten noch mal für alle, die später eingeschaltet haben - und gibt dann hinüber zu Jeannine Michaelsen, bekannt vom ZDF-Fußballstrand an der Ostsee, die wieder vor einem Monolithen steht, aber diesmal ist es nicht Oliver Kahn, sondern eine große Wand wie aus „2001“, auf der Tweets eingeblendet werden, zum Beispiel vom Kollegen Christoph Röckerath in Ohio.

Es wäre leichter, effektiver, bewegender

Ein bisschen wirkt dieses Herumtanzen um Technologien, die anderswo einfach benutzt werden, dieses riesengroße Hinweisschild, das sie da alle ständig aufstellen, „Achtung Internet!“, so wie früher: wenn in den Nachrichten das Bild ausfiel bei Korrespondentenschaltungen und dann ein Foto des Korrespondent mit einem Telefonhörer in der Hand einblendet wurde, das sie vorher extra von ihm gemacht haben, in kompletter Offenlegung der modernsten Techniken, die sie so benutzen im Fernsehen, um ihre Arbeit zu machen.

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Das Übererklären machte ein bisschen müde in dieser langen Nacht. Nicht das Übererklären der komplexen Wahlverhältnisse in den Vereinigten Staaten, davon kann man ja eigentlich gar nicht genug bekommen, eher das ständige Kommentieren und Erläutern der Dinge, die man ja selbst sieht: Da steht Tim Kröger vom ZDF in Chicago, wo die Anhänger Obamas ihre Fahnen schwenken und tanzen, leuchtende Gesichter, glückliche Sieger - und Kröger redet und redet und redet und redet. Es ist bestimmt wahnsinnig anstrengend, so eine Nacht hindurch zu berichten und immer wieder etwas Neues zu sagen haben zu müssen, aber manchmal, vor allem in solchen Momenten, wäre es doch leichter, effektiver, bewegender, die Bilder für sich sprechen zu lassen. Es ist Fernsehen, man hat ja Augen dafür!

Dafür schickt man Korrespondenten los

Aber nein. Der wiedergewählte Präsident geht mit seiner Familie in Chicago auf die Bühne, um sich feiern zu lassen, ein Augenblick, auf den man seit Viertel vor elf am Abend zuvor gewartet hatte, und Bettina Schausten sagt: „Hier sehen wir Barack Obama und seine drei Frauen.“ Und der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit, das war ein paar Stunden zuvor in dieser spannenden Nacht, sagt auf dem gleichen Sender: „Das wird eine spannende Nacht.“ (Es war zwecklos mitzuzählen, wie oft dieser Satz in dieser spannenden Nacht gefallen ist.)

Dunja Hayali wiederum steht am Times Square in New York, als der Sieg Obamas klar ist, und sagt: „Ich bin noch nie so oft umarmt worden wie heute“, und das ist einfach gut, dafür schickt man Korrespondenten los. Es stimmt ja, dass Claus Kleber etwas zu viel von Claus Kleber erzählt, wenn er vor der Kamera steht, so ist er eben, aber dafür bewegt er sich durch die amerikanische Nacht. Er geht auf die Straße, redet mit Leuten, steht im Schnee in D.C.: Das will man doch sehen, das Land, in dem gerade gewählt wird und in dem man selbst gerade eben nicht ist.

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