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Vorzeigeserien bei Sat.1 Ein Mann steigt aus, eine Frau will nach oben

 ·  Auf diesen Montag haben die Fans der beiden Vorzeigeserien lange gewartet. Und die Verantwortlichen im Sender auch. Bei Sat.1 beginnen die neuen Folgen von „Der letzte Bulle“ und „Danni Lowinski“.

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Die vierte Staffel von „Der letzte Bulle“ fängt gut an: Mick Brisgau ist gar kein Bulle mehr, er hat den Dienst quittiert. Dass ihm seine Kollegen verschwiegen haben, wer ihn vor zwanzig Jahren ins Koma schoss, dass derjenige von der Polizei gedeckt wird, treibt ihn in die Einsiedelei. Im Wald haust er in einer Hütte und jagt sich sein Mittagessen selbst. Fehlt nur die Liane, und man würde sagen: Tarzan ist zurück. Auch diese Rolle würde Henning Baum stehen.

Die Anwältin Danni Lowinski hingegen steigt nicht aus, sondern auf. Ins eigene Büro respektive ein Ladenlokal im Tiefparterre des Einkaufscenters, in dem sie ihre Klienten bislang am Klapptisch empfing. Die Freunde schenken ihr ein Messingschild. Das macht was her. Ob Danni Lowinski jetzt ihre Preise erhöhen soll? Statt eines Euro pro Minute zwei? Das wäre dann doch vielleicht zu vermessen. Und schon bei ihrem nächsten Fall hat sie es abermals und wie üblich mit Habenichtsen zu tun. Annette Frier ist wieder in ihrem Element.

Auf diesen Montag haben die Fans der beiden Vorzeigeserien von Sat.1 lange gewartet. Und die Verantwortlichen im Sender auch. Zuletzt hat auf diesem Sendeplatz einfach nichts geklappt. Die sogenannten „Event-Programme“ wie „Die Tore der Welt“ und „Das verlorene Labyrinth“ sind nicht wirklich eingeschlagen. Die neuen Serien „Auf Herz und Nieren“, „Der Cop und der Snob“ und „Es kommt noch dicker“ gingen unter, die vierte Reihe im Bunde, „Familie undercover“, ging gar nicht an den Start. Der Sat.1-Geschäftsführer Nicolas Paalzow, erst seit dem vergangenen Oktober im Amt, musste die Reißleine ziehen. Und das trotz ansehnlicher Produktionsqualität und prominenter Besetzung.

Es nützte alles nichts, auch nicht, dass Wolke Hegenbarth, die in „Es kommt noch dicker“ die Hauptrolle spielt, im Unterhaltungsfach eine Bank ist. Den Serien fehlte der letzte Pfiff. Die Zuschauer blieben weg, und dann heißt es für einen Privatsender zu handeln, um nicht bei den Werbeschaltungen abzuflachen. An Profil hatte Sat.1 schon zuvor verloren: Harald Schmidt weg, Champions League weg, Comedys und Spielshows wie „Schillerstraße“ oder „Genial daneben“ sind Geschichte. So landete Sat.1 am Ende des Jahres bei einem Zuschauermarktanteil von unter zehn Prozent. Weiterlaufen darf es so nicht.

So müsste es wieder aufwärtsgehen

Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, sorgten die beiden Serien, zu deren Beginn die Vormacht amerikanischer Streifen im hiesigen Privatfernsehen zumindest zu wanken schien - aber nur schien -, nicht für den Umschwung. Die Autoren haben für den „Letzten Bullen“ eine neue, übergreifende Fährte gelegt: Jetzt ist er auf der Suche nach den Hintermännern des Attentats, das ihn zwanzig Jahre kostete, und die haben es noch immer auf ihn abgesehen. Doch zunächst muss Mick Brisgau aus der Wildnis kommen. Sein Kompagnon Andreas Kringge (Maximilian Grill) hat härteste Entzugserscheinungen. Brisgaus Nachfolger (Daniel Zillmann) ist nämlich die Karikatur eines Korinthenkackers, so dass der ursprünglich auf Form bedachte Kringge die Füße auf den Tisch legt, einen auf Django macht und anfängt zu rauchen. Das kann so nicht bleiben. Für Danni Lowinski wiederum steht ein bescheidener beruflicher Aufstieg und stehen zwei Männer parat: der Frauenschwarm-Staatsanwalt August von Grün (René Steinke), der sich für unwiderstehlich hält, und der Unterweltboss Pit (Dirk Borchardt), den die resolute Danni mit einem zur Rettung ihres Mandanten gedachten Kuss nachhaltig beeindruckt.

Mit diesen Geschichten, vor allem aber mit den Figuren, mit den beiden Hauptdarstellern und den feinen Ensembles, sollte es für Sat.1 montagabends eigentlich wieder aufwärtsgehen.

Der letzte Bulle läuft um 20.15 Uhr, Danni Lowinski an diesem Montag um 21.15 Uhr bei Sat.1.

Quelle: F.A.Z.
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