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Vorabendprogramm in der ARD : Wohnst du noch oder drehst du?

  • -Aktualisiert am

Hier treffen offenkundige Gegensätze aufeinander: der Landmann (Frank Vockroth) und die Großstadtemanze (Loretta Stern) müssen zusammenarbeiten Bild: ARD/Georges Pauly

Mit drei neuen regionalen Krimis baut die ARD ihr Vorabendprogramm um. Die Möblierung wird groß angekündigt, zum Teil aber aus Klischees gezimmert. Und es gibt ein Nord-Süd-Gefälle.

          Globalisierung! Technisierung! Entfremdung! Da ist es gut, ein wenig Heimat zu haben. Ein Abo von „Landlust“ oder „Hof Direkt“. Und am Wochenende shoppen bei Manufactum. Die ARD ist die Manufactum-Version des Fernsehens: Es kommt uns ziemlich teuer; was produziert wird, ist ewig im Programm und sieht aus wie aus einem anderen Jahrhundert. Folgerichtig, dass sich das Erste an seinem „Markenkern orientiert“, wie Frank Beckmann, Koordinator des Vorabends erklärt, und die Zeitschiene von 18 bis 19 Uhr „revolutioniert“.

          Wenn man die Serien gesehen hat, ist man froh, dass sich reale politische Umwälzungen, die im Nahen Osten zum Beispiel, nicht nach dem Revolutionsbegriff der ARD vollziehen. Es wären dann Pyjamapartys, wo man beschließt, den Diktator im Amt zu lassen, aber die Folterkeller, die feudeln wir mal ordentlich durch!

          Die ländliche Revolution

          Revolution, das meint konkret, jüngere Zielgruppen zu erreichen. Die Privaten haben es vorgemacht: nicht amerikanische Formate abkupfern, was nicht funktioniert - siehe den „House“-Verschnitt und Quoten-GAU „Dr. Molly & Karl“ -, sondern selbst entwickeln. Serien wie „Danni Lowinski“ oder „Der letzte Bulle“ versprechen einen wichtigen Mehrwert - Identifikation. Außerdem hatte man beim Ersten schon einen Prototyp, „Großstadtrevier“, die seit gefühlten tausend Jahren laufende Serie mit Jan Fedder als Hamburger Polizeifossil.

          Hamburg aber ist Großstadt, und es soll ja um Heimat gehen. Kunden, die diese DVD gekauft haben, könnte es später im Handel heißen, haben auch das Pflanzholz in hundert Prozent Esche oder eine Wolldecke aus Coburger Fuchsschaf erworben. Deshalb muss man raus aus der Stadt, und die Deiche der Nordseeküste, die Wiesen am Nordrand des Harzes oder die Weiden des Voralpenlands geben auch viel mehr her für die touristische Bebilderung. Ein Handlungsort ist nur so gut wie die Busroute, die man zu ihm buchen kann.

          Auch dieses Ermittlerduo scheint eher Katz und Hund zu sein: Richter (Martin Lindow) und Henker (Rike Schmid)

          Heimat muss es aus auch deshalb sein, weil man so das bewährte Doppel Städter/Landmensch zusammenspannen kann. Da wir uns im Von-der-Leyen-Deutschland mit dräuenden Frauenquoten bewegen, läuft das so: Patente Frau und übertrieben wertkonservativer bis reaktionärer Mann müssen zusammenarbeiten. Der moderne Macho als soziale Sollbruchstelle - man sieht schon die Interviewstrecken in Frauenmagazinen. War es schwer, diese Härte darzustellen und dabei verletzlich zu sein? Zwei der drei neuen Serien funktionieren in dieser Weise, und an „Nordisch herb“ und „Henker & Richter“ lässt sich zeigen, was alles schief- beziehungsweise gut laufen kann mit der Revolution.

          Wickie und die starken Männer in Husum

          Für „Nordisch herb“ wurden zwei Fachkräfte verpflichtet. Frank Vockroth, als Hauptdarsteller von „Notruf Hafenkante“ quasi vom Fach. Dazu Loretta Stern, im Genre bewährt dank der Krimireihe „Unschuldig“. Die Idee: Sie ist die coole Ermittlerin aus Berlin, er das frostige Nordlicht aus Husum. Gemeinsam lösen sie Fälle mit Lokalkolorit. In der ersten Folge wäre das die Ermordung eines Schimmelreiterdarstellers, der im Auftrag des städtischen Marketings aufsattelte.

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