26.02.2010 · Die linksliberale dänische Zeitung „Politiken“ hat sich für den Abdruck von Mohammed-Karikaturen im Jahr 2008 entschuldigt. Und steht dafür in der Kritik: von „Jyllandsposten“ und dem dänischen PEN.
Von Matthias HannemannNein, das ist nicht im Sinne von „Jyllandsposten“, der Zeitung, deren Mohammed-Karikaturen im September 2005 den Karikaturenstreit auslösten und deren Zeichner Kurt Westergaard seither unter Polizeischutz steht und an Neujahr von einem Attentäter in seinem Haus attackiert wurde.
Zwar hat sich auch „Jyllandsposten“ einmal, im Jahr 2006, dafür entschuldigt, religiöse Gefühle von Muslimen verletzt zu haben. Und zwar zählt auch die linksliberale Zeitung „Politiken“ zum Medienhaus „JP/Politikens Hus“, dem „Jyllandsposten“ gehört. Die von „Politiken“ am Freitag verkündete Entschuldigung für den Abdruck von Karikaturen im Jahr 2008 aber ist von „Jyllandsposten“ scharf kritisiert worden. Den „Jyllandsposten“-Chefredakteur erinnert der „Vergleich“ mit acht muslimischen Organisationen gar an den „Peace for our time“, den Neville Chamberlain im Herbst 1938 mit Hitler ausgehandelt haben wollte. „Jyllandsposten“ habe seinerzeit lediglich erklärt, die muslimische Welt mit den Karikaturen nicht bewusst verletzt zu haben. „Politiken“ aber lasse sich unter dem Druck der muslimischen Kritiker auf eine Vereinbarung ein.
Auch der dänische PEN distanzierte sich von „Politiken“: Für sachlichen Journalismus müsse man sich nicht entschuldigen, dies sollten jene tun, welche die Drohungen gegen Journalisten und den Angriff auf Westergaard guthießen. Der „Vergleich“ der „Politiken“ umfasst ein Bedauern darüber, dass „die Karikatur Muslime in Dänemark und anderen Ländern überall auf der Welt gekränkt hat“. Man entschuldige sich „bei allen, die sich durch die Wiederveröffentlichung verletzt gefühlt haben“. Dänemarks Rechtspopulisten forderten die Medien indes dazu auf, die Karikaturen noch einmal abzudrucken, um Zeichen zu setzen.