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Urheber-Appell Die schwarze Liste von Anonymous

Anonymous attackiert die Aktion „Wir sind die Urheber“. Die Hackergruppe hat persönliche Daten der Unterstützer online gestellt. Damit sollen weitere Unterzeichner eingeschüchtert werden.

© REUTERS Datensensibel nur im Umgang mit eigenen Daten: die Hacker von Anonymous

Die Initiatoren und Unterzeichner des Appells „Wir sind die Urheber“ sind von Gegnern ihrer Aktion, die sich zum Kreis der weltweit operierenden Gruppe „Anonymous“ zählen, im Internet mit sensiblen persönlichen Daten kenntlich gemacht worden. So finden sich auf einer Filesharingseite, auf der zuletzt massenhaft Daten von Twitter-Nutzern zu lesen waren, en détail Angaben zu den Schriftstellern, Intellektuellen und Künstlern, die hinter dem in der vergangenen Woche in der „Zeit“ und im Internet unter der Adresse wir-sind-die-urheber.de veröffentlichten Aufruf stehen. Nun stehen Name, Adresse, Telefon, Fax und E-Mail der Unterstützer da, zur freien Verwendung. Von A bis Z.

Michael Hanfeld Folgen:

Insgesamt sechstausend Künstler und Kreative haben sich dem Aufruf inzwischen angeschlossen, noch nicht alle Namen sind im Internet publiziert. Doch sehr viele der Unterzeichner hat Anonymous inzwischen im Internet mit Datensteckbriefen versehen. Die Intention ist klar: Mögliche weitere Unterstützer sollen davon abgehalten werden, sich zu solidarisieren. „Es geht hier um Bloßstellung und Bedrohung“, sagt der Koordinator der Urheberaktion, Matthias Landwehr, „wie man sie aus totalitären Staaten kennt.“ Das spreche einer demokratischen Diskussionskultur hohn. Selbstverständlich könne man anderer Meinung sein, „aber dass Künstler von sogenannten Freiheitshelden bedroht werden, ist eine neue Dimension“.

Ohne Missverständnisse

Auf der Website von „Wir sind die Urheber“ wird inzwischen darauf verwiesen, dass die Daten der Unterzeichner nicht von Hackern bei der Initiative selbst erbeutet worden sein können. Diese Information habe man nämlich zum Teil selbst gar nicht. Dass diese Daten aber nicht allein aus öffentlichen, leicht zugänglichen Quellen stammen, sondern das Ergebnis von Recherche und Aushorchung sind, kann man schon an dem Beispiel des Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff sehen. Auch er, der aufgrund seiner Arbeit besonderen Wert darauf legen muss, nicht für jedermann identifizierbar zu sein, wird von der Anonymous-Gruppe, die diese Datei angelegt hat, als Zielperson aufgeführt.

Worum es bei dem Pranger geht, wird unmissverständlich ausgedrückt: „Fuck your copyright blah blah blah“. Falls die Unterzeichner von ihrem Vorhaben nicht abließen, heißt es (in primitiv drohender Gossensprache), würden sie weiterhin verfolgt, verfolgt und verfolgt - und man werde weitere Daten offenlegen. Was dann geschehen kann, haben die Krimischriftsteller und Initiatoren des etwas kleiner angelegten Aufrufs „Ja zum Urheberrecht“ erlebt, die Ende April eine - etwas drastische - Plakataktion gestartet haben, die zeigt, wie Autoren von einem eine Guy-Fawkes-Maske tragenden Herrn buchstäblich ausgenommen werden. Die Website des halben Dutzend Krimiautoren, die sich das ausdachten, wurde mit einer Mailbombenattacke lahmgelegt, die Initiatoren wurden mit Hass-Mails eingedeckt und persönlich bedroht, sie haben Anzeige gegen unbekannt wegen Belästigung erstattet. Es wurden, wie es heißt, auch völlig Unbeteiligte Opfer dieser Anonymous-Attacke.

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“Wir müssen zu einem Ausgleich der verschiedenen Interessen kommen“, sagt die Autorin Susanne Kliem, die bei „Ja zum Urheberrecht“ mitmacht. Aber diskutieren können man nur „mit einem Gegenüber, das sein Gesicht zeigt und Verantwortung für seine Haltung übernimmt. Anonyme Repressalien gegen Andersdenkende auszuüben ist feige und verachtenswert.“ Wer „feige aus dem digitalen Dunkel heraus virtuelle Steine wirft“, den wolle sie nicht ernst nehmen, sagte die Autorin Nina George. Doch sei es wohl ein Phänomen der Zeit, dass manche im Internet auf „Diskriminierung und kleingeistige, selbstverliebte Selbstjustiz“ setzten. Doch dürfe man nicht schweigen, denn dann hätten die „Anonymous“-Aktivsten ihr Ziel ja erreicht, sagt die Autorin Angela Eßer. In den Foren von Anonymous wiederum wurde die Aktion ganz geschäftsmäßig behandelt: „Tango down“ lautet der entsprechende Begriff, der anzeigt, dass ein als bekämpfenswert ausgemachtes Ziel getroffen wurde. Das Ziel sind nun die sechstausend Künstler, die ihren Namen unter den Aufruf „Wir sind die Urheber“ gesetzt haben.

Quelle: F.A.Z.

 
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