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Film: „Unter anderen Umständen“ : Los der Löwenmutter

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Jana Winter (Natalia Wörner, rechts) und Arne Brauner (Martin Brambach) finden ein Medikament bei dem Toten, durch das sich seine Identität feststellen lässt. Bild: ZDF/Simon Vogler

Hart, aber zart: Im ZDF ermittelt Natalia Wörner als Kommissarin Jana Winter wieder „Unter anderen Umständen“, diesmal hat sie es mit einem Verbrechen aus Leidenschaft zu tun: „Liebesrausch“.

          Ins elfte Jahr geht die Krimireihe „Unter anderen Umständen“ mit Natalia Wörner in der Rolle der Kommissarin Jana Winter aus Schleswig. Den chronologisch erzählten Folgen hat Regisseurin Judith Kennel von Beginn an eine feministische Erfolgsnote verpasst. Jana Winter ist alleinerziehende Löwenmutter (ihr Sohn heißt Leo). Hochschwanger, verliert sie in der Auftaktfolge ihren Mann. Einsamkeit umflort sie forthin. Sie ist zart, misstrauisch, prinzipienfest und empathisch. Zugleich analytischer als die männlichen Kollegen, die durch Alphatiergehabe (Ralph Herforth als Kollege und Revierverteidiger Hamm) oder hilflose Fürsorglichkeit (Martin Brambach als Vorgesetzter Arne Brauner, ein trockener Alkoholiker) auffallen. Weich ist Jana Winter, sobald es um Kinder und Jugendliche geht, und das geht es hier immer.

          In elf Jahren und dreizehn Folgen beim ZDF ist die Schlei immer näher an eine Metropole des Qualitätsfernsehkrimis herangerückt: In der vorletzten Episode spielte Magnus Krepper („Die Brücke“) den dänischen Kollegen Malte Larssen von der Vermisstenstelle Kopenhagen. Nun ist er wieder dabei. Das Drehbuch hat, wie für die Folge „Das Versprechen“, André Georgi geschrieben. Man darf davon ausgehen, dass die Achse Schleswig-Kopenhagen sich demnächst weiter verfestigt. Sohn Leo (Kian Schmidt) versteht sich jedenfalls bestens mit dem herben Cordjacketträger Larssen.

          Auch die Kriminalhandlung verschränkt dänische und deutsche Beziehungen. Bei einer nächtlichen Kontrolle wird ein Polizist von einem Sportcabrio vorsätzlich überfahren. Kurz zuvor hat der Fahrer Rosenblätter auf den Wagen regnen lassen, er ist mit der Beifahrerin verliebt davongebraust. Karsten Rogges (Andreas Pietschmann) verlassener Porsche wird am Morgen von Winters Sohn Leo im Wald gefunden. Mutter und Sohn kommen gerade von der Beerdigung des Schwiegervaters zurück, bald steht die ungeliebte Schwiegermutter Evelyn Winter (Barbara Focke) in der Tür.

          Die Unvereinbarkeit von Familie und Gefühlen, von Bindungen und Freiheitsdrang – das ist der Stoff, aus dem hier auch das Verbrechen gemacht ist. Für die Lösung des Falls muss Jana Winter eine doppelte Familiengeschichte aufdröseln, mit bitterzartem Charme. Der gewönne noch, müsste sie ihrem Sohn nicht in jeder Folge einen Erziehungsvortrag halten – dieses Mal geht es um Smartphones.

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