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„Unsere Mütter, unsere Väter“ Charlotte, Greta, Friedhelm, Viktor, Wilhelm

 ·  An diesem Mittwoch läuft der letzte Teil von „Unsere Mütter, unsere Väter“ im ZDF. Der Dreiteiler macht Epoche - und versteht sich auf die Kunst, die Zuschauer bis zum bitteren Ende zu fesseln.

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© David Slama Vergrößern Da ist er längst schon kein Oberleutnant mehr: Volker Bruch als Wilhelm Winter in „Unsere Mütter, unsere Väter“

Das ist doch nicht neu. Könnte man sagen mit Blick auf die Stücke, die das Fernsehen über das „Dritte Reich“ im Laufe der Zeit produziert hat. Fiktionalisierungen und vor allem Dokumentationen sonder Zahl, gerade aus der Geschichtsfabrik von Guido Knopp im ZDF. Und doch hat all das mit dem Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ nichts zu tun. Die subjektive Perspektive von fünf jungen Leuten im Jahr 1941 hat die Geschichten im Fernsehen bislang nicht bestimmt. Und sie ist auch noch nicht so radikal dekliniert worden. Es ist das Gegenteil von statuarischem Fernsehen und hat nichts mehr mit den Kompromissen am Hut, die der gängigen Doktrin des deutschen Fernsehfilms entsprechen. Diese setzt auf Stars, auf klare Grenzen zwischen Gut und Böse, auf unbeschädigte Helden und in den zurückliegenden Jahren vor allem auf heldenhafte Frauenfiguren. Am besten auf solche, die selbst in der Trümmerwüste auch noch zwischen zwei Männern stehen und von Christine Neubauer, Maria Furtwängler oder Veronica Ferres gespielt werden können. Mit dem bricht „Unsere Mütter, unsere Väter“.

Ein Akt der Emanzipation ist dies, für das ZDF ebenso wie für den Produzenten Nico Hofmann. Der verfolgte den Plan für „Unsere Mütter, unsere Väter“ seit zehn Jahren - das ist seine, das ist die Geschichte seiner Eltern - und fand dafür im Sender zwei wichtige Unterstützer: den jetzigen Intendanten und seinerzeitigen Programmdirektor Thomas Bellut und die Hauptredaktionsleiterin Heike Hempel. Mit Stefan Kolditz kam der richtige, querköpfige Drehbuchautor hinzu und mit Philipp Kadelbach ein junger Regisseur, der (im Verein mit dem Kameramann David Slama) in Sachen Bildgebung und Dramaturgie den Vergleich mit dem amerikanischen Fernsehen nicht zu scheuen braucht. Da gibt es nichts mehr von dem zarten Schmelz, für den der Sonntagabendfilm des ZDF für gewöhnlich steht, sondern es gibt Ambivalenz und Härte. Dass dies zum Auftakt am Sonntag - dem am härtesten umkämpften Fernsehabend der Woche - 7,22 Millionen Zuschauer interessiert hat, gibt Anlass zur Hoffnung und den Verantwortlichen in den Sendern vielleicht die Lehre mit auf den Weg, dass es so auch geht, wenn man nur will und die Richtigen damit beauftragt.

Der mörderische Wahnsinn

Fünf junge Menschen im Jahr 1941 sehen wir, deren Lebensläufe paradigmatisch angelegt, die aber alles andere denn als Thesenträger ausgestattet sind. Die von Katharina Schüttler dargestellte Sängerin Greta kann einem vielleicht noch am ehesten als Kunstfigur erscheinen, der von Ludwig Trepte gespielte Viktor hingegen mitnichten - er entkommt dem Transport ins Vernichtungslager, ist bei den polnischen Partisanen jedoch abermals von Antisemiten umringt. Die drei an der Front, die Krankenschwester Charlotte (Miriam Stein) und die beiden Soldaten Friedhelm (Tom Schilling) und Wilhelm (Volker Bruch) laden zwar zur Identifikation ein, aber auch so viel Schuld auf sich, dass man sich als Zuschauer permanent die Frage stellt, die sich der Regisseur Kadelbach aufgab: Darf ich zu diesen Figuren Nähe aufbauen? Sind sie unter den gegebenen Umständen immer noch in der Lage, moralisch zu handeln?

Die Krankenschwester Charlotte glüht anfangs vor jugendlich-ideologischem Eifer und verrät eine jüdische Ärztin. Der in sich gekehrte Friedhelm wird zum Henker und besinnt sich erst ganz zum Schluss eines anderen. Wilhelm, der als Leutnant seine Truppe noch in das sinnloseste Gefecht führt, erträgt den mörderischen Wahnsinn nicht länger und desertiert.

Wie geht es weiter?

In diesen Rollen wird dem großen Publikum eine junge Riege von Schauspielern nahegebracht, die gerne als „unverbraucht“ bezeichnet werden, was ihrer darstellerischen Leistung aber nicht einmal ansatzweise gerecht wird. Sie spielen jenseits der eingeübten Posen, mit denen das auf Stars geeichte Mainstreamfernsehen sonst daherkommt. Jenseits davon spielen auch all die gestandenen Größen in Nebenrollen auf, für die stellvertretend nur Sylvester Groth in der Rolle des SS-Majors Hiemer genannt sei.

Die Kunst der Dramaturgie von „Unsere Mütter, unsere Väter“ liegt derweil darin, diese Figuren nicht aus den Augen zu verlieren und ihre Geschichten nicht einfach zu addieren, sondern zu einem Ganzen zu fügen. Daran hat der Regisseur im Schnitt mit den Cuttern Bernd Schlegel und Tobias Haas ein ganzes Jahr lang gearbeitet. Sie haben aus hundertfünfzig Stunden Filmmaterial dreimal anderthalb Stunden destilliert und dafür gesorgt, dass man nach dem ersten und nach dem zweiten Teil, der am Montagabend lief, unbedingt wissen will, wie es mit Charlotte, Greta, Friedhelm, Viktor und Wilhelm weitergeht in den Jahren zwischen 1941 und 1945, in denen eine ganze Welt untergeht.

Der dritte und letzte Teil von Unsere Mütter, unsere Väter läuft an diesem Mittwoch um 20.15 Uhr im ZDF.

Quelle: F.A.Z.
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