http://www.faz.net/-gqz-8xpb6

Umgangsformen im Netz : Wer Hass sät

Das Journalistenbüro „Correctiv“ ist bei seinen Recherchen über eine AfD-Politikerin über das Ziel hinausgeschossen. Bild: dpa

Keine Einbahnstraße: Wer zivile Umgangsformen im Internet fordert, muss sie auch selbst vorleben. Sonst ist es mit dem Engagement gegen „Hate Speech“ und „Fake News“ nicht weit her.

          Gegen den „Hass“ im Netz und gegen „Fake News“ anzutreten ist der Slogan der Stunde. Auf den können sich scheinbar alle einigen, die sogenannte Netz-Gemeinde und die Politik hinterdrein. Selbsternannte „Fake News“-Entlarver schießen aus dem Boden, der Bundesjustizminister hat gar ein eigenes Gesetz aufgelegt, um in den sozialen Netzwerken für Ordnung zu sorgen. Zivilcourage sei angezeigt, sagte der Mitbegründer der Konferenz Republica, Markus Beckedahl, in dieser Woche im Interview mit dem Deutschlandfunk. Diese unter Beweis zu stellen, hätten „wir“ online noch nicht gelernt.

          Das Erstaunliche an dieser angeblich noch nicht gelernten Lektion ist, dass sie offenbar mit dem Kampf gegen Rechtsextremismus, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit in eins geht und – sich darin erschöpft. Dabei wird, wer sich ein wenig umschaut, Aversion, Intoleranz, gar Hass, auch an anderen Stellen finden, gerne auch bei jenen, die sich für Hass-Bekämpfer erster Ordnung halten, in Wahrheit aber andere Meinungen nicht ertragen. Die Umgangsformen des sogenannten Netz-Feminismus zum Beispiel lassen, um es vorsichtig zu sagen, doch häufig zu wünschen übrig. Einige prominente Politiker der Grünen sind nicht zimperlich, wenn sie sich bei Twitter äußern.

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS
          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. jetzt auch im Web, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken. Hier geht’s zum Test.

          Mehr erfahren

          Das von Facebook als Anti-Fake-News-Brigade angeheuerte Journalistenbüro „Correctiv“ befand es kürzlich für nötig, eine AfD-Politikerin bloßzustellen, weil sie als „Nebenerwerbsprostituierte“ einmal sexuelle Dienstleistungen anbot. Die Begründung dieses vermeintlichen Scoops, der nichts als Denunziation war, fiel „Correctiv“ ziemlich schwer. Dabei wäre es ganz einfach: Wer gegen „Hass“ und „Fake News“ anzutreten meint, sollte die Maßstäbe, die er an andere anlegt, auch gegen sich selbst und jedermann gelten lassen, auf keinem Auge blind sein und nicht nur in eine Richtung „recherchieren“. Sonst fällt es denjenigen, die das Internet verpesten, sehr leicht, die vermeintlichen Moralwächter links liegenzulassen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Folgen:

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Was Döpfner wirklich gesagt hat

          Verleger gegen ARD : Was Döpfner wirklich gesagt hat

          Der Verleger-Präsident Mathias Döpfner hält eine feurige Rede und teilt gegen die Medienpolitik, ARD und ZDF aus. Die ARD-Chefin Wille reagiert wie zu erwarten mit einem Beißreflex. Und produziert „Fake News“.

          Gabriel gegen Enddatum für Verbrennungsmotoren Video-Seite öffnen

          Diesel : Gabriel gegen Enddatum für Verbrennungsmotoren

          Außenminister Sigmar Gabriel hat sich gegen ein Ausstiegsdatum für den Verbrennungsmotor und gegen Fahrverbote für Diesel-Pkw ausgesprochen. Der SPD-Politiker lehnt auch Fahrverbote für ältere Diesel-Autos ab.

          Topmeldungen

          Freund im Feindesland: Irans Präsident Rohani vor der UN-Vollversammlung

          Atomabkommen : Mit Iran gegen Trump

          Amerika verdammt das Atomabkommen und schweigt über ein weiteres Vorgehen. Hassan Rohani gibt sich als Freund der Europäer. Die fürchten böse Folgen für Nordkorea.

          Streit in der AfD : Kein Wort, zu niemandem

          Kurz vor der Bundestagswahl kann auch die AfD keinen Skandal mehr gebrauchen. Wie der Vorsitzende Jörg Meuthen verhindern will, dass Äußerungen von Frauke Petry weitere Kreise ziehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.