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Umbau der Sendergruppe Sat.1 ist in einem halben Jahr in München

13.11.2008 ·  Der Umzug von Sat.1 von Berlin nach München ist beschlossen. Einen neuen Chef bekommt der Sender auch. Die Mitarbeiter sind geschockt, die Konzernführung spricht von einem „Zukunftsprogramm“.

Von Michael Hanfeld
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Der Vorstand von Pro Sieben Sat.1 hat nicht nur den erwarteten Umzug des Senders Sat.1 von Berlin nach München beschlossen. Es gibt ein „Zukunftsprogramm“, das weit darüber hinaus reicht. Beschlossen wurde es bereits an diesem Dienstag. Der Umzug von Sat.1 und verschiedener Abteilungen von Pro Sieben Sat.1 nach München-Unterföhring soll schnell vonstatten gegen. Im Juni des nächsten Jahres soll er abgeschlossen sein.

Schon zum 1. Januar aber bekommt Sat.1 mit Guido Bolten einen neuen Geschäftsführer, Bolten war bis dato Chef des kleineren Schwestersenders Kabel 1. Der bisherige Sat.1-Geschäftsführer Matthias Alberti übernimmt neben Andreas Bartl die Leitung der sogenannten German Free-TV-Holding in München, in der die Sender Sat.1, Pro Sieben, Kabel Eins und N 24 zusammengefasst sind. Neuer Chef von Kabel 1 wird Jürgen Hörner, der bisherige stellvertretende Geschäftsführer von Pro Sieben. Der Chef des Nachrichtensenders N 24, Torsten Rossmann bleibt in Berlin, führt aber künftig auch die Zentralredaktion von Sat.1, die in der Hauptstadt verbleibt.

225 Stellen werden abgebaut

Von dem Umzug sind nach Angaben der Konzernführung 350 Mitarbeiter betroffen, sie sollen einen Job in München oder eine Abfindung angeboten bekommen. In der gesamten Sendergruppe, die in Deutschland rund 3000 Mitarbeiter hat, werden 225 Stellen abgebaut.

Die Mitarbeiter erfuhren von dem „Zukunftsprogramm“ um 9.30 Uhr am Donnerstagmorgen auf zwei außerordentlichen Betriebsversammlungen, die parallel in Berlin und München abgehalten wurden. In den vergangenen Tagen hatte sich gegen die sich abzeichnenden Pläne des Konzerns in Berlin heftiger Widerstand formiert.

Worüber soll Wowereit noch reden?

Auch die Politik hatte sich gegen den Wegzug von Sat.1 aus Berlin ausgesprochen. Die erwogene Verlegung von 600 bis 700 Arbeitsplätzen wäre eine „unternehmerische und medienpolitische Fehlentscheidung“, sagte die Chefin der Berliner Senatskanzlei, Barbara Kisseler. Es dürfe keine negativen Auswirkungen auf Produktionen am Medienstandort Berlin geben.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und der Wirtschaftssenator Harald Wolf wollten demnächst in direkten Gesprächen mit den Arbeitnehmern und den Arbeitgebern von Pro Sieben Sat.1 darauf drängen, die Abkehr vom Standort Berlin noch einmal zu überdenken. Der frühere Sat.1-Geschäftsführer Roger Schawinski hatte den sich abzeichnenden Umzug seines ehemaligen Senders in einem Interview als „Tragödie“ bezeichnet.

Deutschlandchef ist zufrieden

Andreas Bartl, der Deutschlandchef von Pro Sieben Sat.1, ist der Spiritus rector des Umzugs. Er betont, Berlin bleibe mit 450 Mitarbeitern weiterhin „der wichtigste Produktionsstandort und das journalistische Kompetenzzentrum der Gruppe“. Doch es gelte: „Sat.1, Pro Sieben und Kabel Eins gemeinsam in München – das ist für mich die wichtigste Entscheidung, die wir im deutschen Markt je getroffen haben. Wir haben jetzt die Chance, gemeinsam für jeden einzelnen Sender das bestmögliche Programm zu machen. Durch den täglichen Austausch von Ideen, eine vernetzte Nutzung unserer Programmressourcen, Teamgeist und eine gemeinsame Vision werden wir das enorme Potential der Senderfamilie voll entfalten. Unterföhring mag für viele nur ein Vorort sein, aber hier findet man eine in Deutschland unvergleichliche Dichte kreativer TV-Macher. Zusammen mit den Kollegen aus Berlin werden wir ein Content-Powerhouse schaffen, das seinesgleichen sucht.“

Der Vorstandsvorsitzende von Pro Sieben Sat.1, Guillaume de Posch, der seinen Posten zum 1. Januar abgibt, sagte, man stelle nun auf dem für die Gruppe größten und wichtigsten Markt „die Weichen für die Zukunft“. Der Gesamtmarktanteil der vier deutschen Sender liege stabil bei dreißig Prozent, „und wir glauben, dass wir noch besser werden können“. Um dieses Ziel zu erreichen stelle man alle Unternehmensbereiche in Deutschland besser auf.

Betriebsrat schaltet Anwälte ein

Dennoch scheint es fraglich, ob Sat.1 den Umzug schadlos übersteht, geht es doch darum, die kreativen Köpfe, die hinter dem Programm von Sat.1 stehen, nicht zu verlieren. Nicht nur aus der Belegschaft wurde die Vermutung laut, mit dem Umzug verbinde sich ein verkappter Personalabbau. Die Sendergruppe insgesamt soll aufgerufen sein, Kosten von hundert Millionen Euro zu sparen.

Die Betroffenen wollen die Umzugs-Entscheidung nicht einfach hinnehmen. „Unsere Anwälte werden prüfen, ob so ein Zwangsumzug überhaupt rechtlich zulässig ist“, sagte Kathrin Schulze, die Vorsitzende des Betriebsrats. Nach der Mitarbeiterversammlung, auf der die Vorstände von Pro Sieben Sat.1 dem Vernehmen nach heftig ausgepfiffen wurden, protestierten in Berlin mehrere hundert Sat.1-Mitarbeiter. Sie riefen unter anderem „Wir sind Berlin!“ Dass ein Sender der Gruppe verkauft werden könnte, hat die Führung von Pro Sieben Sat.1 ausdrücklich dementiert.

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