http://www.faz.net/-gqz-763wo

Überwachungsdrohnen : Keine Geste bleibt verborgen

  • -Aktualisiert am

Yiannis Antoniades erklärt seine Arbeit Bild: PBS Nova

Eine Drohnenkamera, die aus fünf Kilometern Höhe erkennen kann, wie jemand winkt: Für das amerikanische Verteidigungsministerium hat ein Ingenieur die Überwachungstechnik perfektioniert. Mit handelsüblichen Bauteilen.

          Es sind eigentlich nur Schnittbilder, kleine Überblendungen. In „Person of Interest“, der Fernsehserie, in der New York von einer Maschine überwacht wird, die immer schon vorher weiß, wer als nächstes stirbt, dienen sie als ästhetisches Mittel, um zwischen zwei Szenen etwas Raum zu schaffen. In der Ästhetik von Überwachungskameras werden für kurze Momente Bilder der Stadt gezeigt. Jeder Mensch, jedes Auto, jede Fähre - alles, was sich bewegt, wird von einem Kästchen umrahmt. Daneben erscheint eine Legende mit weiteren Einzelheiten.

          Diese Science Fiction spielt in der Gegenwart. Sie ist ausgedacht, aber deswegen nicht unwirklich. Es ist „Fiction“, weil man nicht genau weiß, was schon „Fact“ ist. Einen Einblick in die geheime Wirklichkeit erlaubt nun Yiannis Antoniades, der im Auftrag des amerikanischen Verteidigungsministeriums für das britische Rüstungsunternehmen BAE Systems Überwachungs- und Aufklärungstechnologie entwickelt und in einer Fernsehdokumentation des Senders PBS über seine Arbeit spricht. In einem, wie Antoniades selbst sagt, seltenen Einblick zeigt er eine seiner Entwicklungen: eine 1.8-Gigapixel-Kamera, mit der sich aus fünf Kilometern Höhe ein 35 Quadratkilometer großes Gebiet überwachen lässt.



          Das Kamerasystem heißt Argus-IS (Autonomous Real-Time Ground Ubiquitous Surveillance Imaging System) und besteht aus 368 handelsüblichen Kamerachips, wie sie in modernen Mobiltelefonen verbaut sind. Seit zwei Jahren wird die Kamera an Bord von Flugzeugen und Drohnen getestet. Zeigen dürfe Antoniades die Kamera und ihren Chip allerdings nicht. Stattdessen präsentiert er ein mit Argus-IS aufgenommenes Bild der Stadt Quantico in Virginia. Er zeigt es im Panorama, zoomt hinein auf Parkplätze, Gehwege und Straßen. Alles, was sich bewegt, wird vom Computer erkannt und mit farbigen Kästchen umrahmt, damit es sich besser verfolgen lässt. Ein Vogel fliegt durch das Bild, man sieht einen Menschen winken.

          Das System, das so erschreckend detaillierte Einblicke bietet, dient aber nicht nur der Live-Überwachung von ganzen Städten, es vergisst auch keines der Bilder mehr. Die Datenmassen werden gespeichert und bleiben stets abrufbar. So wie Antoniades beliebig in das Bild hineinzoomt, springt er auch in der Zeit zurück. Alles, was nicht unter Brücken oder Regenschirmen geschieht, kann er sehen. Erschreckend an dieser öffentlichen Machbarkeitsstudie ist auch ihr Subtext. Denn all die Technologie, die Antoniades für seine Entwicklung brauchte, war bereits vorhanden. Es ist offenbar nicht mehr die Technologie, die die Grenze des Machbaren absteckt, sondern die Phantasie der Entwickler. Zwischen Fact und Fiction ist nicht mehr viel Raum.

          Weitere Themen

          Es fehlt der Realitätsbezug Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Dogman“ : Es fehlt der Realitätsbezug

          Der neue Film von Matteo Garrone ist kein schöner Film und spielt in einer Gegend, die wir oft nur aus dem Kino kennen: Auf der Rückseite Süditaliens. - Ob es sich trotzdem lohnt ihn zu sehen verrät Andreas Kilb.

          Nichts bleibt ungesehen

          „Frankfurt, Dezember`17“ : Nichts bleibt ungesehen

          Moral klirrt in der adventlichen Winterkälte: Im ARD-Mittwochsfilm „Frankfurt, Dezember `17“ wird ein Obdachloser von gelangweilten Kindern aus gutem Hause drangsaliert. Die christlichen Bezüge sind überdeutlich, die Bildgestaltung sehenswert

          Topmeldungen

          Brexit-Verhandlungen : Der Moment der Wahrheit naht

          Beim EU-Gipfel in Brüssel sind sich die Teilnehmer einig: Eine Einigung für den anstehenden Brexit zu erzielen, wird immer schwerer. Und neue Kritik an der britischen Premierministerin gibt es auch.
          Mit oder ohne Krawatte: Amtsinhaber Bouffier mit Herausforderer Schäfer-Gümbel

          TV-Duell in Hessen : Und plötzlich eine Schicksalswahl

          Der Zusammenhalt der Koalition, die Zukunft der SPD: Nach der Bayern-Wahl geht es in Hessen um mehr als nur den neuen Landtag: Beim TV-Duell wird deutlich, wie schwer die Klötze an den Füßen der beiden Spitzenkandidaten sind.

          Anschlag auf der Krim : „Ich liebe Dich, meine Sonne“

          Eine mit Metallteilen gefüllt Bombe geht in einer Berufsschule im Osten der Krim hoch. Dutzende Schüler werden verletzt. Zunächst wird wegen Terror ermittelt – doch die Tat war wohl nicht politisch motiviert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.