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Twitterer Michael Umlandt im Gespräch : Ich entschuldige mich gern fürs ZDF

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Fünf Jahre ZDF-Twitterer, jetzt zu Twitter: Michael Umlandt Bild: ZDF/Rico Rossival

Vor fünf Jahren haben sich die Studenten Marco Bereth und Michael Umlandt auf Twitter einfach als ZDF ausgegeben. Der Sender tat nichts dagegen, holte sie später sogar ins Haus. Nun geht Umlandt - zu Twitter.

          Herr Umlandt, wie viel ZDF sind Sie?

          An manchen Tagen 110 Prozent. Es gibt auch Tage, an denen ich die Hände überm Kopf zusammenschlage und sage: Das ist nicht mein ZDF. Ich glaube aber erschreckenderweise, dass ich drei Viertel der Zeit mit allem ganz konform gehe und denke: Ja, das passt so.

          War das der Grund, warum Sie sich damals @ZDF ausgesucht haben? Nicht nur, weil es frei war?

          Wir mochten den Sender wirklich. Sowohl Marco als auch ich sind mit vier oder fünf Programmen aufgewachsen. Das ZDF war das Programm, wo man gesagt hat: Das ist okay.

          Sie haben keinen Satire-Account gemacht.

          Nee, wir haben von vornherein gesagt: Wir tun einfach so, als wären wir das ZDF. Oder wie wir uns vorstellen, wie das ZDF ist.

          Brenzlig wurde es, als Sie nach einem halben Jahr behauptet haben, der Wechsel von Jörg Pilawa zum ZDF sei perfekt.

          Ja, danach haben wir uns beim Sender gemeldet, da wurde es uns zu heikel. Die meinten, wir hätten das ganz gut gemacht, deshalb hätten sie sich auch vorher nie gemeldet. Von da an gab es jemanden, der den Kontakt zu uns hatte, so dass man uns notfalls hätte bremsen können. Aber im Prinzip lief das weiter wie bisher.

          Später bekamen Sie dafür vom Sender ein bisschen Geld, und vor zwei Jahren haben Sie sogar eine Stelle im ZDF bekommen. Gab es irgendwann den Punkt, wo ein Konzept entwickelt wurde, wo Abläufe festgelegt wurden?

          Glücklicherweise nicht. Wir waren ein eingespieltes Team. Es gab überhaupt keinen Anlass, einen Dienstplan zu entwickeln. Wir bekamen nur ein paar Handynummern für Notfälle. Das Schöne bei Twitter ist: Es ist eigentlich so einfach, die Leute zu vertrösten. Man kann immer sagen: Wir kümmern uns darum und melden uns wieder.

          Sie twittern, wie es Ihrer Persönlichkeit entspricht, und prägen damit auf Twitter das Bild des ZDF - das eigentlich von Marketingstrategen genauestens kontrolliert wird.

          Ich frage mich immer noch manchmal, warum sie uns das haben machen lassen. Es entspricht überhaupt nicht dem, wie das ZDF sonst kommuniziert. Wenn ein Mitarbeiter der Pressestelle was nach außen geben möchte, muss er das mit diversen Vorgesetzten abklären. Und dann gibt’s den Umlandt und den Bereth, die hauen einfach raus, was sie Lust haben. Ich glaube, dass viele Menschen im Haus erkannt haben, dass es dem ZDF guttut, wenn es ein bisschen lockerer wird.

          Eine Aufgabe von Ihnen war es, Leute im Sender zum Twittern zu bringen.

          Ja. Bei Claus Kleber hat es eineinhalb Jahre gedauert. Geklappt hat es am Tag, bevor er nach New York flog, um Hillary Clinton zu interviewen. Es war dann eine Entscheidung von Jetzt auf Gleich. Wir hatten gerade noch Zeit, die App auf seinem Handy zu installieren und zu zeigen, wo er drücken muss.

          Ist es gut, wie er twittert?

          Ich habe irgendwann mal gesagt: „Es gibt kein richtiges Twittern.“ Warum soll nicht Claus Kleber mit seinem ultrakurzen Twitterstil Erfolg haben? Ich glaube, sein Vorteil ist, dass er einen Kontrast bietet zu dem ganz seriösen Menschen, den man vom Schirm kennt. Ob das wiederum gut ist, muss Claus Kleber für sich selbst entscheiden.

          Seine Wut-Tweets nach dem Skandal um „Deutschlands Beste“ machten dann gleich Schlagzeilen. Warnen Sie die Leute davor?

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