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Twitter sperrt „Titanic“ : Storch-Satire ist nicht regelkonform

Ist da, wo Storch dransteht, auch immer Storch drin? Bild: Reuters

Wer AfD-Politikerinnen seinen Twitter-Account überlässt, muss mit Sperrung rechnen – auch dann, wenn es sich um eine deutlich gekennzeichnete Parodie handelt.

          Nicht nur AfD-Politiker haben Ärger mit Twitter, auch Satire-Accounts müssen sich mit den nicht immer durchsichtigen Richtlinien des Kurznachrichtendienstes herumschlagen. Das Magazin „Titanic“ lud sich eine fiktive Beatrix von Storch als Gast-Twitterin ein. „Wir wollten einer verfolgten Kämpferin für Menschenunrechte Asyl bieten. Denn wenn wir Twitter richtig verstehen, ist es ein Forum für die Schwächsten unserer Gesellschaft: mehrfach herausgeforderte Politiker mit speziellen Ansichten, ganz besondere Menschen also“, ließ Chefredakteur Tim Wolff in einer Pressemitteilung verlauten.

          Die echte Beatrix von Storch hatte kurz nach Silvester den offiziellen Account der Kölner Polizei angegriffen, der Neujahrswünsche in mehreren Sprachen gepostet hat. „Was zur Hölle ist in diesem Land los? Wieso twittert eine offizielle Polizeiseite aus NRW auf arabisch? Meinen Sie, die barbarischen, muslimischen, gruppenvergewaltigenden Männerhorden so zu besänftigen?“, so der Originaltweet, gegen den bereits Hunderte Anzeigen wegen Volksverhetzung vorliegen.

          Der inkriminierte Storch-Gasttweet.
          Der inkriminierte Storch-Gasttweet. : Bild: Titanic

          Daraufhin „übernahm“ von Storch den offiziellen Titanic-Account, der sich mit einem von-Storch-Bild und dem Titanic-Logo eigentlich ziemlich unverkennbar als Parodie ausweist. „Wisst Ihr, was Twitter auf Arabisch heisst, liebe @polizei_nrw_k? Ja? Pfui! Ich weiß es nicht – denn das letzte, was ich haben will, sind besänftigte barbarische, muslimische, gruppenvergewaltigende Männerhorden! (bvs)", so Titanic in schönstem Storch-Duktus.

          Nichts geht mehr: Der gesperrte Account.
          Nichts geht mehr: Der gesperrte Account. : Bild: Titanic

          Doch Twitter erkennt anscheinend den Unterschied zwischen ernstgemeinten und parodierten Barbarenhorden nicht, oder will sich schlicht nicht darum kümmern. Die Account-Inhaber bei der Titanic können derzeit nicht auf ihren Account zugreifen, auch wenn alle bisherigen Tweets von außen sichtbar sind. „Wir haben festgestellt, dass dieser Account gegen die Twitter Regeln verstößt“, so die lapidare Mitteilung. Um die Sperre aufzuheben, sollen die Satiriker den inkriminierten Tweet löschen. Doch die denken gar nicht daran: „TITANIC wird den inkriminierten Tweet nicht löschen und wartet auf eine Reaktion des Twitter-Support-Teams und aus dem – "noch!" (Wolff) – befreundeten Justizministerium“, so der Chefredakteur.

          Die Satireunfähigkeit sozialer Netze schlägt bei „Titanic“ nicht zum ersten Mal zu. Tim Wolff wurde bereits einmal mit seinem persönlichen Account bei Facebook gesperrt, weil er eine Titelseite der „Bild“-Zeitung abfotografiert hatte.

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