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Veröffentlicht: 28.01.2017, 15:14 Uhr

Twitter-Analyse Bin ich ein Bot?

Mit wie vielen Geistern twittern deutsche Spitzenpolitiker? Die Seite „twitteraudit.com“ liefert die Zahlen. Allerdings ist ihren Ergebnissen nicht bedingungslos zu trauen.

von Bernhard Jarosch
© AFP Da steigt er auf, der blaue Vogel. Twitter wird nicht nur von echten Lebewesen benutzt, wie die Analyse von „twitteraudit.com“ zu zeigen versucht.

In der Debatte über echte Menschen im Netz und über „Social Bots“, also Maschinen, die nur so tun, als äußere sich da ein Individuum, wogegen sowohl die Union als auch die Grünen gesetzlich etwas unternehmen wollen, hat sich jetzt angeblich gezeigt, dass auch hiesige Spitzenpolitiker bei Twitter unechte Follower haben. So hätten sich bei Justizminister Heiko Maas 61.000 gefakte und nur 51.000 echte Anhänger eingeklinkt. Beim Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, seien 49 Prozent der knapp zehntausend Follower „Geister“, also „Fake-Accounts“ und Social Bots, schreibt die „Mitteldeutsche Zeitung“. Das Blatt beruft sich dabei auf das Kontrollinstrument „twitteraudit.com“. Auf der Seite kann man Twitter-Accounts eingeben und bekommt in Prozentzahlen angezeigt, wie viele reale und wie viele „gefakte“ Fans die Betreffenden haben.

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Doch ist es so einfach? Wir machen den Selbstversuch und stellen fest: Wir haben einen Fake-Wahrscheinlichkeitswert von 96 Prozent. Wie das? „Twitteraudit“ schätzt Twitter-Nutzer anhand von drei Punkten ein: Anzahl der Tweets, Datum des letzten Tweets und das Verhältnis zwischen Followern und denjenigen, denen man selbst folgt. So werden all jene Nutzer schnell zur Leerstelle, die selbst keine Nachrichten absetzen und nur sehen wollen, was andere von sich geben - Spitzenpolitiker zum Beispiel. Wer folgt, selbst aber schweigt, rutscht bei „Twitteraudit“ in den roten Bereich. Mit entsprechenden Schlagzeilen, wer angeblich nur nominell viele, in der Tat aber kaum echte Follower hat, könnte also Vorsicht geboten sein. Laut „Twitteraudit“, das von einem New Yorker Start-up betrieben wird, haben die CSU 42, Frauke Petry 82, Peter Tauber 67 und Martin Schulz 90 Prozent echte Gefolgsleute. Aber wer will das schon so genau wissen. Erst recht, wenn man selbst mit 96 Prozent in den roten Zahlen ist? Wir möchten nur betonen: Hier schreibt kein Bot!

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