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TV-Serie „Blochin“ : Das ist nur was für harte Jungs

  • -Aktualisiert am

Bild: ZDF und Stephan Rabold

Mit satten Bildern und viel Action inszeniert das ZDF einen Krimi im Kinoformat. Doch wo bleiben die Handlung und die Charakterentwicklung? Bei „Blochin“ kann auch Jürgen Vogel nichts retten.

          Jetzt will das ZDF es wissen - und versucht, mit Gewalt zu amerikanischen Erfolgsserien aus dem Detektiv-Genre aufzuschließen. Wieder einmal. Der Sender vertraut dabei auf Matthias Glasner: Als Hauptautor und Regisseur ist er der Kopf hinter der aufwendig produzierten Hardboiled-Hauptstadtserie „Blochin“, in der ein kaputter, sich immer weiter vom gesetzeskonformen Polizeidienst entfernender Ermittler mit Herz im Mittelpunkt steht, für den selbstredend nur Jürgen Vogel mit seinem Antlitz in Frage kam.

          Wichtig war es offenbar, sich von der „Tatort“-Ästhetik zu unterscheiden. So etwas wie ein sechsstündiger Kinofilm ist dabei entstanden, geradezu verliebt in die Totale und den Noir-Chic. Die vielen Straßenaufnahmen, in denen Berlins Postkarten-Ikonen fast störend wirken, und die breiten Fensterfronten der Edelappartements, hinter denen die Stadt glüht, kommen wohl nur auf Mega-Flatscreens wirklich zur Geltung. Außerdem hat man die meisten Szenen goldgelb übergossen, so dass nicht nur die Handlung wirkt, als wäre sie in Kolumbien angesiedelt. Das ist durchaus ansehnlich.

          Simple Charaktere und dürre Dialoge

          Auch die Anleihen stören wenig: eine Prise „Breaking Bad“ (Blochins Schwager leitet die Mordkommission, die bald der Verwüstungsspur Blochins hinterherfegt), eine Prise „Homeland“ (nach Deutschland geholte Afghanen und die Spielchen der hohen Politik), eine Prise „Top of the Lake“ (Blochins an multipler Sklerose leidende Ehefrau findet Erlösung in einem matriarchalischen Guru-Camp am See).

          Blochins Schwager Dominik (Thomas Heinze) hat eine Affäre mit der Staatssekretärin Katrin (Jördis Triebel).

          Aber eine Hommage an das harte, liebesbedürftige Milieu-Berlin, wo die Schurken-Wachtmeister-Grenze nicht zwischen Gut und Böse verläuft: Hatten wir das nicht? Doch was Dominik Graf und Rolf Basedow vor fünf Jahren mit „Im Angesicht des Verbrechens“ komponierten, war ein psychologisch komplexes, handlungstechnisch raffiniertes und märchenhaft überhöhtes Genre-Kunststück, das Kritiker jubeln und das Publikum abschalten ließ. „Blochin“ wirkt, als habe man im Angesicht der Quote eine Gegenserie produziert, die auf simple Charaktere, dürre Dialoge, Klischees statt Zauber und auf kiloweise Geschmacksverstärker setzt. Die bösen Russen etwa waren bei Graf und Basedow so schillernd, dass man sie lieben musste. Hier sehen wir tumbe Hollywood-Karikaturen.

          Schwache dramaturgische Einfälle

          Den Grundkonflikt gibt eine Drogenschmuggelaffäre ab, die ihre Kreise bis in die Politik zieht. Ein alter Freund Blochins, ein Dealer, wird erstochen aufgefunden. Weil die Mordkommission auf Druck von oben von dem Fall abgezogen wird und stattdessen Berliner Sprayer jagen muss, ermittelt Blochin auf eigene Faust. Er verirrt sich in einem Kreislauf aus Gewalt und Gegengewalt, verliert die Kontrolle, landet im Knast. Nebenbei zeigt er sich als miserabler Ehemann und Vater, der sich stets aus dem Staub macht, wo er gebraucht würde.

          Ist schon die Idee mit Blochins Vorgeschichte als Drogenkönig eher schütter, so wirkt die Vorvorgeschichte - als Jugendlicher angeschossen, für tot gehalten, ohne Erinnerung in der Leichenhalle aufgewacht - geradezu abgeschmackt. Rein zufällig hängt der aktuelle Fall mit der geheimnisvollen Herkunft zusammen. Und das sind nicht einmal die schwächsten dramaturgischen Einfälle. Eine Zumutung ist die melodramatische Nebenhandlung rund um Blochins Frau Inka (Maja Schöne). Verquer wirkt der platt mit der BER-Flughafen-Pleite verquickte Spekulationsunfall von Blochins Kollegen. Und eine brutale Wendung im letzten Teil - das soll die zweite Staffel vorbereiten - wird vom Rest der Handlung nicht aufgefangen, hängt in der Luft.

          Fehler gibt es auch im Detail, etwa ein hochaufgelöstes Profi-Beweisfoto, wo allenfalls eine verwackelte Handyaufnahme möglich wäre. Doch schwerer fällt ins Gewicht, dass der Held sich nicht entwickelt. Der sich im engen Shirt durch die Handlung muskelnde Vogel, der in Glasners „Der freie Wille“ zur Hochform auflief, spielt seinen verzweifelt-wütenden Haudegen sechs Stunden lang identisch. Die Hälfte der Zeit fährt er Motorrad, so dass man sich irgendwann wünscht, unter dem Helm käme Giannis Varoufakis hervor.

          Als eigentliche Hauptfigur darf Blochins Schwager Dominik Stötzner gelten: Thomas Heinze gibt ihn vielschichtig, glaubwürdig in süffisanten wie in panischen Momenten. Und seine Liaison mit der Staatssekretärin Katrin Steinbrenner (Jördis Triebel) hat immerhin eine Spur von Feuer, auch wenn diese sich allzu naiv als Sauberfrau im schmutzigen Tümpel Politik geriert. Die übrigen Frauen sollen vor allem hübsch und oft nackt sein. Als Neunzigminüter hätte „Blochin“ vielleicht getaugt. Sechs Stunden - das ist nur was für harte Jungs.

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