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TV-Serie „Bad Cop“ : Nur die Harten kommen in den Garten

  • -Aktualisiert am

Amtlich: Jan Starck (David Rott) zeigt, wer hier der Polizist ist. Bild: RTL

Nicht nur der Kommissar geht um: RTLs Doppelgänger-Serie „Bad Cop“ landet einen komödiantischen Macho-Coup.

          Die Serie läuft gerade acht Sekunden, schon tanzen nackte Brüste durchs Bild: Ja doch, wir sind bei RTL. Aber das lässt sich alles erklären, Ehrenwort, und außerdem heißt das hier nicht Brüste. Jan Starck, wie es sich für einen Hamburger Macho gehört, sagt natürlich etwas anderes. Dass er sich das wie so manches andere abgewöhnen muss in dieser munter mit der Männlichkeitsprotz-Attitüde des Helden jonglierenden Serie – und dann vielleicht auch doch wieder nicht, weil Frauen bei RTL noch auf echte Kerle stehen –, macht keineswegs schon den ganzen Reiz von „Bad Cop“ aus. Die Episoden bestechen vielmehr durch Tempo und Humor, wobei der Autorenstab unter Chefautorin Claudia Kratochvil dem uralten Doppelgängermotiv einige erfrischend neue Wendungen abgewonnen hat. Die Regie von Oliver Dommenget, Peter Ladkani und Michael Kreindl setzt das mit viel Freude an Pointen um.

          Jan Starck, gespielt vom formidabel auftrumpfenden David Rott, wechselt also in ein anderes Leben, und zwar in das seines ausgerechnet im Einsatz gegen Jan und die Drogen-Mafia getöteten Zwillingsbruders Jesko. Als Hauptkommissar hatte Jesko vergeblich versucht, Jan von der schiefen Bahn abzubringen. Sterbend nimmt er dem Bruder das Versprechen ab, sich um seine Familie zu kümmern, wobei pikanterweise hinzukommt, dass Jeskos Frau Bea (eine häufig, aber auch grazil augenrollende Alma Leiberg) zugleich seine Vorgesetzte ist. Privat läuft es praktischerweise nicht allzu rund zwischen den beiden, wie Jan bei seinem ersten Besuch als Jesko fast schon erleichtert feststellt. „Zwischen uns ändert sich nichts“, sagt Bea noch während der Umarmung. Und die kleine Tochter fragt: „Kann ich bei Papi in der Garage schlafen?“

          „Offiziell ist für Anfänger. Aber wir, Alter, wir sind Profis.“

          Natürlich ist es nicht eine Sekunde lang glaubhaft, dass der missratene, coole Bruder unbemerkt in die Rolle des liebevollen Vaters und des als Draufgänger plötzlich wieder attraktiver scheinenden Ehemanns schlüpft, dass er als Kommissar-Haudegen die Hamburger Dunkelwelt das Fürchten lehrt – aber diesen gutgelaunten Fiktionalitätsvertrag geht man gerne ein, wenn man oft genug miterleben musste, dass der Realismus von Good-Cop-Serien fast immer nur in Tateinheit mit volkserzieherischen Absichten zu haben ist. Hier hingegen kann ein Verdacht auch schon einmal mit einer solchen Aussage zerstreut werden: „Herr Kallweit macht bei uns die Logistik. Wissen Sie, was das für furztrockene Typen sind? So einer schmuggelt doch keine Drogen.“ Lässig geht vor Logik.

          Besonderen Anteil am Charme der Serie hat Jan-Jeskos neuer Kollege Luís Pinto (ein starker Auftritt des jungen Daniel Rodic): Auch wenn man schon viele ähnliche „odd couples“ hat ermitteln sehen, und obgleich es nicht gerade vor Originalität sprüht, dass Jan den frisch von der Polizeischule kommenden Quassel-Nerd „Watson“ nennt, stimmt von Anfang an die Chemie zwischen den Protagonisten. Selbstverständlich bürstet der schlösserknackende, Beweismaterial stehlende und auch auf eigene Rechnung arbeitende Jan den auf Regeleinhaltung pochenden Neuen zunächst gründlich ab: „Offiziell ist für Anfänger. Aber wir, Alter, wir sind Profis.“ Und doch hängt der Ranghöhere als der eigentlich Neue natürlich von seinem Kompagnon ab.

          Dass diesen beiden Regelbruch-Profis, die auch als Models für gehobene Herrenkollektionen durchgingen, der Beruf reihenweise schöne Frauen in die Arme treibt, gehört zu den Segnungen des Privatfernsehens und wird dankend angenommen. Die Beziehung zwischen Luís und Jan gewinnt mit jeder Episode an Witz, was die leicht auf der Stelle tretende Bea-Handlung mehr als ausgleicht. Wie sich der in eine Verdächtige verknallte Luís über das entlastende Geständnis eines anderen freuen kann, das spielt Rodic mit Verve: „Du bist das echt. Du bist das echt? Ha! Du Lappen!!“ Ähnlich mitreißend ist sein Lachanfall, als ihm Jan von der Reeperbahn-Größe „Magic Mike“ erzählt. Selten hat ein Drehbuch so viel Selbstironie.

          Um im Bild des Pilotfilm-Falls – die Drogen befanden sich in der Ladung eines Kaffeehändlers – zu bleiben: Wer nach all den Macchiato-Crema-Exzessen der schnieken Röst-Bar-Szene wieder Lust auf einen schlicht und ordentlich gebrühten Filterkaffee hat, der ist hier genau richtig. Mit „Bad Cop“ haben wir den guten alten Humorkrimi zurück, auch wenn nicht alle Gags zünden und die Fälle eher Persiflagen sind. Aber alles ist extrem stark gebrannt und macht ordentlich wach. Das liegt nicht zuletzt am zeitlosen Gitarrenrock-Soundtrack und an der immer in Bewegung bleibenden Kamera, die uns ein Hamburg zum Nicht-Sattsehen präsentiert. „Bad Cop“ ist trotz Watson nicht das deutsche „Sherlock“, aber immerhin ein würdiger Nachfolger für die Sat.1-Herzensmacho-Krimikomödienserie „Der letzte Bulle“.

          Serientrailer : „Bad Cop“ von RTL

          Bad Cop läuft in Doppelfolgen am Donnerstag um 21.15 Uhr auf RTL.

          Quelle: F.A.Z.

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