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TV-Kritik: Snowden und Jauch : Warten auf den Mut der Anderen

  • -Aktualisiert am

Von wegen „Stop Watching“: Geheimdienste schnüffeln weiter, und im deutschen Fernsehen wird ergebnisfrei debattiert Bild: dpa

Die Spähaffäre wird ergebnisloses Gerede, zu dem nicht einmal Edward Snowden noch Neues beisteuern kann. Und doch verbarg sich in seinem ARD-Interview eine eindeutige Botschaft.

          Edward Snowden hatte eine Botschaft. Sie ging allerdings unter in den Diskussionen nach dem Interview, das die ARD am späten Abend mit dem Enthüller der NSA-Dokumente zeigte. Das „weltweit erste Fernsehinterview“ sei eine Mogelpackung, wurde in den sozialen Netzwerken kritisiert. Der federführende NDR zeigte es nämlich auch im Internet nur deutschen Nutzern, zudem ohne englische Originalfassung. So beraubte sich der Sender selbst des Schwungs, den er von Sonntagmorgen an mit zwei vielzitierten Vorabmeldungen geholt hatte.

          Dennoch, zum zweiten Mal zeigte sich Edward Snowden in einem Videointerview. Wiederzuerkennen war er sofort. Er trug denselben kurzen Bart, rückte seine Brille auf dieselbe Weise zurecht und er betonte die Worte, die ihm wichtig schienen, auf dieselbe zurückhaltende Weise wie im Juni, als er Glenn Greenwald erstmals Fragen beantwortete. Selbst inhaltlich glich das Gespräch nahezu dem ersten. Einen deutlichen Unterschied gab es aber doch. Diesmal sprach Edward Snowden davon, dass er die „Gelegenheit begrüßen“ würde, „darüber zu reden, wie wir diese Sache auf eine für alle Seiten befriedigende Weise zu Ende bringen können“.

          Die Diskussion um die Geheimdienste, das sieht letztlich nur eine sehr kleine, benennbare Gruppe aus nachvollziehbaren Gründen anders, brauchte jemanden, der sachkundig aus dem Kreis der geheim Handelnden berichtete. Edward Snowden übernahm diese Aufgabe, nachdem er den Nationalen Geheimdienstberater James Clapper vor dem Kongress lügen sah und ihm die „schleichende Erkenntnis“ kam, „dass niemand sonst sie übernehmen würde“. In den Mittelpunkt der Diskussion stellte er sich jedoch nie, nicht einmal gestern. Es wurde stattdessen vielmehr deutlich, dass das persönliche Schicksal Snowdens direkt mit der Frage verbunden ist, was nun überhaupt aus der Spähaffäre folgt.

          Eine Diskussion ohne Argumente

          Snowden habe noch keinen Anruf auf dem Weißen Haus erhalten, sagte er im Interview. Und nicht nur in der Diplomatie, auch in der öffentlichen Debatte sind die Fronten verhärtet. Noch weniger inhaltlich aussagend als das Gespräch mit Edward Snowden war entsprechend die Diskussion von Günther Jauch zuvor. Mehrmals flüchteten sich die Beteiligten in lautes Lachen, weil Argumente absehbar sinnlos schienen. In einem Fall sagte der angehende Chefredakteur von Bild.de, Julian Reichelt, er habe alle Snowden-Dokumente gelesen und „keinen einzigen Fall gesehen, in dem ein Unschuldiger verfolgt wurde“. Weder die junge Piratin Marina Weisband noch der Journalist Hubert Seipel, der das Snowden-Interview führte, oder der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele erinnerten Reichelt an die 200 Millionen Textnachrichten und 5 Milliarden Standortdaten, die die NSA pro Tag speichert. Alle drei lachten stattdessen.

          Der ehemalige amerikanische Botschafter in Deutschland, John Kornblum, schmunzelte später, als Edward Snowden in einem Interviewausschnitt davon sprach, dass er gehört habe, amerikanische Regierungsbeamte sprächen öffentlich darüber, ihn zu erschießen oder zu vergiften. Als Kornblum sagte, er „halte das für ausgeschlossen“, lachte wiederum das Publikum. Wahrscheinlich kannten einige der Studiogäste das Zitat des ehemaligen NSA-Direktors Michael Hayden vom vergangenen Herbst. Als dieser gefragt wurde, was er davon halte, dass Edward Snowden für den Europäischen Menschenrechtspreis nominiert wurde, sagte dieser: „Zugegeben, in meinen dunklen Momenten habe ich auch daran gedacht, Snowden auf eine Liste zu setzen. Allerdings auf eine andere Liste.“

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