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TV-Kritik: Maybrit Illner : Der neue Freizeitsozialismus

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Die zwei Seiten der digitalen Entwicklung

Nur Anke Domscheit-Berg machte es sich neben Rifkin zur Aufgabe, über die zwei Seiten der technischen Entwicklung auch tatsächlich zu diskutieren. Schon heute würde in Deutschland in großem Umfang unbezahlt gearbeitet, tatsächlich sogar mehr, als Zeit mit Erwerbsarbeit verbracht werde. Dennoch solle der technische Fortschritt, der im Verdacht steht, die Entwicklung zu verschärfen, forciert werden. Vollbeschäftigung werde es nicht mehr geben. Schlimm sei das nicht. Über neue Formen der Monopolbildung müsse kritisch nachgedacht werden. Davon betroffen seien das Patentrecht, das Urheberrecht und Bereiche, die noch gar nicht in Rechtsgebiete gefasst wurden, beispielsweise die Netzneutralität. Kein Unternehmen, das derzeit von den Entwicklungen profitiere, werde freiwillig Macht abgeben, sagte Domscheit-Berg. Doch gehe es häufig bereits um gesellschaftliche Macht, die zu regulieren sei, wenn nötig durch internationale politische Zusammenarbeit.

Drastischer beschrieb es Jeremy Rifkin. Unternehmen wie Google stellten inzwischen eine gesellschaftliche Infrastruktur bereit, die schützenswert wie die Natur sei. Das Erfordernis größerer politischer Anstrengungen, um den allgemeinen Zugang zu ihr zu garantierten, sehe er allerdings nicht. Mit der Zeit werde die Technologie selbst demokratisiert, wodurch jeder in Konkurrenz mit den heutigen Monopolisten treten könne und neue Formen der lokalen Kooperativen entstehen würden. Man solle nur auf das Internet der Dinge achten, die neuen Stromnetze und die neuen Formen der Logistik und des Transports.

Die Prognosen sind Denkanstöße

Einen Zeitrahmen für seine utopischen Prognosen nannte er jedoch nicht. Tatsächlich erwiesen sich seine Ideen letztlich auch eher als Denkanstöße, denn als unumstößliche Erwartungen. Gunnar Froh beschrieb zumindest in kurzen Sätzen, wie aufwendig Entwicklung und Betrieb der – in der Tat nicht materiellen – Software-Technologie ist, mit der sein Unternehmen private Schlafzimmervermittlungen ermöglicht. Open Source wird all das nämlich nicht. Und hätte man die Software, würde noch immer das Reputationssystem fehlen, das die Nutzer erschaffen, indem sie den Service annehmen und sich gegenseitig bewerten.
Damit widerlegte er die zentrale These Rifkins, dass die Investitions- und Fixkosten vieler Unternehmungen künftig entfallen.

Rifkin reagierte aber auch darauf energisch: Wenn auch beispielsweise „Uber“, eine Vermittlerfirma für private Taxifahrten, derzeit mit rund 17 Milliarden Dollar bewertet wird – die Anstrengungen der Investoren seien vergebens: Bald könne jeder solche Apps entwickeln, „das Geld ist über kurz oder lang verloren“, sagte Rifkin.

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