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TV-Kritik: Hart aber fair : Was tun, wenn Sparen bestraft wird?

Ob das Geld hier sicher ist? Markus Söder im Tresorraum seines neuen zweiten Dienstsitzes im Heimatministerium in Nürnberg. Bild: dpa

Die Zinsen sind mickrig. Vielleicht müssen die Deutschen für ihre Bankguthaben bald draufzahlen. Frank Plasberg fand in seiner Diskussion Opfer und Schuldige - aber die Lösung übersahen alle.

          Jetzt gucken die Deutschen blöd. Vor ein paar Jahren noch haben ihnen Politiker die private Altersvorsorge nahegelegt. Aber wenn sie darauf gehört und eine Riester-Rente vereinbart haben, merken sie jetzt schnell: Das Ersparte wirft kaum noch Zinsen ab. Die Prozente sind nah an der Enteignung, jedenfalls gibt es fast immer weniger als die Inflationsrate. Erste Banken bereiten sich schon darauf vor, dass sie bald Geld für die Guthaben verlangen könnten, statt Zinsen zu zahlen - so hat es die F.A.S. berichtet. Und dieser Artikel diente Frank Plasberg am Montagabend als Ausgangspunkt für seine Diskussion über das Weh der Sparer.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Schuldfrage war schnell geklärt. Die Europäische Zentralbank wolle mit niedrigen Zinsen die verschuldeten Euro-Staaten schützen, sagte der bayerische Finanzminister Markus Söder. „Jetzt werden deutsche Sparer für die Eurokrise zur Kasse gebeten“, sekundierte Finanzprofessor Max Otte. Und Sarah Wagenknecht schimpfte auf den ehemaligen Goldman-Sachs-Mitarbeiter Mario Draghi, der heute die Europäische Zentralbank leitet. Nur der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands, Michael Kemmer, verteidigte die Notenbank halbherzig, immerhin halte sie die Inflation noch deutlich unter ihrem Zielwert von zwei Prozent - aber auch da widersprach Max Otte schnell: Die gefühlte Inflation liege deutlich höher.

          Illusionen von Sicherheit zerstört

          Für die Sparer ist das teuer. Otte hatte ausgerechnet: Dass die Zinsen unter der Inflation liegen, kostet seine alte Tante so viel Geld, dass es ihre halbe Rente auffrisst. Ist es mit Rentenversicherungen besser? Nein. Ein Einspieler zeigte einen Mann am Renteneintritt, dem von seiner Versicherung einst mehr als 50.000 Euro Guthaben vorhergesagt wurden, der jetzt aber nur 40.000 Euro bekommt. So zerstörte die Diskussion eine Illusion von Sicherheit nach der anderen.

          Das gab Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg die Gelegenheit, über die Riester-Rente zu schimpfen und die gesetzliche Rente als Lösung anzupreisen. Dabei haben die Deutschen auch mit der gesetzlichen Rente ihre schlechten Erfahrungen gemacht. Es ist erst ein paar Jahre her, als deutlich wurde, dass zu wenige junge Leute noch Beiträge zahlen können, als die Rente mit 67 eingeführt wurde und die Rentenerhöhungen gedämpft wurden. Sicher ist auch die nicht.

          Vielleicht bleibt nur die schmerzliche Einsicht, dass es absolute Sicherheit nicht gibt.

          Was also tun? Ausgerechnet die Linkspartei-Politikerin Sahra Wagenknecht stand ganz dicht vor der Lösung - aber sie lief dann in die falsche Richtung weiter. Wagenknecht stellte fest, dass nicht alle Sparer die Dummen seien. Sondern dass einige auch jetzt noch gutes Geld verdienten, weil sie ihr Geld nicht nur in Versicherungen und Tagesgeldkonten gesteckt hätten, sondern auch in Aktien und Fonds. „Auf den Kapitalmärkten boomt es ja“, stellte Wagenknecht zu Recht fest. Dann erzählte sie einmal mehr, dass das nur den Reichen nütze - und keiner erkannte, dass die Reichen ein Erfolgsmodell vorleben, mit dem auch Durchschnittssparer ihr Geld viel besser anlegen könnten.

          Wie es in zwanzig Jahren kommt, weiß heute sowieso keiner. Den Sparern bleibt nur, ihr Geld zu verteilen: Sie können sich zu einem Teil auf die gesetzliche Rente verlassen, zu einem anderen auf das Sparbuch und die Versicherung, vielleicht auch auf ein eigenes Haus, und schließlich auf Aktien und Fonds. Dann sind sie nie ganz verlassen, egal welcher Teil der Altersvorsorge am Ende Schwierigkeiten macht. Und zwar auch dann, wenn Aktien zwischenzeitlich mal einen Teil ihres Wertes verlieren.

          Aber wie sollen die Deutschen es besser machen, wenn sie solche Verbraucherschützer haben? Frank Plasberg stellte einen Sparvertrag einer Bank vor: Die Hälfte des Geldes geht auf ein verzinstes Konto, die andere Hälfte in Investmentfonds. Der Vertrag war nicht gut: Er schien unehrlich beworben, kompliziert und zu teuer. Verbraucherzentralen-Vertreterin Edda Castello war das gar nicht so wichtig. Sie wollte die Deutschen schon allein deshalb vor dem Vertrag schützen, weil ein Teil des Geldes in Investmentfonds ging - an den Kapitalmarkt. Dorthin also, wo man immer wieder Geld verdienen kann.

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