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TV-Kritik: Finale Dschungelcamp : Ösi gegen Ossi

  • -Aktualisiert am

Die Dschungel-Königin und ihre Prinzessin: Melanie Müller (r.) und Larissa Marolt kosten RTL-Spezialitäten Bild: RTL

Weltuntergangsbefürchter können aufatmen: Der Dschungel ist durch. Zumindest für dieses Jahr. Die achte Staffel schloss am Samstagabend mit einer Überraschung. Die Vernunft hat gesiegt.

          Das ist natürlich ein Satz, von dem viele Menschen sich niemals hätten vorstellen können, dass er in Zusammenhang mit dieser höchst fragwürdigen Show aus dem australischen Dschungel fallen könnte, von der in den vergangenen beiden Wochen Millionen Zuschauer einer Gehirnwäsche unterzogen worden sein dürften. Aber er stimmt trotzdem: Am Ende hat die Vernunft gesiegt. In Gestalt eines ostdeutschen Erotikmodels.

          Und das ist nicht nur ein bisschen kurios. Sondern auch gleichzeitig schade und toll. Fakt ist: Melanie Müller hat am Samstagabend die achte Staffel der RTL-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ gewonnen. Eine Frau, die als Billigkopie von Marilyn Monroe ins Camp gezogen ist; die den Leuten, die sie überhaupt kannten, dadurch in Erinnerung geblieben ist, dass sie vor einem Jahr splitterfasernackt zu einem Herrn „Bachelor“ in den Whirlpool gestiegen ist; die danach alles unternommen hat, um immer wieder ins Fernsehen zu kommen, egal in welcher Blödsinnsshow.

          Und die, als die Zuschauer sie zur neuen Dschungelkönigin gewählt hatten, mit einem Tränchen im Auge meinte: „Ich bedanke mich dafür, dass ich hier so sein durfte, wie ich bin.“

          Ehrlich und herzlich: Melanie Müller

          Niemand sonst hätte schöner formulieren können, warum der bei vielen Nicht-Zuschauern immer noch verschmähte RTL-Ausflug ins Kakerlakenparadies keineswegs eine Menschenentwürdigungsmaschine ist. Ausgerechnet in einer Sendung, die ihre Protagonisten rund um die Uhr beobachtet, die auch kleinste Fehler ausschlachtet und jede Lästerei über andere Teilnehmer mit ständiger Wiederholung straft, ausgerechnet dort hat ein 25-jähriges Erotikmodel aus Leipzig sich mal nicht zu verstellen brauchen, um ihr Ziel zu erreichen. Sie war ehrlich (und freizügig), sie war herzlich (und empfindlich), vor allem aber hat sie Durchhaltevermögen bewiesen. Und Leute, die Durchhaltevermögen beweisen, werden vom Publikum geliebt.

          Dabei hätte es natürlich auch seinen Reiz gehabt, wenn die andere gewonnen hätte: Müllers Wettbewerberin im Duell „Ösi gegen Ossi“, wie Moderator Daniel Hartwich es am Lagerfeuer formulierte. Und fast wäre die ehemalige „Austrias Next Topmodel“-Gewinnerin Larissa Marolt ja auch soweit gewesen. Nach zwei harten Wochen, in denen das Publikum ihren Wandel von der polternd-störrischen Furie zur liebenswert-verpeilten – ähm: Furie miterleben durften.

          Larissa begreift sich selbst

          Larissa war der große Trumpf dieser Staffel: eine 21 Jahre junge Frau, die sich als Teenager vom Fernsehen bereits in zwei Castingshows hat verwerten lassen, und der man im Camp vielleicht nicht beim Erwachsenwerden, aber immerhin doch beim Sich-selbst-Begreifen zusehen konnte.

          In früheren Staffeln waren es inszenierte Liebesstorys und dramatische Ausgrenzungsgeschichten, von denen sich die Zuschauer fesseln ließen – diesmal inszenierte RTL das Aufeinandertreffen der schusseligen Klagenfurterin mit dem hochexplosiven Schauspieler, dessen Rolle Winfried Glatzeder bis zu seiner Abwahl hervorragend ausfüllte – „Das Model und der Freak“.

          Stoff für psychologische Studien

          Ganze Jahrgänge von Psychologie-Studenten werden ihre Abschlussarbeit zu dem Verhältnis schreiben können, das die beiden so unterschiedlichen Dschungel-Kandidaten in den zurückliegenden zwei Wochen miteinander verband. Auf den Streit folgte die Versöhnung, und auf die wiederum die große Schubs-Affäre, mit der RTL die Show über die letzten Tage rettete, weil im Camp sonst nicht mehr viel los war.

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