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TV-Kritik: „Donnerstalk“ : Erdogans Mythen und das Geschwafel der AfD

  • -Aktualisiert am

TV-Moderatorin Dunja Hayali Bild: dpa

Dunja Hayalis Talkshow-Achterbahn fährt von der Lage in der Türkei über den Erfolg der AfD in ein Pflegeheim für Demenzkranke. Die Moderatorin sucht dabei Nähe zu den Menschen. Etwas mehr Distanz täte ihr aber gut.

          Den Auftakt macht die Lage in der Türkei: „Schon Fremde oder noch Freunde – wohin steuert die Türkei?“ Die Frage wirkt verdreht. Was hat das eine, die aktuelle Entwicklung, mit dem Unterschied zwischen Fremden und Freunden zu tun? Die politische Philosophie kennt das Gegensatzpaar von Freund und Feind. Die Ersetzung des Feindes durch das Fremde verleiht dem Thema einen Dreh, der nicht erhellt, sondern den Blick auf die Lage verstellt.

          Immerhin gab es Ersatz für Staatspräsident Erdogans Daueremissär in deutschen TV-Studios. Statt Mustafa Yeneroglu saß Meryam Göka im Studio. Sie ist stellvertretende Vorsitzende der AKP-Frauenunion. Sie strahlt eine Strenge aus wie die Schauspielerin Irm Hermann in einem Film von Rainer Werner Fassbinder. In Ettlingen katholisch geboren, bezeugt Frau Gökan die Strenge der Proselyten, die spät zu ihrem Glauben gefunden haben. Die politische Lage in der Türkei presst sie in ein Schwarz-Weiß-Schema, vermisst die eindeutige Verurteilung des gescheiterten Putsch-Versuches durch die Bundesregierung. Auch sie strickt an Präsident Erdogans Mythos mit, dass die Menschenmassen in den Straßen den Putsch vereitelt haben. Zu diesem Mythos gehört untrennbar der Aufbau eines Feindbilds, das neben dem Erzbösewicht der Gülen-Bewegung auch andere ins Visier nimmt, die die rechtsstaatliche Entwicklung in der Türkei seit dem 15. Juli mit Sorge beobachten.

          Das Büroversehen schafft Klarheit

          Dass es in Deutschland viele Anhänger Erdogans gibt, ist nicht erst seit dem 15. Juli dieses Jahres bekannt. Es ist weder überheblich noch falsch, sie zu kritisieren, wenn sie handgreiflich gegen Kritiker Erdogans vorgehen. Das Büroversehen des Bundesinnenministeriums hat immerhin dazu beigetragen, einen nüchternen Blick auf die Türkei zu werfen. Welche Schlussfolgerungen zieht der Bundesinnenminister aus der Information, dass der türkische Geheimdienst in Deutschland über ein Netzwerk von 6000 Informanten verfügt?

          Meryem Gökar lacht von oben herab, als Frau Hayali sie fragt, ob die Türkei die Demokratie abschafft. Lachen ist keine Antwort. Gewiss ist die einstimmige Resolution des türkischen Parlaments gegen den Putsch ein klares Zeichen. Es wäre aber ein besseres Zeichen gewesen, wenn auch diejenigen Abgeordneten ihre Stimmrechte hätten wahrnehmen können, denen im Mai aus zweifelhaften Gründen die Immunität entzogen wurde. Es wäre auch ein besseres Zeichen für die politische Kultur der Türkei, wenn die Regierung nicht Dutzende von Radio-, TV-Stationen und Zeitungen geschlossen hätte.

          Frau Gökar sucht Zuflucht bei einem Gegenangriff: Was wäre in Deutschland los, wenn hier ein Putschversuch stattgefunden hätte? Resolut antwortet darauf Muhteren Aras, grüne Landtagspräsidentin in Stuttgart: Eine Demokratie beweise ihre Stärke dadurch, wie sie mit ihren Gegnern umgeht. Präsident Erdogan spalte die Türkei. Frau Hayali reagiert darauf mit einer kuriosen Frage: „Sollen wir den Türken vorschreiben, wie sie mit unserer Wertemoral leben?“ Was meint sie damit? Auf welche Werte, welche Moral bezieht sie sich? Frau Aras erinnert an die Einhaltung rechtsstaatlicher Grundsätze.

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