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TV-Kritik:Beckmann : Bekenntnisse eines Unpolitischen

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Schauspieler, Musiker, Maler, Autor: Armin Mueller Stahl Bild: dpa

Schauspieler, Musiker, Maler, Autor: Armin Mueller-Stahl, einer der wenigen deutschen Weltstars, hat enorm viele Talente - vor allem aber viel Charakter. Das hat er in der Sendung von Reinhold Beckmann wieder einmal bewiesen.

          Seit 2001 lieben die Deutschen Thomas Mann. Vorher versanken sie in Ehrfurcht vor ihm, teils, weil sie diesen größten aller deutschen Erzähler tatsächlich verehrten. Teils aber auch, weil sie nichts mit ihm anzufangen wussten, und ihn heimlich, trotz Nobelpreis und ungebrochenem Weltruhm, für einen Drechsler endlos langer Schachtelsätze und damit  Langeweiler hielten. Doch dann kam Armin  Mueller-Stahl und spielte in Heinrich Breloers sensationell erfolgreichem Fernseh-Dreiteiler „Die Manns. Ein Jahrhundertroman“ den Schriftsteller. Das tat er so ergreifend, so vielschichtig und autoritär behutsam, dass er nach allem, was man über Thomas Mann weiß, zu dessen Alter Ego wurde. Für Millionen Deutsche aber wurden Mueller-Stahl und Mann identisch.

          Also lieben die Deutschen in Armin Mueller-Stahl mehr den Wiedergänger Thomas Manns, der ihnen das Dichterdenkmal menschlich ganz nahe gebracht hat  - und nicht den grandiosen Schauspieler. Kaum hat man das niedergeschrieben, fällt einem Jim Jarmuschs „Nigth on Earth“ ein, mit dem Mueller-Stahl 1991, 61 Jahre alt und Hollywoodneuling, als rührend komischer ostdeutscher Taxifahrer Helmut Grokenberger, den es nach New York verschlagen hat, wo er weder mit seinem Auto noch mit der englischen Sprache  zurecht kommt, zum Star in Amerika, aber auch beim deutschen Kinopublikum aufstieg.

          Doch das ist gleichfalls nur eine Facette seines Ruhms und seiner wechselvollen Karriere. Denn  eigentlich kannte die Bundesrepublik Mueller-Stahl schon seit 1981, als er in Rainer Werner Fassbinders „Lola“ Herrn von Bohm, den Baudezernenten einer bayerischen Kleinstadt gespielt hatte, der, eine Fünfziger-Jahre-Abwandlung von Heinrich Manns Professor Unrath, fast an der Liebe zu einer Hure zerbricht, sich dann aber doch, tagsüber Dezernent, nachts Bordellvorstand, mit der Bigotterie der Wirtschaftswundergesellschaft arrangiert.

          „Lola“ wiederum war das westdeutsche Debüt des Armin Mueller-Stahl. Zuvor war er der beliebteste Filmdarsteller der DDR gewesen, angesehener Charakterschauspieler am Berliner Ensemble und in einigen der besten Filmdramen des „real existierenden Sozialismus“, vor allem aber Star der ungemein populären Serie „Das unsichtbare Visier“, die ihn als sozialistische Variante des James Bond inszenierte. Als Mueller-Stahl 1975 die Rolle niederlegte, weil ihm die Drehbücher zu plump propagandistisch wurden, stellte man ihn kalt. Als er dann in selbst komponierten Chansons mit eigenen Texten in Klubs, wo er noch auftreten durfte, zur diebischen Freude des Publikums dem SED-Regime versteckte Nadelstiche versetzte, waren seine DDR-Tage gezählt: Nach seiner Unterschrift unter ein Protestschreiben gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns durfte/musste Armin Mueller-Stahl 1980 die DDR verlassen.

          Zum zweiten Mal, so empfand er es, war er einer deutschen Diktatur entkommen. Landete aber in der Tyrannei selbstzufriedener und anmaßender westdeutscher Produzenten und Kollegen, die den „Mann von drüben“ klein zu halten versuchten. Deshalb hat er seine neue Autobiographie, (es ist die dritte), „Dreimal Deutschland und zurück“ genannt. Und die wiederum war Anlass für Reinhold Beckmann, ihn zum zweiten Mal in seine Talkshow einzuladen.

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