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Veröffentlicht: 08.12.2016, 06:51 Uhr

TV-Kritik: Maischberger Ist die Realität der Angst eine Angst vor der Realität?

Beim Thema Flüchtlinge werden gezielt Ängste geschürt, um die Politik zu beeinflussen. Doch was bedeutet es, wenn eine neue Partei auf den Ausverkauf der Werte einer offenen Gesellschaft wettet? Zumindest bei Sandra Maischberger gewinnt noch die Vernunft.

von Hans Hütt
© Maischberger Sandra Maischberger und das große Thema „Abschiebung“: Zumindest in dieser Diskussionsrunde siegt am Ende die Vernunft.

„Wird aus der Willkommenskanzlerin Merkel eine Abschiebekönigin“? Sandra Maischbergers Frage ist absurd. Tatsächlich geht es um eine ganz andere Frage: Welche Folgen hat der Sexualmord in Freiburg für die politische Stimmung in Deutschland? Ranga Yogeshwar findet, Flüchtlinge seien weder bessere noch schlechtere Menschen. Alice Weidel, AfD-Vorstandsmitglied, behauptet, Deutschland sei durch Flüchtlinge unsicherer geworden. Paul Ziemiak, Vorsitzender der Jungen Union, prescht an der Frage vorbei und bedient die Stimmungen: Nicht jeder, der nach Deutschland will, könne hier bleiben.

Die See da draußen rast und will ein Opfer sehen. Ziemiak dreht erst bei, als AfD-Frau Weidel die Bundeskanzlerin persönlich in Mithaftung nimmt für jede Straftat, die durch einen Flüchtling begangen wird. Frau Weidel sagt, das Problem sei strukturell. Das klingt irgendwie analytisch, ist es aber nicht. So funktioniert die AfD-Schutzimpfung gegen Kritik.

Angst als vegetative Antwort

Gesine Schwan versteht die Angst der Menschen als vegetative Reaktion. Zu den Routinen einer Demokratie gehöre es aber, nicht einem vegetativen Impuls zu folgen, sondern die Tatsachen zu prüfen. Es sei furchtbar leicht, Feindschaft zu schüren. Bedauerlich viel schwieriger sei es, sich an zivile Maßstäbe zu halten.

Natürlich war es nicht falsch, darüber zu berichten. Eine andere Frage ist, warum zuerst nicht und wie dann berichtet worden ist. Auf der Metaebene rücken die Medien sich selbst ins Zwielicht, als gäbe es keinen Pressekodex, der klare Regeln setzt, wie über Straftaten und Verdächtige zu berichten ist. Wie verhält sich die politische Klasse in dem Fall? Die Bundeskanzlerin sieht offenbar auch Integrationsbedarf bei gebürtigen Deutschen. Ihr Stellvertreter findet die Stimmungsmache unerhört.

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Frau Maischberger kontert eine wirre Phantasie Frau Weidels mit der Frage, ob der Sexualmord in Freiburg gar ein Terroranschlag war. Er hat ja tatsächlich öffentlichen Schrecken bewirkt. Yogeshwar warnt vor unzulässigen Schlüssen. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer ist bestürzt, wie schnell aus jenem Sexualmord ein Vorwurf an Merkels Adresse wurde. So eine Tat sei furchtbar. Er beschreibt ein Gefühl: Wer vor Krieg und Verfolgung geflüchtet sei und dann so eine Tat begehe, erwecke den Eindruck, er missbrauche den ihm gewährten Schutz. Die Stimmung in Freiburg ist nicht gekippt. Das liege an der großen Liberalität dort. Das Entsetzen aber lasse sich nicht wegdiskutieren.

Pragmatische Konsequenzen

Hans Lehmann, Vorsitzender des Freiburger Bürgervereins, berichtet von E-Mails, Briefen und Anrufen, die ihn für die Tat mit in Haftung nehmen. Er könne das aushalten. Das sei auch nicht die Stimmung in seiner Stadt. Er plädiert für pragmatische Konsequenzen, man könne das Frauentaxi wieder einführen, die Geh- und Radwege besser beleuchten.

Gesine Schwan findet es bedenklich, an Geflüchtete höhere moralische Maßstäbe anzulegen. Wird die strafrechtliche Qualität der Tat eine andere in Abhängigkeit von der Herkunft eines Straftäters? Psychologisch seien solche Reaktionen verständlich, sachlich seien sie nicht angemessen.

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