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Veröffentlicht: 09.06.2017, 03:37 Uhr

TV-Kritik: Maybrit Illner Jetzt wird alles noch komplizierter

Brexit, Terror, Trump – an Gesprächsthemen mangelte es den Talkgästen von Maybrit Illner nicht. Mit dem sich andeutenden Wahlergebnis im Vereinigten Königreich könnte nun alles noch chaotischer werden.

von Hans Hütt
© ZDF/Svea Pietschmann Maybrit Illner mit ihren Gästen Gabor Steingart, Elmar Brok, Sönke Neitzel und Sylke Tempel

Alte Männer werden zu politischen Pop-Stars. Nach Bernie Sanders hat nun auch das Vereinigte Königreich mit Jeremy Corbyn so einen. Theresa May wollte Labour vernichten, so sah es aus, als sie Neuwahlen ausrief, obschon sie mit der bestehenden konservativen Mehrheit komfortabel bis zum Sommer 2020 hätte durchregieren können. Kommt es gar zu einem „hung parliament“ ohne stabile Regierungsmehrheit? Das würde alles noch komplizierter machen, als es ohnehin schon ist.

Es sei denn, Corbyn erwiese sich als taktisch geschickter Koalitionspolitiker und ihm gelänge es, mit Schotten und Liberalen eine Regierung zu bilden. Aus der Ferne erinnert das an das deutsche Wahlergebnis von 1969. Willy Brandts Satz „Die Schule der Nation ist die Schule“ wäre eine Blaupause für eine Politik, die einen aus dem Ruder gelaufenen Hyperkapitalismus entschlossen bändigte und durch weitsichtige Bildungs- und Sozialpolitik den Druck aus dem Kessel der britischen Innenpolitik nähme.

Die Männer in den grauen Anzügen werden in den Hinterzimmern der Tories ein Massaker anrichten, aus dem vermutlich nicht Boris Johnson als Sieger herauskommt. Selten sahen die Tories jämmerlicher aus als nach Camerons Niederlage beim Brexit-Referendum. Jetzt sind sie noch übler dran. Theresa May hat einen unglaublichen Schlamassel angerichtet.

© ZDF Brexit-Verhandlungen werden erschwert

Neues Spiel, neues Glück?

Wie wird Europa mit dieser Lage umgehen? Es fänge ein neues Spiel an. Schotten und Liberale werden alles daran setzen, einen Deal mit Europa zu verhandeln, der Großbritannien durch eine Drehtür zurück in den Binnenmarkt und die Freizügigkeit brächte.

Erst aber diskutierte man bei Illner kurz über die neuesten Entwicklungen der amerikanischen Innenpolitik. So schnell wird Donald Trump nicht aus der Politik verschwinden. Dass ein erfahrener Bundesbeamter, Mitglied der Republikanischen Partei und Freund George W. Bushs, den amtierenden Präsidenten vor einem Untersuchungsausschuss des Senats einen Lügner nennt, ist beispiellos. Donald Trump geht aufs Ganze geht und brandmarkt vor seinen Anhängern das ganze Theater als Verschwörung des Establishments.

Werden die Republikaner im Kongress die Nerven behalten? Oder haben sie ihren Präsidenten insgeheim abgeschrieben und sind nur noch damit beschäftigt, die eigene Haut zu retten? Wenn führende Geheimdienstleute über die laufenden Ermittlungen sagen, dagegen sei Watergate eine Petitesse, dann liegt die Annahme nahe, dass jetzt mit Ausnahme eines Spielers alle sehr vorsichtig werden. Einen unabhängigen Sonderermittler gab es erst am Ende der Watergate-Affäre.

© Reuters, reuters Comey wirft Trump-Regierung Lügen vor

Der Versuch der Einflussnahme auf die laufenden Ermittlungen kann nicht einfach durch die Diskreditierung eines Bundesbeamten abgetan werden. Der Präsident wird keine lahme Ente, durch sein ungebremstes Wuttwittern aber zu einer Schrecken erregenden Witzfigur. Das kann keinem Senator gefallen. Ironie der Geschichte, dass die Checks und Balances der amerikanischen Politik europäischen Einwanderern zu verdanken sind, die die Nase voll hatten von Königen, Kaisern und absoluter Herrschaft, woran Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart erinnert.

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