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TV-Kritik: „Mord am Höllengrund“ : Wenn die Dicke des Blutes entscheidet

  • -Aktualisiert am

Zwei Weiblein stehn im Walde: Sabine (Katharina Wackernagel) und ihre Mutter Margot (Eva Mattes) suchen Beweise. Bild: Erika Hauri

Ein ZDF-Krimi fragt, wie weit man gehen würde, um die eigenen Kinder zu schützen. Trotz interessanter Ansätze enttäuscht „Mord am Höllengrund“ mit einer unglaubwürdigen Handlung und eindimensionalen Figuren.

          „Deutsche Mütter immer älter“: Diese Meldung geisterte soeben durch die Gazetten. Zweiundzwanzig Prozent der Gebärenden gehören laut Statistischem Bundesamt heute zu der Altersgruppe „35 plus“. Aber die biologische Perspektive scheint nicht die ganze Wahrheit zu sein. Denn werden Eltern nicht zugleich immer jünger, und zwar in Habitus wie Lebensweise? Fast ausgeschlossen war es früher, den Erzeugern in Diskos oder den eigenen Netzwerken zu begegnen. Und wie oft passiert das, seit alle nur einen Klick voneinander entfernt leben! Die große Gleichzeitigkeit ist angebrochen, das Vornamen-Kumpelzeitalter, die Entgenerationierung.

          Dass insbesondere zwischen alleinerziehenden Müttern und ihren erwachsen werdenden Söhnen leicht so etwas wie eine schräge Paarbeziehung entsteht, unterstreicht die ruhige ZDF-Produktion mit dem überflüssig marktschreierischen Titel „Mord am Höllengrund“ schon durch die Besetzung: Katharina Wackernagel, welche die freie Künstlerin Sabine Sonntag spielt, und Vincent Redetzki, der als ihr Sohn Ilya auftritt, trennen gerade einmal dreizehneinhalb Jahre. Und selbst die Mutter der Mutter, eine lässige Eva Mattes, pflegt den jugendlich lockeren Lebensstil, braust mit Lebensgefährtin Michaela im Cabrio nach Salzburg.

          Spannende Fragen bleiben unbehandelt

          Geradezu programmatisch ist dies ein Film ohne Väter. Die besten Freunde der Heldin sind zwei weitere Mütter. Zwischen den Kindern der drei Frauen, Ilya, Dominik und Cora, entwickelt sich ein Dreiecks- und Eifersuchtsverhältnis, das der aufmerksamen Sabine natürlich nicht entgeht, zumal sich die Sache gegen ihren Sohn zu wenden scheint. Was ist nun der Höllengrund? Lediglich ein Waldstück hoch oben über dem lieblichen bayerischen Kochelsee, wo ein Blitz - wie immer er das gemacht hat - eine lange verschüttete Höhle freigelegt hat.

          Viele Jahre trennen sie nicht: Sabine (Katharina Wackernagel) und ihr Sohn Ilya (Vincent Redetzki)

          Auch noch zur Exposition gehört es, dass Sabine am Eingang jener Höhle die Leiche eben des Mädchens entdeckt, um das Ilya und sein Freund konkurrierten. Der Sohn ist nicht erreichbar, der Tat aber höchst verdächtig. Sabine verscharrt das Opfer wieder, erfindet ein Alibi und verstrickt sich schnell in ihre Lügen. Sind Mütter am Höllengrund des Herzens ihren Söhnen tatsächlich so sehr verbunden, dass sie alles decken würden? Nehmen sie ihnen damit nicht letztlich auch die Freiheit? Unterminieren das Wachsen von Verantwortung? Kurz blitzen solche Fragen auf. Sie konsequent durchzuspielen hätte sehr interessant sein können.

          Doch es bleibt beim Konjunktiv, denn leider werden solche Fragen im immer abstruser werdenden Drehbuch von Daniel Douglas Wissmann, das nicht einmal auf eine Art Happy End zu verzichten wagt, zugekleistert mit dem üblichen Krimikitsch: Zwei Männer (gespielt von Hans-Jochen Wagner und Barnaby Metschurat) buhlen in Spiegelung der Jugendhandlung um die hübsche Mutter, und zumindest einer von ihnen scheint verstrickt in ein lange zurückliegendes Verbrechen, das ebenfalls mit der Höhle zu tun hat und nun durch eine Reihe abenteuerlicher Zufälle ans Licht gelangt.

          Aber nicht nur die Handlung ist unglaubwürdig und verkrampft. Die Figuren bekommen unter der Regie von Maris Pfeiffer etwas Eindimensionales und manchmal fast Tölpelhaftes, wobei die einzige Intention zu sein scheint, alles leicht verdaulich zu machen. Das ist schade, unterschätzt man so doch das Medium und das Publikum gleichermaßen.

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