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FAZ.NET-Frühkritik: Sandra Maischberger Wo Gesetze an ihre Grenzen stoßen

Bei Maischberger ging es um ein wichtiges Thema, um unseren Umgang mit Menschen, denen nur noch ihr Menschsein geblieben ist. Das Ergebnis ist ernüchternd.

© dapd Leidet an Demenz: der ehemalige Schalker Kult-Manager Rudi Assauer

„Langweilig, bin raus“, so lautete einer der wenigen Kommentare am Dienstag Abend zur Sendung von Sandra Maischberger auf Twitter. Der Kurznachrichtendienst ist ein guter Indikator für das, was die Wahrnehmung von Menschen in einem Moment bestimmt. Zumeist ist das die Tagesaktualität, die über die Massenmedien vermittelt wird. In der Nacht war es der Entzug des Promotionstitels von Annette Schavan durch die Universität Düsseldorf.

In der gleichen Zeit lebten 1,3 Millionen Menschen unter den Bedingungen des Betreuungsgesetzes aus dem Jahr 1990. Damit verbunden ist der Verlust der Verfügbarkeit über das eigene Leben. Es bedeutet letztlich das Zurücksetzen eines erwachsenen Menschen auf den Status eines unmündigen Kindes. Dem Betroffenen bleibt lediglich der Status des „Menschseins“ bei Verlust seiner bürgerlichen Grundrechte. Allein diese Zahl dokumentiert die Ambivalenz des Begriffs „Aktualität“, der bisweilen anders verstanden werden muss, als er in den Medien zum Ausdruck kommt.

Eine geglückte Umsetzung des Betreuungsgesetzes

Der Münchner Rechtsanwalt für das Betreuungsrecht, Prof. Dr. Volker Thieler, dankte dann auch Frau Maischberger dafür, sich des Themas unter dem Titel „Entmündigt – Wenn Betreuung zum Albtraum wird“ angenommen zu haben. Die Gastgeberin verzichtete zudem auf die Einladung prominenter Gäste, wenn man von der Tochter des an Demenz erkrankten Rudi Assauer absieht. Bettina Michel schilderte die Lebenssituation ihres Vaters ein Jahr nach der Veröffentlichung seiner Krankheitsgeschichte – und unter den Bedingungen des Betreuungsgesetzes. Es muss eine geglückte Umsetzung dessen sein, was das Bundesjustizministerium in einer Broschüre zum Betreuungsrecht so beschreibt: Das Wesen der Betreuung bestehe darin, dass ein Betreuer „für eine volljährige Person in einem genau festgelegten Umfang für sie“ handelt. Das Selbstbestimmungsrecht des betroffenen Menschen solle dabei gewahrt bleiben, „soweit dies möglich und seinem Wohl zuträglich ist. Seine Wünsche sind in diesem Rahmen beachtlich.“

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Im Verlauf der Sendung sollte deutlich werden, welche Probleme damit in der täglichen Praxis verbunden sind. Frau Maischberger verzichtete übrigens darauf, die Konflikte anzusprechen, die zwischen der damaligen Ehefrau Assauers und der Tochter nach der Veröffentlichung seiner Erkrankung aufgetreten waren. Dieser Verzicht war bemerkenswert. Solche familiären Konflikte sind nämlich zumeist der Hintergrund der Probleme im Betreuungsrecht, was in der Sendung später auch zur Sprache kam. Und so wurde hier jene doppelte Tragik der früher Entmündigung genannten Handlungsunfähigkeit deutlich. Sie betrifft eben auch das Umfeld des Betroffenen, in besonderem Maß bei einer Person des öffentlichen Lebens.

„Rächer der Betrogenen“

Ansonsten standen zwei Gäste im Mittelpunkt, zum einen der erwähnte Münchner Rechtsanwalt und Klaus Förter-Vondey, der Vorsitzende des Bundesverbands der Berufsbetreuer. Thieler wurde im „Spiegel“ im Jahr 2003 als „Rächer der Betrogenen“ skizziert. Er wurde mit einem Satz bei Fliege zitiert, wie erinnern uns an die verblichene Talk-Show, der auch am Dienstag Abend zu hören war: „Es ist bei uns leichter, Betreuer zu werden als Würstchenverkäufer.“ Es ging in dem Artikel übrigens um ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren gegen Thieler, unter anderem wegen seines Vorgehens gegen Mieter und im Zuge von Ost-Immobiliengeschäften. Nun machte Frau Maischberger dessen Kritik an der Betreuungspraxis von Würstchenverkäufern an Gästen deutlich, die praktischerweise auch dessen Klienten sind.

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