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FAZ.NET-Frühkritik: Maischberger Wer sind die Betreuungsopfer?

Haben Betreuer wirklich viel Macht? Und haben Angehörige immer Recht? Bei „Maischberger“ wurde zum zweiten Mal über das Betreuungsrecht diskutiert. Ein Grenzgang für das Talkshowformat.

© dpa Vergrößern Berichtete von der Rehabilitation nach einem Schlaganfall: Gaby Köster bei „Maischberger“

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen hat sich Sandra Maischberger in ihrer Sendung des Themas „Betreuung“ angenommen: „Entmündigt – haben Betreuer zu viel Macht?“ fragte sie am Dienstagabend, nachdem es bei ihr vor gut zwei Monaten geheißen hatte: „Entmündigt – Wenn Betreuung zum Albtraum wird.“ Dass auch noch zwei Gäste aus der letzten Sendung übernommen wurden, Volker Thieler, ein Kritiker des Betreuungsrechts aus der Anwaltschaft und Hiltrud Boldt, die als Tochter eines „Betreuungsopfers“ auftrat, unterstrich den experimentellen Charakter der Sendung ebenso wie die einmontierten Rückblenden und Zitate aus Zuschauerbriefen zur ersten Sendung: Die Talkshow als Familienserie, die Familienserie als investigativer Report.

Im Ergebnis allerdings gilt: eine Talkshow ist eine Talkshow ist eine Talkshow. So wird einem Zuschauer auch in der zweiten Sendung der Fall der Mutter von Frau Boldt, die angeblich trotz guter pflegerischer Versorgung ohne richterlichen Beschluss mittels eines Polizeieinsatzes gegen ihren Willen in ein Pflegeheim verbracht wurde, trotz der Wortmeldungen der Rechtsanwälte Tänzer und Thieler, sowie des Berichts von Frau Boldt selbst und einiger Brocken Hintergrundrecherche über die die Moderatorin berichtet nicht so recht klar. Während Anwalt Tänzer vertritt, das nicht sein kann, was nicht sein darf, behauptet Anwalt Thieler, dass schon alles so stimmen werde, weil er nun just in Hannover einen ganz identischen Fall gehabt habe.

Betreute waren nicht geladen

Frau Maischberger berichtet dafür von einem Telefonat mit einem Richter, der von einem Missverständnis ausgegangen sein soll. Aha. Aber was niemand beantwortet: Stimmen die berichteten Fakten? War die Pflege gut? Welche Rolle spielte Frau Boldts Schwester, die sich für die Einsetzung einer Berufsbetreuerin stark gemacht hatte? Hatte Frau Boldt einen Anwalt eingeschaltet? Welche der immerhin nicht ganz wenigen verfahrensrechtlichen Sicherungen des Betreuungsrechts haben versagt?

Vor allem aber bleibt – und das ist leider charakteristisch für die ganze Sendung – die Perspektive der tatsächlich betroffenen Menschen, der Betreuten, außen vor. Es streiten Angehörige, Berufsbetreuer und Anwälte, die Bundesjustizministerin äußert sich per Schaltkonferenz und die Schauspielerin Gaby Köster berichtet von der engagierten Unterstützung durch ihre Mutter bei der Rehabilitation nach einem Schlaganfall. Wie aber steht es um die Wünsche der Menschen mit geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen selbst, wie um das Wohl der alten Frau mit einer Demenz, die eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung braucht, deren Geld dafür aber nicht ausreicht, wie um das Wohl des alkoholkranken Mannes, dessen Pflegedienst sich weigert eine Wohnung zu betreten, die langsam im Chaos versinkt?

Und die Betreuungsrichter?

Davon war in der Sendung nicht die Rede, sei es weil das Sendungsteam nicht auf die Idee gekommen war, eine Betreute einzuladen, sei es, weil es nicht so recht in das Konzept der Sendung gepasst hätte, in welcher offenbar der Ärger und die Frustrationen der Familienangehörigen von Betreuten im Mittelpunkt stehen sollte, die sich und ihre Anliegen unzureichend gehört sahen, da Berufsbetreuer eingesetzt worden waren. Dass diese zumindest von Gesetzes wegen keineswegs mit einer Überfülle an Macht ausgestattet sind, erläuterte sehr konkret und plausibel jener Gast von „Maischberger“, der an diesem Abend am weitesten über seinen Tellerrand hinausblicken konnte: die Bankkauffrau Doreen Schrötter, die nach einem Studium der Sozialpädagogik und mancherlei Erfahrungen in der Behindertenhilfe, seit knapp drei Jahren als Berufsbetreuerin arbeitet.

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