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FAZ.NET-Frühkritik: Maischberger Ein Zeitgeist namens Quotenorientierung

Was ist aus den Hartz-IV-Empfängern geworden, die schon einmal Gast in Sandra Maischbergers Talkshow waren? Der Auftritt dort mag manchem mehr geholfen haben als das „Fördern und Fordern“ der Arbeitsagentur.

© dpa Vergrößern Wie vertragen sich die Zumutbarkeitsregelungen mit dem Bedürfnis nach befriedigender Arbeit? Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Arbeitsagentur, war Gast bei Maischberger

Sicherlich wird die Gästeliste aus der Sendung von „Menschen bei Maischberger“ im WDR am Dienstag Abend keine neuen Grundsatzdebatten auslösen. Bekanntlich hatte die Einladung der „Weight Watcher“-Werbeikone Katharina Witt in die Sendung vom 15. Januar zum Thema Diäten eine heftige Debatte ausgelöst. In der Folge war auch die Quotenorientierung in Frau Maischbergers Verträgen mit dem Kölner Sender bekannt geworden.

Aus nachvollziehbaren Gründen sprach sie das gestern Abend nicht an. Wer will es ihr verdenken? Allerdings ermöglichte ihr Thema „10 Jahre Hartz: Was wurde aus den Betroffenen?“ einen Blick in die „Bundesagentur für Arbeit“. Er zeigte, wie sehr diese „Quotenorientierung“ als Indikator für Leistung unsere Gesellschaft verändert hat.

Eine patente Frau

Der Ende des vergangenen Jahres geänderte Moderationsvertrag mit Sandra Maischberger stammt nämlich, wie jene Arbeitsmarktreformen, die mit dem Namen „Agenda 2010“ verbunden werden, aus dem Jahr 2003. Frau Maischberger hatte nun eine interessante Idee. Was ist aus jenen Menschen geworden, die Hartz IV beziehen und schon einmal in ihre früheren Sendungen eingeladen worden waren?

Im Mittelpunkt stand die Familie von Andreas und Mandy Weigl aus Berlin. Im Jahr 2009 noch mit sieben, inzwischen mit acht Kindern, dokumentierten sie, was eine moderne und kompetente Arbeitsmarktpolitik zu leisten vermag. Sie waren das klassische Beispiel für jene Politik, die mit der „Agenda 2010“ verändert werden sollte: Menschen ohne Qualifikation und mit dem sogenannten Arbeitsmarkt-Hemmnis namens Kinder sollte der Zugang in Beschäftigung ermöglicht werden. Der im Jahr 2003 neu entdeckte „aktivierende Sozialstaat“ sah seine zentrale Aufgabe in der Verhinderung von „Sozialhilfe-Karrieren“. Frau Weigl und ihr Mann haben den Weg aus jener „Fürsorgefalle“ gefunden, den damals keineswegs nur liberale Ökonomen beklagten. Das lag nicht zuletzt an Frau Weigl, die man in früheren Zeiten eine patente Frau genannt hätte.

Sie fasste das Ergebnis einer gelungenen Integration in den Arbeitsmarkt so zusammen: Sie gehe heute „viel selbstbewusster durch das Leben“. Mit erhobenem Haupt statt gesenkten Kopfes. Das ist auch ein Verdienst der Arbeitsagentur, die ihr und ihrem Mann sinnvolle Qualifizierungsmaßnahmen ermöglicht hat. Sie fand kompetente Sachbearbeiter in ihrer Berliner Arbeitsagentur.

Der strategischen Kopf der Bundesagentur

Das hat einen guten Grund: Heinrich Alt ist Vorstand in der Bundesagentur für Arbeit, und man wird dem Vorsitzenden des Vorstands, Frank-Jürgen Weise, nicht zu nahe treten, wenn man Alt als den strategischen Kopf der Bundesagentur bezeichnet, der den Umbau der ehemaligen Behörde in den heutigen Dienstleistungsbetrieb ermöglichte. Er war im Jahr 2009 mit der Familie Weigl Gast der besagten Sendung und versprach damals, sich um ihren Fall zu kümmern. Das Versprechen hat er gehalten.

Nun muss es niemanden wundern, dass sich Sachbearbeiter besonders bemühen, wenn der Vorstand aus Nürnberg öffentlich sein persönliches Interesse dokumentiert. Frau Maischberger sprach das zwar an, fragte aber nicht nach. Denn ist es die Realität in der „Bundesagentur für Arbeit“, sich diese Zeit in anderen Fällen ebenfalls so nehmen zu können, wie es Alt unterstellte? Ist es wirklich der Standard in der deutschen Arbeitsmarktpolitik, kostenintensive Qualifizierungsmaßnahmen wie für Mandy und Andreas Weigl zu bewilligen?

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