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FAZ.NET-Frühkritik: Hart aber fair Wer soll das bezahlen?

Bei Frank Plasberg ging es am Montagabend um Zypern: Die Krise ist groß, die Wohltaten sollen her, aber bezahlen will keiner.

© dapd Frank Plasberg in seinem Studio

Wenn man mal alle Feinheiten weglässt, ist es mit der Eurokrise ja gar nicht so schwer. Banken haben den Staaten Geld geliehen, Staaten den Banken. Zwischendurch ging einiges Geld verloren. Weil die Banken es an Immobilienkäufer verliehen haben, deren Immobilien plötzlich wertlos wurden. Und weil die Staaten davon Wohltaten finanziert haben, die sie sich eigentlich nicht leisten konnten. Jetzt muss irgendjemand bezahlen. Und schon geht der Streit los.

Patrick Bernau Folgen:

Die Gäste von Frank Plasberg am Montagabend diskutierten die alte Frage für Zypern. Und sie wussten vor allem eines: Wer die Rechnung nicht bezahlen sollte.

Die Zyprer sollen nicht zahlen

Besonders genau wusste das ARD-Börsenmoderatorin Anja Kohl. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hatte noch gesagt: „Wenn Banken sich verzocken, haftet zuerst der Eigner, dann der Kunde und erst dann der Steuerzahler.“ Doch wie das in Zypern lief, fand Anja Kohl nicht gut. Dort sollen jetzt die Bankkunden mit Einlagen über 100.000 Euro rund ein Drittel der Kosten tragen.  Das fand Anja Kohl nicht in Ordnung. „Die Eigentümer werden nicht belangt und die Gläubiger auch nicht.“ Den Grund lieferte sie selbst gleich mit: Deren Aktien und Anleihen sind bereits wertlos. Offen ließ Kohl aber, wie die Eigentümer dann belangt werden sollten, wenn bei ihnen nichts mehr zu holen ist.

Doch sie hatte einen Verbündeten: Hubert Faustmann, Politologe und Professor an der Universität in Zyperns Hauptstadt Nikosia. Auch er fand, dass Zypern jetzt zu viel zahlt, und beschrieb das am praktischen Leben. Eine Freundin verliert einen Teil ihrer Altersvorsorge, ein Bekannter eines Bekannten hat gerade den Hauskredit ausgezahlt bekommen und verliert jetzt einen Teil des Geldes, bevor er das Haus kaufen kann. Schwere Schicksale, die allerdings ohne das Rettungspaket der EU noch häufiger gewesen wären, denn dann hätte Zypern das Dreifache der Kosten tragen müssen. Lieber wäre es ihm gewesen, die Europäer hätten noch mehr Kredit gegeben. In ein paar Jahren könne Zypern das „aus der Portokasse“ zurückzahlen, dank seiner Gasvorräte.

Die Griechen sollen nicht zahlen

Da machte Hans-Olaf Henkel nicht mit. Der alte Talkshow-Stammgast ist ein Freund einer zweigeteilten Währungsunion, unterstützt die neue „Alternative für Deutschland“ und rechnete vor, dass Europa jetzt schon 12.000 Euro pro Einwohner Zyperns verliehen hätte. „Das wird nie zurückgezahlt.“

Auch der deutsch-griechische Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis hatte jemanden, der nicht zahlen sollte: nämlich die Gläubiger von Griechenlands Banken. Dass sie Verluste zu tragen hatten, sei erst der Grund für die Krise Zyperns. Denn zu diesen Gläubigern gehörten auch die Banken aus Zypern.

Streits ums Geld sind die heftigsten

So ging der Streit, wie so oft in den „Familien“ (Plasberg über Europa), in denen die Streits ums Geld die heftigsten sind. Hans-Olaf Henkel  stellte fest, dass der Euro als Friedensprojekt nicht funktioniert hat, wenn die Staaten untereinander jetzt so zerstritten sind.

Mehr zum Thema

Der Streit allerdings ebbte nicht ab. Der ehemalige Finanzminister Hans Eichel ärgerte sich darüber, dass die Zypern Geld von Europa wollen, aber ihrem eigenen Staat selbst weniger Steuern zahlen als die Nordeuropäer.

Dass das Verhältnis zwischen Zyperns Banken und ihren Kunden auch gelöst werden könnte, ganz ohne dass sich die Staaten einmischen, darüber wollte schon gar niemand mehr sprechen.

Quelle: FAZ.NET

 
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