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Veröffentlicht: 15.01.2013, 06:42 Uhr

FAZ.NET-Frühkritik „Hart aber fair“ Plasbergs blasse Fahrstunde

Hart aber fair soll es um (politische) Aufreger rund ums Auto gehen. Daraus wird Fahrschule mit Manuel Andrack. Der Verkehrsminister kann einem leid tun.

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© WDR/Herby Sachs „Hart-aber-fair“-Moderator Frank Plasberg

Zum Thema „Blitzer, Steuern, Citymaut – Freie Fahrt nur für reiche Bürger“ kann offenbar jeder etwas beitragen. Wie anders ist es zu erklären, wie sich diese Runde zusammensetzt. Man muss mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer kein Mitleid haben, grundsätzlich nicht, aber an diesem Abend schon. Zur Diskussion sind angetreten Formel 1-Reporter Kai Ebel, Manuel Andrack (Journalist und Autor), Heidi Hetzer (ehemalige Inhaberin eines Opel-Autohauses) und – na immerhin – Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer, der nichts fährt außer Elektrofahrrad und Bus.

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Der Klamauk der ersten Viertelstunde fördert zutage, dass der Minister in einem BMW 730 Diesel (Plasberg hart: Dürfen Sie den selbst konfigurieren?) chauffiert wird, dass die rüstige 75 jährige Frau Hetzer mit 14 Jahren im Auto von der Polizei erwischt worden ist und heute eine Handtasche in Autoform mitführt, die sogleich auf Lippenstift und Taschenmesser durchsucht wird. Dass Herr Ebel einen Porsche Cayenne (auch Diesel, das ist wichtig, weil nicht so prollig) bewegt und noch nie einen blauen Ferrari gefahren hat und dass Herr Andrack mit 46 Jahren den Führerschein gemacht und dafür fünfzig Fahrstunden gebraucht hat. Erkenntnisgewinn zum Thema? Null.

Das Niveau sinkt in die Handtasche

Dann greift Plasberg an und fragt: Was wäre schlimmer, VW Passat fahren oder ein Tempolimit. Zum Glück gibt keiner eine rechte Antwort, der Zuschauer hätte nun die Chance ergreifen können und abschalten, aber er hört Andrack sagen: „Tempolimit ist eigentlich ne geile Sache“. Jetzt kommt endlich mal ein ernsthaftes Argument. Ramsauer sagt, 95 Prozent aller Straßen in Deutschland unterlägen sowieso schon einem Tempolimit. Und 40 Prozent der 12850 Kilometer Autobahn auch. Ob die Politik denn alles regulieren müsse und jeden Freiraum zuschütten, fragt der Minister in Richtung des grünen Oberbürgermeisters, der antwortet, wenn ohnehin nur noch so wenig Strecken unreguliert wären, dann käme es auf den Rest auch nicht mehr an. Neuigkeitswert zum Thema? Null.

Ingenieurskunst? Rasende Chinesinnen!

Es wäre der Moment, in dem einem der Beteiligten einfallen könnte, über Ingenieurskunst zu sprechen. Warum die ausgefeilten Autos aus deutschen Unternehmen in der ganzen Welt so erfolgreich sind. Warum es sich lohnt, Leistungsdaten auf Spitzenwerte auszurichten anstatt sich in Mittelmäßigkeit einlullen zu lassen. Warum andere Hersteller, denen es nur um Fortbewegung von A nach B geht technisch und wirtschaftlich abgehängt werden – samt der daran hängenden Arbeitsplätze. Nichts von dem kommt zur Sprache. Der erstaunlich ruhige Formel 1 Reporter sagt noch, wenn man den Sicherheitsabstand einhalte, dann drängele sich immer einer rein, womit er zweifellos recht hat, wie überhaupt er mit vielem was er sagt recht hat, weil es so profan ehrlich ist.

Ein kurzer Schlagabtausch zwischen Ramsauer und Palmer, Politiker unter sich, es wird einen Moment lang laut, Palmer ruft zu Ramsauer: „Rauchverbot, Kleinkriminellenregeln, Bußgeldkatalog - Sie sind der schlimmste Verbotsminister“, dann geht Plasberg dazwischen und spielt das nächste Video ein: Chinesen im Geschwindigkeitsrausch. Aha, selbst die Chinesen kommen nach Deutschland und hämmern jauchzend im Porsche über die Autobahn. Ist natürlich rasend gefährlich. Erkenntnisgewinn? Keiner. Man könnte über die Einstellung der Jugend reden, ob sie das Auto noch so hoch schätzt wie früher (tut sie nicht, aber wieder mehr als vor kurzem noch), man könnte über das Ansehen im Ausland sprechen und warum die Chinesin im Porsche jauchzt und was daraus folgt. Fehlanzeige.

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