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FAZ.NET-Frühkritik: Das TV-Duell Das Problem mit der Viererkette

Nach dem Duell ist vor der Wahl: Was haben ARD, Pro Sieben, RTL und ZDF aus dem Aufeinandertreffen von Angela Merkel und Peer Steinbrück gemacht? Die Sender sehen sich selbst als Sieger, soviel ist schon mal klar.

© dpa Vergrößern Kein Durchkommen für Argumente: Die Viererkette der Moderatoren steht gegen jeden Duell-Charakter zwischen Merkel und Steinbrück stabil

Es lässt sich nicht anders sagen: Dieses „TV Duell“ war eine Pleite. Nicht für oder wegen Angela Merkel und Peer Steinbrück. Auch nicht, weil all die Ad-hoc-Umfragen, wer besser gewesen sei, die Stimmungslagen im Studio und die Experten es am Ende doch nur auf den Nenner bringen, der ihnen parteipolitisch passt. Diese Vier-plus-Zwei-Verhandlung an sich ist ein Graus. Die vier „Journalistenköppe“ (Zitat Maybrit Illner) nerven. Das sind – da lag Günther Jauch in seiner anschließenden Talkshow ganz richtig, einer zu viel, vielleicht zwei, wahrscheinlich aber drei.

Wie fing das schon an? Mit einleitenden Referaten, denen offene Frage folgten, auf die einleitende Referate folgten, denen seitens der Moderatoren ein paar flapsige Bemerkungen folgten, bevor es wieder an die Referate ging. Das müsste man Merkel und Steinbrück normalerweise ziemlich übel nehmen, nötigte einem nicht allein schon Respekt ab, dass die beiden sich anderthalb Stunden nicht nur auf sämtliche wichtige Themen konzentrieren und tonnenweise Zahlenmaterial abspulen und dabei den Kontrahenten im Auge behalten müssen. Nein, sie haben es noch mit vier Moderatoren zu tun, die es gar nicht erwarten können, dass ihre Frage endlich drankommt und dann gerne darauf herumreiten, dass ausgerechnet ihre phantastisch ausgearbeitete Vorlage zu kurz kommt.

Heißt Duell nicht eher Schlagabtausch statt Fragestunde?

„Das ist nett, vielen Dank“, erwiderte Anne Will irgendwann, als die Bundeskanzlerin versicherte, sie werde gleich auf ihre Frage zurückkommen, nachdem sie auf Steinbrücks letzte Aussage eingegangen war. Und ist genau das nicht der Sinn eines „Duells“? Dass die beiden Kontrahenten zum Publikum und somit den potentiellen Wählerinnen und Wählern sprechen, aber sich auch aufeinander und gegeneinander Position beziehen?

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Das war zu Zeiten von Gerhard Schröder und Edmund Stoiber keine Frage und sogar noch bei dem Aufeinandertreffen von Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier – wenn wir es richtig in Erinnerung haben – etwas feuriger. Hier hingegen machte derjenige das Rennen, der vorgefertigte Stanzen besser an den Mann und die Frau brachte.

Schönenborn hat schnell eine Umfrage zur Hand

Das war nach dem Dafürhalten der Umfrage, die der WDR-Chefredakteur Jörg „Demokratieabgabe“-Schönenborn präsentierte, mit einem leichten Vorsprung Peer Steinbrück. 49 Prozent der Zuschauer fanden ihn – mit allen möglichen Einschränkungen – besser, 44 Prozent Angela Merkel. Nachgereicht wird dann immer die Fehlermarge von zwei Prozent, was aus dem Ergebnis vielleicht fast ein Patt macht. Aber was macht das schon?

Das Fernsehen ist vernarrt in seine Instrumente der Autosuggestion, mit der es sich seiner Bedeutung vergewissert, darin sind vor allem ARD und ZDF ganz groß. Als distanzierter Betrachter kann man die Damen und Herren vor den Kuchendiagrammen (diesmal waren es zum Glück nur Balken) nicht mehr wirklich ernst nehmen.

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