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Veröffentlicht: 31.01.2013, 07:39 Uhr

FAZ.NET-Frühkritik Anne Will Mehr Empirie, bitte!

In der Talk-Sendung von Anne Will waren sich die Gäste darin einig, dass eine Debatte über Sexismus im Alltag hierzulande richtig und notwendig ist. Aber was ist das eigentlich, eine Debatte?

© ARD Eine Debatte? Wirklich?

Seit etwas mehr als einer Woche reden wir nun über Sexismus. Und wie das so ist, wenn auf allen Kanälen überwiegend über ein Thema gesprochen wird, sei es auch ein so wichtiges wie dieses, machen sich nach sehr kurzer Zeit bereits Abnutzungserscheinungen bemerkbar. Man kann es nicht mehr hören. Man sehnt sich nach Klärung. Man wird der Sache überdrüssig und wendet sich ab. Allein deswegen deutete die Frage, unter die Anne Will am Mittwochabend ihre Sendung gestellt hatte, „Sexismus-Aufschrei - hysterisch oder notwendig?“, in eine völlig falsche Richtung.

Lena Bopp Folgen:

Denn nicht nur die vergangenen Tage haben gezeigt, dass es ein großes Bedürfnis von Seiten vieler Frauen gibt, über den Sexismus zu sprechen, dem sie sich im Alltag ausgesetzt sehen. Auch die von Anne Will geladenen Gäste, von dem CDU-Politiker Heiner Geißler über die Grünen-Politikerin Renate Künast, die Piratin Anke Domscheidt-Berg, den Journalisten Jan Fleischhauer sogar bis hin zu der ehemaligen Gleichstellungsbeauftragten von Goslar, Monika Ebeling, waren sich im Grunde darin einig, dass eine solche Debatte dringend geführt werden muss. Frau Künast äußerte sogar die Hoffnung, die Causa Brüderle/Himmelreich könne zu einer „dritten Frauenbewegung“ führen, was gar nicht abwegig und auch wünschenswert wäre. Aber die Frage, die sich zunächst einmal stellt, muss viel grundsätzlicher lauten - nach einer Sendung wie der von Anne Will leider um so mehr: Was ist eigentlich eine Debatte?

Immer wieder die gleichen Fragen

Um eine solche zu führen, reicht es da, dass man auch nach einer Woche, in der landauf landab die Fragen, ob Herr Brüderle sich bei der Journalistin entschuldigen sollte, ob Frau Himmelreich ihre Beschwerde schon früher hätte artikulieren sollen, ob es opportun ist, dass sich die FDP nun zum Opfer einer Kampagne stilisiert, ob sich Frauen grundsätzlich nicht wehren können, und, falls dem so ist, ob dann die ganze Frauenbewegung womöglich gar nichts gebracht habe - reicht es da, solche Fragen zu diskutieren? Nein, es reicht nicht. Und genau dafür war die Sendung von Anne Will, die sich Mühe gab, und doch nicht den Eindruck erweckte, dass sie wusste, wo sie hinwollte, ein gutes Beispiel. Eine Debatte kommt nicht in Gang, wenn man wieder und wieder dieselben Fragen stellt. Sie kann sich nur dann sinnvoll entwickeln, wenn man sich nach einer Weile von den konkreten Fällen ab- und den strukturellen Problemen zuwendet. Dafür braucht es aber vor allem Empirie.

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