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Veröffentlicht: 08.01.2013, 06:51 Uhr

FAZ.NET-Frühkritik Alles muss vercheckt sein

Eigentlich wollte das Erste mit seinem neusten „Markencheck“ den großen Supermarktketten Edeka und Rewe auf den Zahn fühlen. Heraus kam dann aber bloß eine harmlose Parade bekannter Ladentricks. Frank Plasberg verhedderte sich nachher im Themendurcheinander.

© dapd Im Supermarkt

Investigativ-Journalisten haben es auch nicht leicht. Der WDR zum Beispiel schickte kürzlich seine Volontäre zum Einkaufen in vier deutsche Städte, um die mitgebrachten Zucchini, Trauben und den Feldsalat aus Supermärkten und Discountern in Minikühlschränke zu stecken und rund um die Uhr mit der Kamera zu filmen. Nach fünf Tagen wurden die Kühlschränke wieder geöffnet, die Lebensmittel begutachtet, und die Redakteure stellten fest: Ist alles ungefähr gleich frisch geblieben. Nur ein Salat, der vorher schon matschig aussah, war endgültig dahin.

Wenn es darum geht, mit größtmöglichem Aufwand den geringst möglichen Erkenntnisgewinn zu liefern, ist die ARD wirklich einsame Spitze. Das seit langem schönste Beispiel dafür lief am Montagabend zur besten Sendezeit im Ersten: „Der Edeka/Rewe-Check“. Der war eigentlich dafür gedacht, den Verbrauchern die Augen dafür zu öffnen, wie sie im Supermarkt beeinflusst werden. Es hat dann aber doch bloß für eine lahme Parade der üblichen Ladentricks gereicht, die viele Zuschauer längst in- und auswendig kennen.

Das große Check-Fieber

Zum Beispiel aus der ARD. Seitdem die vor einem Jahr mit ihren „Markenchecks“ hervorragende Zuschauerzahlen verbuchen konnte, ist nämlich in sämtlichen Landesrundfunkanstalten das große Check-Fieber ausgebrochen. Aus jedem harmlosen Verbraucherbericht im Dritten Programm wird gleich ein „Check“, die Redaktionen liefern sich förmlich ein Wettrennen um durchcheckbare Themen.

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Während der RBB im „Berlin-Brandenburg Check“ sein Sendegebiet unter die Lupe nimmt und der SWR in „Marktcheck checkt“ Unternehmen aus der Region vorstellt, lief im NDR nach dem „Großen Küchen-Check“ und dem „Großen Post-Check“ auch noch der „Große Zahnpflege-Check“. Die höchste Einschaltquote hatte vor genau einem Jahr aber „Der Lidl-Check“ im Ersten. Das dürfte auch der Grund dafür gewesen sein, dass jetzt Edeka und Rewe dran waren.

Immer dieselben Banalitäten

Die Recherche-Ergebnisse der Neuauflage waren jedoch ein Witz, zusammengeklaubt aus den bisher gesendeten Supermarkt-Reportagen. In denen müssen Passanten in Fußgängerzonen fortwährend Warenkörbe schätzen und Orangensaft testtrinken; Lebensmittel werden ins Labor geschickt, wo Kittel tragende Experten vor Reagenzglasdekoration die Augenbrauen runzeln, wenn wieder eine angeschimmelte Erdbeere aufgetaucht ist. Am Ende erzählen Handelsangestellte, die nicht erkannt werden wollen, von ihrer Ausbeutung oder es laufen Betroffenheitsbilder aus fernen Ländern, wo Arbeiter mit Dumpinglöhnen schikaniert werden.

Letzteres ist ja tatsächlich ein Skandal – doch die „Markenchecks“ verschenken haufenweise Sendezeit, um immer wieder dieselben Banalitäten herunterzubeten, anstatt ausführlich auf die wirklich wichtigen Punkte einzugehen.

Letztlich ist das Interesse der ARD an Verbraucherthemen immer genau dann erschöpft, wenn eine minimale Variation der bisherigen Erkenntnisse nötig wäre. Wie gut, dass die Redaktion zu Beginn des neusten „Markenchecks“ im Ersten den Hinweis „Das Original“ eingeblendet hatte. Sonst wäre die Sendung noch mit dem „Großen Rewe-Check“ zu verwechseln gewesen, den der NDR vor einigen Wochen zeigte – mit fast identischem Ablauf und Ergebnissen.

Die vielen „Checks“ sind gerade das Gegenteil von Programmvielfalt

In der aktuellen Debatte um den neuen Rundfunkbeitrag ist seitens der Programmverantwortlichen gerade oft die Rede von der Vielfalt des öffentlich-rechtlichen Programms. Mit ihren „Checks“ praktiziert die ARD das exakte Gegenteil, nämlich haufenweise Sendungen, die allesamt zu ähnlichen schwammigen Fazits kommen. Und die schlimmstenfalls Frank Plasberg noch mal in der Polittalk-Mikrowelle aufwärmen muss.

Keinen anderen Zweck erfüllte die „Hart aber fair“-Sendung, die sich unmittelbar an den „Edeka/Rewe-Check“ anschloss, und zwar mit dem reißerischen Titel „Die Supermarkt-Lüge – wie gut und fair kann günstig sein?“

Um diese Frage zu klären, hätte es womöglich geholfen, unabhängige Gemüse-Produzenten oder Kaufleute, die eigene Läden betreiben, einzuladen. Dass sich ein Verantwortlicher der Supermarktketten in so eine Sendung traut, ist ja offensichtlich ausgeschlossen. Also saßen da wieder die Branchenbeschöniger aus den Verbänden, die überhaupt kein Interesse am Diskutieren haben, neben Haushaltssirenen wie der penetranten „Servicezeit“-Frau Yvonne Willicks und Moderatoren wie Bernd Stelter, der sich dadurch für die Teilnahme qualifiziert hat, dass er früher mal zuviel gegessen und dann abgenommen hat. Und so unterhaltsam ein Sternekoch wie Vincent Klink in dieser Runde auch sein mag: vom normalen Supermarkteinkauf dürfte er weniger Ahnung haben als die Bundeskanzlerin.

Schlauer wurde niemand

Plasberg war es sowieso nicht sonderlich wichtig, beim Thema zu bleiben. Stattdessen wurden munter Problemchen von der Verpackungstäuschung über die Lebensmittelherkunft bis zur Fleischerarmut in deutschen Fußgängerzonen durcheinander geworfen.

Schlauer hat das am Ende niemanden gemacht. Plasberg immerhin mahnte, an sein Publikum gerichtet: „Wir können nachdenken über das, was wir kaufen. Wir können nachdenken über das, was wir essen.“ Und natürlich über das, was wir sehen! Diesen Fast-Food-Journalismus lieber nicht.

Quelle: FAZ.NET

 

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