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Dokumentarfilm : Als „Charlie Hebdo“ vor Gericht stand

„Charlie Hebdo“ macht weiter, braucht dafür aber die Unterstützung der freien Welt: Chefredakteur Gérard Biard. Bild: AFP

Es begann mit einem Mordanschlag: Das Attentat auf die französische Satirezeitschrift vom Januar dieses Jahres hatte ein Vorspiel. Dafür öffnet der Film „Der Fall Charlie Hebdo“ die Augen.

          „Für mich sind sie Helden, die Gefahr ist eine sehr realistische“, sagt Elisabeth Badinter am Rande des Prozesses, zu dem sie als Zeugin geladen ist. „Schockiert“ ist sie über die Feigheit der Politiker und der Europäischen Union: „Es reicht.“ Die feministische Soziologin und Spezialistin der französischen Aufklärung geißelt das Schweigen als „Agonie der Freiheit“, deren „letzte Bastion“ es zu verteidigen gelte. Der Prozess, in dem ihre Aussage einen Höhepunkt darstellt, fand 2007 statt und ist Gegenstand eines Films, in dem auch die Angeklagten ausgiebig zu Wort kommen. Sie sind die Helden, von denen Elisabeth Badinter schon damals sprach. Sie wurden freigesprochen. Jetzt sind sie tot.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

          Das Attentat auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ war die unerbittliche Rache für den Freispruch und bewirkt, dass man den Dokumentarfilm vor dem Hintergrund dieser „Fortsetzung“ betrachtet. Und die vielen Aussagen, die er enthält, nach dieser tragischen Zuspitzung beurteilt, die für die meisten unvorstellbar war, von einigen befürchtet und von anderen fast schon ein bisschen angedroht wurde. Die Verhandlungen im Gerichtssaal durfte Daniel Leconte nicht filmen. Er beobachtete mit seiner Kamera das Geschehen in der Wandelhalle – auch der unvermeidliche Provokateur Dieudonné stellte sich ein – und interviewte die geladenen Experten und die Anwälte der Anklage wie der Verteidigung. Herausgeber von „Charlie Hebdo“ war damals Philippe Val.

          Stoppt die Druckmaschinen!

          Auch die Vorgeschichte des Films, die der Autor Leconte kurz dokumentiert, begann mit einem Mordanschlag. Der Mohammed-Karikaturen-Wettbewerb der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ war eine Reaktion auf die Ermordung des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh, dem ein Islamist auf offener Straße die Kehle durchgeschnitten hatte. Nach der Publikation kam es zu schweren Ausschreitungen in der islamischen Welt. Vor „Charlie Hebdo“ druckten in Frankreich die Zeitung „France-Soir“ - deren Chefredakteur umgehend entlassen wurde – und das Nachrichtenmagazin „L’Express“ die Karikaturen nach. Dessen damaliger Chefredakteur Denis Jeambar erzählt von einem Telefongespräch mit dem Eigentümer Serge Dassault, der Jeambar befahl, die Druckmaschinen zu stoppen. Dassault fürchtete um seine Waffen- und Flugzeuglieferungen an die islamischen Länder, sein Besuch in Saudi-Arabien im Tross von Präsident Chirac stand gerade auf dem Programm.

          Als Jeambar das alles vor dem Gericht erzählte, verließen reihenweise Journalisten den Saal, um ihre Redaktion zu informieren – offensichtlich konnte sich keine zur Veröffentlichung entschließen. Im Film formuliert Jeambar seine große Verwunderung über das Ausbleiben jeglicher publizistischer Reaktion. Dassault, dem die Tageszeitung „Le Figaro“ gehört, verkaufte kurz darauf das Magazin.

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