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TV-Kritik: Menschen bei Maischberger : Das Leiden des Ottfried Fischer

  • -Aktualisiert am

Der prominente Schauspieler Ottfried Fischer Bild: dpa

Sandra Maischberger redete mit Parkinson-Patienten. Unter den Gästen war auch Schauspieler Ottfried Fischer. Ihn stört es, nur noch als Kranker wahrgenommen zu werden.

          Wenn medial über die Parkinson-Krankheit berichtet wird, dann stehen meist eindrucksvolle neue Therapiemethoden im Vordergrund: die tiefe Hirnstimulation, neu entwickelte Arzneimittel oder noch im Teststadium befindliche Versuche, Korrekturen im Erbgut vorzunehmen. Ein Betroffener kommt in solchen Berichten zwar auch fast immer vor, aber in den meisten Fällen nur als Einstiegshilfe in das komplexe und nicht leicht verständliche Thema. Bei Sandra Maischberger war das am späten Dienstagabend anders. Im Mittelpunkt ihrer Talkshow standen die Patienten - und die Frage, wie sie mit ihrem Schicksal umgehen.

          Die Krankheit betrifft immerhin vier Millionen Menschen weltweit, 300.000 leben in Deutschland. Unter den Leidtragenden sind auch immer wieder Prominente: Boxlegende Muhammed Ali und Schauspieler Michael J. Fox wurden deshalb gleich eingangs erwähnt. Mit auf dem Podium saß der Schauspieler Ottfried Fischer, der seine Parkinson-Erkrankung im Jahr 2008 öffentlich machte. „Dazu stehen“, ist sein Rat. Auch wenn die gesellschaftlichen Folgen schwer zu ertragen sind: „Die Leute hören dann: ’Unheilbar erkrankt’“, sagte Fischer. „Wenn du krank bist, wollen dich die Leute krank sehen.“ Selbst wenn ein Bühnenprogramm glanzvoll verlief und ohne Panne glückte, bedauerten die Veranstalter nach der Show nur seine Erkrankung. Morbus Parkinson bescherte Fischer einen massiven Wechsel seiner öffentlichen Rolle; zusätzlich kämpfte er damit, den Alltag neu zu organisieren und musste sich Gedanken um Verträge und Versicherungen machen.

          Dabei glaubt er, dass die Krankheit bei ihm eigentlich schon vor siebzehn oder achtzehn Jahren schleichend begann. „Die letzte Kraft“ sei auf der Bühne einfach nicht mehr dagewesen, sagte Fischer, der zunächst lernte, den Kräfteverlust zu kompensieren. Jahre später musste er sich beeilen, um der Presse mit der Enthüllung seiner Diagnose zuvorzukommen.

          Fischers Teilnahme lenkte den Talk am Dienstagabend schnell auf die besonderen Probleme, die Prominente haben, wenn sie chronisch erkranken. Dass dem Schauspieler und seiner Krankheit so viel Zeit gewidmet wurde, ist der letzten Folge des „Pfarrer Braun“ geschuldet. Sie wird am 20. März gesendet. Fischer musste die Serie wegen seiner Erkrankung aufgeben.

          Unterschiedliche Schicksale

          Doch nicht nur die Probleme des bekannten Kabarettisten wurden diskutiert. Neben Fischer saß die Fernsehmoderatorin und Ärztin Antje-Katrin Kühnemann, deren Mann an Parkinson erkrankt ist, außerdem die Parkinson-Patientin Brigitte Kämpf, die seit fünfzehn Jahren an der Krankheit leidet, und die Neurologin Daniela Berg. In einem Einspieler kam der Anatom und Erfinder der Plastination, Gunther von Hagens, zu Wort. Er ist ebenfalls vor sechs Jahren an Parkinson erkrankt.

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