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Veröffentlicht: 01.07.2015, 15:52 Uhr

ARD dreht heimlich Waffenhandel unter Romantik-Pseudonym

Heimlich drehte die ARD ihren neuen Film: Unter dem Deckmantel der romantischen Komödie wurde beim SWR an „Der Meister des Todes“ gearbeitet. Daniel Harrich hofft mit seinem Film, die Debatte über Waffenhandel neu anzufachen.

von Jörg Seewald
© SWR/Diwa Film Peter Zierler (Hanno Koffler) ist Mitarbeiter des Waffenherstellers HSW. Als ausgezeichneter Schütze führt er Kunden das Sturmgewehr der Firma vor.

Der Filmemacher Daniel Harrich kann sich zugutehalten, dass seine Recherchen zu „Der blinde Fleck“, einem Film über das 1980 verübte Oktoberfestattentat, 35 Jahre nach dem Verbrechen wieder Schwung in die Ermittlungen gebracht hat: Die Staatsanwaltschaft ermittelt, wertet neue Spuren aus, auf die Harrichs Film samt Dokumentation aufmerksam gemacht hatte.

Dafür gab es 2013 auf dem Münchner Filmfest den Bernhard-Wicki-Nachwuchspreis. Nun ist Daniel Harrich wieder da. Er hat einen neuen brisanten Stoff parat, von dem bis vor einer Woche nur die unmittelbar Beteiligten wussten. „Es ist uns tatsächlich gelungen, dass über ein Jahr und drei Monate nichts durchgesickert ist“, sagt Harrich. „Der Meister des Todes“ heißt der Film, er handelt vom deutschen Waffenexport und entstand unter konspirativen Bedingungen. Abgekürzt als „MdT - romantische Komödie im Schwarzwald“ machte man sich beim SWR an die Arbeit, auch um die Konkurrenz zu verwirren, denn das ZDF hatte einen ähnlichen Stoff angemeldet. Man verzichtete auf Filmförderung, um nichts preisgeben zu müssen. Vor allem wollte sich Harrich nicht von betroffenen Firmen in die Karten gucken lassen. Sein Film handelt davon, was passiert, wenn ein Insider den Waffenhandel in Frage stellt. Als ein Mitarbeiter der Firma, die das G36-Gewehr nach Mexiko exportiert, sieht, welche Folgen das vor Ort hat, und auspackt, schlägt ihm und seiner Familie blanker Hass entgegen. Schließlich geht es um einen großen Arbeitgeber der Region.

Meister des Todes © SWR/Diwa Film Vergrößern Sabine Stengele (Veronica Ferres, re.) muss bei der Weihnachtsfeier an der Seite ihres Mannes Alex (Heiner Lauterbach, li.) gute Miene zu einem ihrer Meinung nach bösen Spiel machen.

Wie brisant der Stoff ist, den Harrich mit Hanno Koffler, Heiner Lauterbach, Udo Wachtveitl, Veronica Ferres, Alina Levshin und August Zirner besetzte, zeigt ein Vorfall: „Wir hatten mit einem wichtigen Informanten ein Interview geführt, wo wir auch wegen eines Sturms nicht telefonisch zu erreichen waren. Als wir einen Tag später wieder nach Mexiko-Stadt flogen, war die Botschaft schon aufgeregt. Auf unseren Informanten war nach dem Interview ein Anschlag verübt worden.“ Harrich hofft mit „Der Meister des Todes“ Ähnliches zu bewirken wie mit „Der blinde Fleck“. Er hat umfassend recherchiert, sein Koautor Gert Heidenreich steuert die Dialoge zur Story bei. „Ich bin gern bereit, meine Unterlagen anderen Medien zugänglich zu machen“, sagt Harrich.

Erst 32 Jahre ist der Filmemacher alt. Den investigativen Journalismus hat er in seinem Elternhaus gelernt: Danuta Harrich-Zandberg und Walter Harrich gründeten 1983 die Produktionsfirma diwa-Film. Für ihre Dokumentation „Der Contergan-Skandal“ erhielten sie 2004 den Bayerischen Filmpreis. „Der Meister des Todes“ läuft im Herbst im Ersten.

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