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TV-Kritik: „Maybrit Illner“ : Die Kramp-Karrenbauer-Show

  • -Aktualisiert am

Annegret Kramp-Karrenbauer zu Gast bei Maybrit Illner Bild: ZDF/Svea Pietschmann

Die Suche nach einem neuen CDU-Parteivorsitzenden nimmt in den Talkshows Formen an. Den Anfang machte gestern Abend Annegret Kramp-Karrenbauer. Sie bemühte sich um ihr Image als Christdemokratin.

          Talkshows bieten Politikern immer noch die beste Möglichkeit zur Profilierung. Sie erreichen dort nicht nur ein politisch interessiertes Millionenpublikum vor den Bildschirmen, sondern finden über die diversen Medienkanäle genügend Multiplikatoren für die dort formulierten Ideen. Annegret Kramp-Karrenbauer weiß das natürlich. Entsprechend nutzte sie die Einladung bei Maybrit Illner, um sich ihrer Partei und der deutschen Öffentlichkeit als künftige CDU-Vorsitzende zu empfehlen.

          In einem Interview mit dieser Zeitung setzte sie zuvor die entsprechenden Akzente. Für straffällig gewordene Asylbewerber müsse „eine lebenslange Wiedereinreise-Sperre folgen,“ so die CDU-Generalsekretärin, „deren Verhängung meines Wissens bislang nicht möglich ist.“ Eine spannende Formulierung angesichts des innerparteilichen Dramas um die gleichlautende Forderung Horst Seehofers im vergangenen Sommertheater der Union. Der Bundesinnenminister hielt die Durchsetzung dieser Wiedereinreisesperre schon immer für möglich und damit auch die Zurückweisung an der deutschen Außengrenze. Dafür braucht man nicht einmal eine europäische Lösung.

          Diese Formulierung wiederholte Annegret Kramp-Karrenbauer bei Maybrit Illner. Kramp-Karrenbauers Kandidatur hat mit einem grundsätzliches Problem zu kämpfen. Einerseits muss sie sich von der bisherigen CDU-Vorsitzenden abgrenzen, um ein eigenständiges Profil zu gewinnen. Angela Merkel hat ihr Amt schließlich nicht auf dem Höhepunkt ihrer Popularität zur Verfügung gestellt. Andererseits wäre eine offene Distanzierung angesichts der bisherigen Verbundenheit der beiden Politikerinnen unglaubwürdig.

          Vom Dieselverbot bis zur Ehe für alle

          Daran ändert auch nichts die bei Maybrit Illner zu hörende Anekdote von einem lautstarken Streit mit der Bundeskanzlerin am Telefon. Der Anlass sei ein längst vergessener Koalitionsbruch im Saarland gewesen, so Annegret Kramp-Karrenbauer. Es wäre wahrscheinlich ein anderer Anlass sinnvoller gewesen: Warum es überhaupt möglich sein soll, dass in Deutschland rechtskräftig verurteilte Straftäter trotz Einreiseverbot wiedereinreisen können? Im vergangenen Sommer galt der Bundesinnenminister in der CDU-Parteiführung wegen solcher und anderer Selbstverständlichkeiten als Querulant.

          So gab die CDU-Generalsekretärin in einem Einzelinterview mit Maybrit Illner noch einen Überblick über ihre programmatischen Vorstellungen. Das reichte vom Mindestlohn über den Diesel bis zur Rente. Interessant wurde es allerdings bei einem Disput mit Michael Spreng. Der frühere Chefredakteur der „Bild am Sonntag“ fragte sie nach ihrer Position zur „Ehe für alle.“ Annegret Kramp-Karrenbauer hatte zwar die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der klassischen Ehe befürwortet, aber deren Öffnung als Ehe immer abgelehnt.

          Ihr Argument war ordnungspolitischer Natur. Zwar beabsichtigt man das Rechtsinstituts der Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau lediglich auf homosexuelle Partnerschaften auszuweiten. Tatsächlich sei aber diese Begrenzung kaum durchzuhalten, so das Argument der früheren saarländischen Ministerpräsidentin.

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