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TV-Kritik „Maybrit Illner“ : Kommt das chinesische Jahrhundert?

  • -Aktualisiert am

Was hat Donald Trumo mit Amerika und der Welt gemacht? Maybrit Illner und ihre Gästen gehen diesen Fragen nach. Bild: Svea Pietschmann

Vor einem Jahr wurde Donald Trump gewählt. Zwar ist die Welt nicht untergegangen, aber Amerika und seine Rolle haben sich verändert? Vor allem ein Gast warnt bei Maybrit Illner nachdrücklich vor den Folgen für Deutschland.

          Bei der Beerdigung seines Sicherheitsberaters Zbigniew Brzezinski hatte der frühere amerikanische Präsident Jimmy Carter auf dessen Bitte neben Trumps Sicherheitsberater General McMaster gesessen. Der 93jährige Carter nutzte die Gelegenheit dazu, Präsident Trump ein Angebot zu machen. Er wolle nach Nordkorea fliegen. Trump ist darauf bisher nicht eingegangen.

          Zeigt dieser Umstand, dass Amerika unter Donald Trump nicht mehr führen kann? Wie hat sich das Land unter dem neuen Präsidenten verändert? Diese Fragen stellte Maybrit Illner ihren Gästen. Welche Folgen hat Trump für Amerika? Welche für die Welt?

          Das führt nochmal zurück zu Jimmy Carter: In einem Interview mit Maureen Dowd, Kolumnistin der Zeitung New York Times, bewertet Carter die Präsidentschaft Trumps milder, als zu erwarten gewesen wäre. Die Rolle Amerikas in der Welt habe sich schon vor Trump verändert. Die Vereinigten Staaten seien nicht mehr alleinige Supermacht. Carter ist davon überzeugt, dass man mit Diktatoren reden müsse. Ob Trump auf sein Angebot eingeht? Beim Staatsbesuch in China hat er sich jedenfalls wiederholt drohend geäußert, Nordkorea solle die Vereinigten Staaten nicht herausfordern.

          Trump hat mit seiner Personalpolitik und mit über 800 Rechtsverordnungen den Regierungsapparat in Washington drastisch eingeschränkt. Das betrifft den Umwelt- und den Verbraucherschutz, auch die Finanzmarktregulierung und langfristig am weitreichendsten durch Berufungen die obersten Gerichte des Landes. In der Gesetzgebung hat Trump bisher kein größeres Vorhaben durchgesetzt. Auch die Steuerreform könnte - wie zuvor schon der vergebliche Versuch, Obamas Gesundheitsreform zu kassieren - im Senat scheitern.

          Trump verzeichnet die niedrigsten Zustimmungswerte, die je gemessen wurden, was seine Basis nicht irritiert. Sein Erfolg verdankt er dem seit langem wachsenden Misstrauen gegen das politische Establishment. Misserfolge im Kongress werden Trump nicht zugerechnet.

          Erik Kirschbaum, amerikanischer Journalist in Deutschland, sagt, dass Trumps Fans in Indiana, Ohio und Texas ihn nach wie vor lieben. Die jüngsten Erfolge der Demokraten in Virginia und in New Jersey sind keine Trendwende, denn Frau Clinton hatte in beiden Staaten mit deutlichem Vorsprung die Nase vorn. Die niedrige Arbeitslosenzahl und die Börsenrekorde setzen einen langfristigen Trend fort, der unter Obama begonnen hat, auch wenn Trump selbst den täglichen Aufgang der Sonne als eigenen Erfolg verkaufen würde, wie ZDF-Moderator Claus Kleber anmerkt.

          Maybrit Illner : Bernhard Mattes: Der Drache im Raum ist China

          Mit Trumps Präsidentschaft gerät die Idee des Freihandels ins Hintertreffen. So verzweifelt, wie Deutschlands Außenminister Sigmar Gabriel die Lage schildert, sieht es Bernhard Mattes, Präsident der amerikanischen Handelskammer in Deutschland, nicht. Es gebe auch in der aktuellen amerikanischen Regierung Anhänger des Freihandels. Über den Handelsvertrag mit Mexiko und Kanada werde verhandelt, auch mit Europa werde gesprochen. Mattes muss allerdings einräumen, dass derzeit langfristige Planungen nicht möglich seien.

          Dunkle Fabriken

          Anke Domscheit-Berg, parteilose Abgeordnete der Linken im neuen Bundestag, relativiert Kirschbaums Hosianna auf Trump. Die zitierten Arbeitsmarkterfolge bezögen sich lediglich auf den Niedriglohnsektor. Das Versprechen, die Stahlarbeiter im Rostgürtel wieder in Lohn und Brot zu bringen, findet sie abwegig. Ein neues Stahlwerk in Österreich produziere mit vierzehn Mitarbeitern eine halbe Millionen Tonnen Stahl im Jahr. Auch das Versprechen des Iphone-Herstellers Foxconn, Fabriken in den Vereinigten Staaten zu bauen, werde daran nichts ändern. Foxconn produziere in dunklen Fabriken mit Robotern, die kein Licht brauchen.

          Sigmar Gabriel, noch geschäftsführender Außenminister, aber schon erkennbar Melancholiker, warnt davor, die Bewegung zu unterschätzen, die Trump ins Amt gebracht habe. Gegner des Freihandels seien auch hierzulande bei Linken und Rechten zu finden. Es sei eine historische Zäsur, dass der bisherige Garant einer liberalen Weltordnung nun für das Gegenteil eintrete mit der Folge, dass die Volksrepublik China global auf dem Vormarsch sei. Claus Kleber meint, die Chinesen hätten Trump zu wenig gefeiert angesichts des riesigen Geschenks, das er ihnen mit der Kündigung des transpazifischen Handelsabkommens gemacht habe.

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