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TV-Kritik „Hart aber fair“ : Bettgeflüster mit Donald Trump

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Der Historiker Michael Wolffsohn mahnt die Kritik von Donald Trump bei Hart aber Fair zu mehr Präzision. Bild: © WDR/Oliver Ziebe

Präzision und Augenmaß bringt man nicht mit Donald Trump in Verbindung. Bei „Hart aber Fair“ macht Michael Wolffsohn deutlich, warum etwas mehr Präzision auch den Kritikern des amerikanischen Präsidenten nicht schaden könnte.

          Der Titel der Sendung „Hart aber Fair“ war zweifellos vom Mitteilungsbedürfnis des amerikanischen Präsidenten auf Twitter bestimmt. Donald Trump hatte schließlich der Krise nach dem Giftgaseinsatz in Syrien eine besondere Note gegeben. „Russland schwört, Raketen, die auf Syrien fliegen, abzufangen“, schrieb er vergangene Woche. Russland solle sich bereit machen, „denn sie werden kommen, hübsch und neu und intelligent!'“

          Dieser Tweet wurde bisweilen als Kriegserklärung interpretiert. So fiel der Redaktion von Frank Plasbergs Sendung „Hart aber fair“ dazu der passende Titel ein: „Mit dem Finger am Abzug: Wie zügellos ist Donald Trump?“ Nun sind solche Überschriften immer pointiert formuliert. Es handelt sich ja nicht um einen akademischen Diskurs, der die „Entscheidungsprozesse in der Präsidentschaft Donald Trumps unter besonderer Berücksichtigung sozialer Netzwerke“ untersucht. Wobei das ein guter Ansatz für eine interessante Fragestellung wäre: Ob das Mitteilungsbedürfnis des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika überhaupt etwas mit den Entscheidungsprozessen in seiner Regierung zu tun hat.

          Bettgeflüster mit Donald Trump

          Der frühere Nato-General Lothar Domröse beschrieb die Resultate des „zügellosen“ Präsidenten. Er lobte den Militärschlag der drei Westmächte gegen das Chemiewaffen-Potential des Assad-Regimes in den höchsten Tönen. „Präzison“ und „Augenmaß“ waren die Stichworte. Zudem gab es weder Berichte über Kollateralschäden, noch die Gefahr einer ungeplanten Eskalation mit den in Syrien stationierten russischen Streitkräften.

          Zwar ist Skepsis gegenüber der Weitsicht geheimdienstlicher Aufklärungsarbeit angebracht, wenn es um die Auswahl militärischer Ziele geht. So hatte Bill Clinton im Jahr 1998 den Angriff auf eine Fabrik im Sudan befohlen. Sie stand im Verdacht, für die Produktion von Chemiewaffen genutzt zu werden. In Wirklichkeit beschäftigte sie sich mit der Herstellung von Medikamenten. Das kann schon einmal passieren, keineswegs nur den Vereinigten Staaten. Trotzdem ist keines jener Szenarien eingetreten, denen der twitternde Trump vermeintlich den Boden bereitet hatte.

          So stand diese Sendung etwas verloren im Niemandsland enttäuschter Erwartungen. Trump hält scheinbar nicht das, was sich manche seiner Kritiker von ihm versprochen haben. „Präzision“ und „Augenmaß“ gehören sicherlich nicht dazu. Entsprechend argumentierte der frühere ARD-Korrespondent in Moskau und Washington. Thomas Roth kritisierte den Präsidenten aus einer grundsätzlichen Perspektive. Zum einen wegen der Wortwahl, für die ein Lehrer seine Tochter an einer amerikanischen Highschool „abgemahnt“ hätte. Zum anderen aus einer ethischen Perspektive: So wie Trump spricht man nicht über Krieg. Kein Wunder, wenn nicht nur bei Domröse die Professionalität des amerikanischen Militärs und des Verteidigungsministers James Mattis, früherer General des amerikanischen Marine Corps, als Fels in der Brandung Trumpscher Zügellosigkeit gilt.

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