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TV-Kritik: „Maischberger“ : Die Supermacht entfesselt sich von allen Bündnissen

  • -Aktualisiert am

Sandra Maischberger diskutiert mit ihren Gästen über Donald Trump Bild: ARD

Bringt Donald Trump das Ende der transatlantischen Allianz? In der Sendung von Sandra Maischberger ging es um die Zukunft der europäisch-amerikanischen Beziehungen. Oskar Lafontaine wünscht sich ein gutes Verhältnis zu Russland.

          Die Welt war vor dem Amtsantritt Donald Trumps kein Garten Eden. Vor einigen Tagen schrieb der amerikanische Journalist James Traub in der Zeitschrift „Foreign Policy“ einen Nachruf auf die transatlantische Partnerschaft. Ihr Siechtum habe nach dem Zerfall der Sowjetunion begonnen. Für eine gewisse Zeit hielten geteilte Werte sie noch zusammen. Mit der Entscheidung, die Vereinigten Staaten aus dem Regierungsabkommen mit Iran zurückzuziehen, habe Trump den letzten Nagel in den Sarg der Nato geschlagen. Ein historischer Augenblick für die düpierten Europäer, ihre strategischen Interessen schärfer zu definieren und eine dafür geeignete Politik ins Auge zu fassen. Zaudern reicht nicht mehr. So können Gründungsakte aussehen.

          Trumps „America First“ hindert ihn nicht daran, ein mit Sanktionen belegtes chinesisches Unternehmen aus Sorge um chinesische Arbeitsplätze, vielleicht auch auch aus anderen Interessen vor dem Untergang zu bewahren. Die Zeichen mehren sich, dass der Zugang zum Präsidenten durch seinen „Fixer“ Michael Cohen und andere käuflich gemacht wurde. Europa wird dem russischen Präsidenten Putin nicht den Triumph gönnen, beim Spalten ganze Arbeit geleistet zu haben. Das versteht man nun auch in Ungarn und in Polen.

          Ordnung nicht in Sicht

          Stürzt Trump die Welt ins Chaos? Die Ausgangsfrage Sandra Maischbergers tut so, als habe vorher große himmlische Ordnung bestanden. So sehen Illusionen aus, wenn sie sich verflüchtigen. Sabrina Fritz, langjährige Wirtschaftskorrespondentin in den Vereinigten Staaten, nimmt Trumps Slogan beim Nennwert, beschreibt ihn als Agenda, erklärt damit aber nicht, warum amerikanische Unternehmen Stahl und Aluminium aus Europa und Ostasien kaufen. Ob es zu einem Handelskrieg mit China und mit Europa kommt, ist noch nicht ausgemacht. Für die neue Verhandlungsrunde mit den Chinesen hat das Weiße Haus den eigenen Handelsbeauftragten Peter Navarro zurückgepfiffen.

          Die Bilder von der Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Jerusalem und die Konfrontation zwischen dem israelischen Militär mit den Palästinensern in Gaza desillusionieren. Es ist kein Akteur in Sicht, der die desaströse Konfrontation als Verhandlungsmandat begriffe. Die Eskalation des amerikanischen Konflikts mit Iran droht die ganze Region von Libyen bis Libanon in Brand zu setzen. Auch der beste Eiserne Dom wird Israel nicht vor den 150.000 Raketen schützen, die Iran der Hizbollah geliefert hat. Ob es im Juni zu einer Verständigung zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea kommt, erscheint inzwischen auch wieder zweifelhaft.

          Hochkonjunktur der starken Männer

          Die Amerika-Korrespondentin Antonia Rados versteht Trumps Verhalten als Hinwendung oder Angleichung an die „starken Männer“ im Nahen und Mittleren Osten. Sein Gesundheitsattest hat dieser „starke Mann“ dem langjährigen Hausarzt persönlich diktiert. Wer, wie Alan Posener, realpolitisch konstatiert, dass Trump kein Hamlet sei, muss sich fragen lassen, warum dieser Macher so erratisch handelt. Die Beobachtung, dass der Mann nicht greifbar sei, spricht dafür, dass moralische Wertmaßstäbe und individuelle Haftung für das eigene Handeln versagen. Er überhöht und erniedrigt sich selbst mit dem prahlerischen Selbstbekenntnis, seinen unternehmerischen Erfolg in Deals mit den härtesten und bösartigsten Menschen der Welt errungen zu haben. Es wirkt abwegig, diese Selbststilisierung als Handlungskraft zu überhöhen, zumal Trumps Verhalten Anlass zu Zweifeln gibt, wie er mit von ihm selbst ausgehandelten Verträgen umspringt.

          Die von Trump regierte Supermacht entfesselt sich von allen Bündnissen und Verpflichtungen. Alte Transatlantiker im politischen Establishment werden das anders sehen und setzen ihre Hoffnungen auf einen korrigierenden Nachfolger. Der ist nur nicht in Sicht.

          Europa wird auf eigene Ressourcen setzen

          Politik, die keine Bündnisse schmiedet, droht sich zu isolieren. „Pacta sunt servanda“ heißt nicht, dass Verträge nicht eines Tages auslaufen oder gekündigt werden können. Jürgen Hardt, außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, möchte „den Spatz“ des Atomabkommens in der Hand behalten. Was möchte Hardt mit dem Spatz erreichen? Sanktionen der Amerikaner gegen den Handel mit Iran umgehen? Gute Reise! Kein deutsches Großunternehmen wird dazu bereit sein, die Geschäfte mit Amerika zu verscherzen.

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