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Aktualisiert: 30.11.2014, 12:38 Uhr

TV-Kritik: „Tatort“ Landen in der Falle und siezen sich doch

Es ist erst ihr vierter Fall, und schon teilen die „Tatort“-Bundespolizisten Falke und Lorenz das Lager. Das lenkt die beiden aber nur kurz von ihrem neuen Fall im Flüchtlingsmilieu Oldenburgs ab.

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© NDR/Christine Schroeder Katz (Sebastian Schipper) und die Kollegen Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) und Falke (Wotan Wilke Möhring) diskutieren den Fall.

Das Beste zuerst: Professor Boerne bekommt Konkurrenz. Nach dem „Tatort“ aus Oldenburg, der an diesem Sonntag zu sehen ist, wird man jedenfalls nicht mehr sagen können, dass Boerne der exzentrischste aller Gerichtsmediziner im Fernsehen ist. Man wird ihn vielmehr in einem Atemzug mit dieser kleinen, älteren Frau nennen müssen, deren Extravaganz zwar nicht in Hyperaktivität, dafür aber in einer Gelassenheit gründet, die nicht nur die beiden Kommissare Lorenz und Falke für einen Augenblick sprachlos macht. Mit welcher Seelenruhe diese Frau Dr. Evers (Brigitte Kren) den beiden jedenfalls erklärt, wie das Opfer zu Tode kam - erst wurden ihm nämlich alle Finger gebrochen und dann ein Apfel so in den Mund gestopft, dass es nicht an ihm erstickte, sondern einen Herzstillstand erlitt -, und wie sich Frau Dr. Evers zur Veranschaulichung dieses ja wirklich nur schwer nachvollziehbaren Szenarios in einem gespielten Todeskampf zu Boden fallen lässt, um sich dann übergangslos - „Helfen Sie mir mal!“ - wieder auf die Füße stellen zu lassen, das ist sehr sehenswert. Es fällt umso mehr auf, als solche Momente in diesem „Tatort“ eher Mangelware sind.

Lena Bopp Folgen:

Das Drehbuch zu „Die Feigheit des Löwen“ stammt zwar von Friedrich Ani, der sich als Autor vieler erfolgreicher Bücher mit Krimiplots eigentlich auskennt. Und die beiden Kommissare Thorsten Falke (Wotan Wilke Möring) und Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) sind eigentlich auch noch ungeschliffen genug, um die Frage „Wie stehen wir zueinander?“ eine Weile offenzulassen. Doch leider ist ihnen diese Zeit nicht vergönnt. Aus unerfindlichen Gründen haben sich Drehbuch und Regie (Marvin Kren) nämlich entschieden, die beiden gleich bei ihrem vierten gemeinsamen Fall aufeinander loszulassen. Das ist aber nicht nur schade, weil es dem Kommissars-Team ein Fait accompli beschert, das ja viel spannender ist, solange es nur als Möglichkeit über dem Geschehen schwebt. Die Annäherung geschieht hier auch so unvermittelt, dass sich Falke und Lorenz am Morgen danach immer noch siezen und man sich sogar als Zuschauer darüber kaum wundern kann.

Wenn der Tatort zum Nebenschauplatz wird

Mit dem Fall hat das alles selbstverständlich nichts zu tun. Denn der dreht sich um Kriegsflüchtlinge aus Syrien, um gefälschte Pässe und somit um die Frage, ob die Aktivitäten der Schleuser als Menschenhandel oder Nothilfe zu betrachten sind. Darüber gibt es zwar eigentlich keine zwei Meinungen, aber den Kommissaren sind zu ihrem eigenen Leidwesen trotzdem die Hände gebunden, so dass neben den Schuldigen letztlich auch ein paar Unschuldige als Verlierer vom Platz gehen.

Dass es so lange dauert, bis das Beziehungsgeflecht zwischen den Personen entwirrt ist, bis man weiß, wer wem aus welchen Gründen Rache geschworen hat, macht die Sache nicht leichter. Im Gegenteil: Im Suchen und Finden der richtigen Motive liegt hier die eigentliche Aufgabe der Kommissare. Was den Fall angeht, bekommen sie das gerade noch hin. Privat aber bleiben aus Gründen, die niemand kennt, noch nach dem Abspann sämtliche Fragen offen.

Glosse

Zukunftsmusik

Von Jan Brachmann

Auf dem alten Pfanni-Gelände soll der neue Konzertsaal Münchens gebaut werden. Doch erst mal erklingen an dieser Stelle andere Töne: Das Festival „Stars and Rising Stars“ kokettiert mit Arroganz und Kirschwasser. Mehr 0

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