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TV-Kritik: Maischberger : Ilkay und Mesut sind unsere Jungs!

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Sandra Maischberger und ihre Gäste Bild: WDR

Die Pfiffe gegen die beiden Schlüsselspieler sollten aufhören. Bei Maischberger erhielten sie prominente Rückendeckung von Claudia Roth. Die hat übrigens Ahnung von Fußball.

          Heute beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Natürlich freut sich jeder Fußball-Enthusiast auf dieses Ereignis. Trotzdem ist die Stimmung heute spürbar anders als vor der WM in Brasilien. Das war in der Talkshow von Sandra Maischberger zu bemerken. Wie vor vier Jahren ging es gestern Abend um König Fußball vor dem ersten Anpfiff. Nur war es damals eher ein launiger Stammtisch, der mit jener Ernsthaftigkeit tagte, die der wichtigsten Nebensache der Welt angemessen ist. Es ging halt um Fußball.

          Nicht nur in Deutschland bewunderten Fans die spielerischen Fähigkeiten der jungen Mannschaft. Sie entsprach dem gewandelten Selbstverständnis dieses Landes. Mit Spielern unterschiedlicher Herkunft entsprach sie nicht mehr dem Klischee des deutschen Fußballs, der ihn nicht spielt, sondern als Arbeit betrachtet. Der DFB hatte diesen Imagewandel seit dem Sommermärchen von 2006 kräftig unterstützt. Es war der entscheidende Schritt aus der Agonie, in die der deutsche Fußball nach dem Gewinn der Europameisterschaft im Jahr 1996 geraten war.

          „Das Halbfinale ist Pflicht“

          So einte das Land vor vier Jahren die Begeisterung für die Mannschaft. Es gab lediglich den Zweifel nicht weniger Experten, ob sie es dieses Mal endlich schaffen würde. Oder ob ihr am Ende nicht jener Biss fehlte, den ein Champion braucht. Von dieser Atmosphäre ist nichts mehr zu spüren, auch nicht bei Maischberger. Es ging meistens um Politik. Das betraf den Gastgeber Russland, aber mehr noch die endlose Debatte um Ilkay Gündogan und Mesut Özil. In sportlicher Hinsicht sprach Toni Schumacher aus, was viele denken: „Das Halbfinale ist Pflicht.“ Dort entscheidet die Tagesform, bisweilen sogar nur das Glück.

          Es hat auch seit dem Turnier von 1962 keine erfolgreiche Titelverteidigung mehr gegeben, worauf Reinhold Beckmann hinwies. Am Ende beruhe der Titelgewinn auf einer Kombination außergewöhnlicher Umstände, so sein Argument. Markus Merk und Fritz Pleitgen ließen eine gewisse Skepsis erkennen. Der frühere Schiedsrichter sagte, er wisse „nicht, wo die Mannschaft gerade steht“. Der ehemalige WDR-Intendant drückte es anders aus: Die Mannschaft könne „die Vorrunde überstehen.“ Das ist nicht unbedingt die Erwartung an einen Titelverteidiger. Nur ist das Spanien vor vier Jahren passiert – und Italien beim Turnier in Südafrika im Jahr 2010. Brasilien scheiterte zwar vier Jahre vorher erst im Viertelfinale in Frankfurt am Main. Nur war die Trostlosigkeit ebenfalls das einzig bemerkenswerte an der brasilianischen Vorstellung.

          Wahrscheinlich wollte Pleitgen daran erinnern, was wir alle längst vergessen haben. Tatsächlich fehlt der deutschen Mannschaft seit dem Titelgewinn die Leidenschaft und Unbekümmertheit der Jugend. Ihre Stars sind vier Jahre älter geworden. Man weiß nicht, ob sie zu satt sind, wie die Spanier vor vier Jahren. Oder nach den zuletzt schwachen Vorstellungen schlicht verunsichert. Reinhold Beckmann benannte als erfahrener Sportjournalist, was eine erfolgreiche Mannschaft, die bis in das Halbfinale kommen kann, unbedingt braucht: innerer Zusammenhalt. Seit Sepp Herbergers Triumph von 1954 hat der Zusammenhalt bei uns als „Geist von Spiez“ fast schon eine mythologische Bedeutung. Beckmann erinnerte an das Campo Bahia in Brasilien. An die Rolle von Per Mertesacker nach dem desolaten Achtelfinale gegen Algerien. Nach diesem Spiel, so Beckmann, habe Mertesacker gewusst, dass er in der Stammelf keine Rolle mehr spielen werde. Trotzdem machte er sich als „Mutter der Kompanie“ unentbehrlich. Wohl nicht zuletzt durch das beherzte Interview mit ZDF-Reporter Boris Büchler. So wurde das Algerien-Spiel zum Wendepunkt, vergleichbar mit der Vorrunden-Niederlage gegen die DDR beim Turnier von 1974.

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