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TV-Kritik: Hart aber fair : Polarisierung, Diskreditierung und das Amt als Beute

  • -Aktualisiert am

Talkrunde bei Frank Plasberg rund um Trump und die Midterm-Wahlen. Bild: WDR/Dirk Borm

Vor fast genau zwei Jahren wurde Donald Trump zum Entsetzen vieler zum amerikanischen Präsidenten gewählt. Und noch immer suchen seine Gegner ein Rezept, um dessen Anhänger zurückzugewinnen.

          Früher interessierten die Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten nur einen ausgesuchten Kreis von Spezialisten. Etwa die Mitglieder der „Atlantikbrücke“, die sich schon seit den Zeiten ihrer Gründerväter John McCloy und Eric Warburg als das Epizentrum hiesiger Transatlantiker verstehen. Deren derzeitiger Vorsitzender heißt Friedrich Merz. Er wollte gestern Abend in der Arnsberger Filiale der Deutschen Bank einen schon lange geplanten Vortrag zu dem Thema halten, allerdings nur vor einem ausgesuchten Kundenkreis, wie man dem Autor dieser Zeilen vergangenen Freitag mitteilte. Dann wurde dieser Vortrag von Merz leider auch für diesen Kundenkreis „aus Termingründen“ abgesagt, wie es am Montagnachmittag hieß. So blieb als Alternative – ohne Merz – nur noch die Sendung von Frank Plasberg mit dem Titel „Trumps Wahlkampf: Land spalten, Macht retten?“

          Nun ist der amerikanische Präsident alles, nur kein Gralshüter des westlichen Bündnisses. Mit Donald Trump kam ein Außenseiter in das Amt, der alles in Frage stellt, außer sich selbst. Für konservative Transatlantiker in Europa ist er genauso eine Zumutung wie für die Liberalen in den Vereinigten Staaten. Auf die meisten Beobachter wirkt er deshalb immer noch als Betriebsunfall der amerikanischen Politik. Das war gestern Abend nicht anders. Wobei es dem stellvertretenden Bundessprecher der AfD vorbehalten blieb, eine interessante Erklärung anzubieten. Georg Pazderski versuchte es mit Medienschelte, womit er allerdings den entscheidenden Punkt verpasste. Trumps Erfolgsgeheimnis ist nämlich das, was viele Beobachter immer noch mit guten Gründen entsetzt: Sein unorthodoxer Stil verletzt die üblichen Konventionen, selbst in den im Vergleich zu Deutschland kommunikationspolitisch recht hartgesottenen Vereinigten Staaten.

          Die nach den Wahlen in vielen Medien zu findende fieberhafte Erwartung einer baldigen Amtsenthebung ist längst vorbei. Vielmehr wird nicht einmal ausgeschlossen, dass Trump am heutigen Dienstag ein sensationeller Erfolg gelingen könnte: die Verteidigung seiner Mehrheit in beiden Häusern der Kongresses. Das war amtierenden Präsidenten seit dem amerikanischen Bürgerkrieg lediglich in den Jahren 1934, 1998 und 2002 gelungen. Ansonsten mussten selbst Ikonen ihrer Parteien, wie Ronald Reagan und Barack Obama, in den Zwischenwahlen desaströse Wahlniederlagen hinnehmen.

          Wen mobilisieren die Demokraten?

          Gleichwohl vermuten amerikanische Wahlforscher einen Verlust der bisherigen republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus. Es wäre eine historische Normalität, die allerdings wenig über die Wiederwahlaussichten von Trump in zwei Jahren aussagt. Trotzdem versuchte das verständlicherweise der den Demokraten nahestehender Walter Sittler als mögliche Trendwende in der amerikanischen Politik zu deuten. Er verwies auf die große Mobilisierung im demokratischen Wählerpotential. Nur wird es den Demokraten wenig nutzen, wenn sie in ihren Hochburgen in New York oder Kalifornien aus hohen jetzt haushohe Siege machen. Es ist genauso sinnlos, den letzten republikanischen Wähler unter den Abonnenten der „New York Times“ von der Niedertracht des Präsidenten zu überzeugen.

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