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TV-Kritik: „Die Arier“ im ZDF : Mit Rassenhass ist man was

  • -Aktualisiert am

Stelldichein: Mo Asumang mit einem Clown vom Ku-Klux-Clan Bild: Yoliswa von Dallwitz

Mo Asumang geht unter Fremdenfeinde: Die Moderatorin und Filmemacherin mit Nazi-Großeltern und ghanaischen Wurzeln sucht nach der Herkunft des Begriffs „arisch“. Neonazis scheut sie nicht.

          Einen Bruchteil des Mutes der Filmemacherin Mo Asumang, die geradezu frech deutsche und amerikanische Neonazis vor die Kamera zerrt, hätte man dem ZDF gewünscht: Eine Ausstrahlung dieser wichtigen Dokumentarrecherche um Mitternacht ist (trotz Mediathek) eine Frechheit. Mo Asumang gehört zu der ihre Herkunft produktiv verarbeitenden Nazis-Enkel-Generation - ihre Großeltern mütterlicherseits waren überzeugte Nationalsozialisten. Dass ihr Vater aus Ghana stammt, macht Mo Asumang in der beschränkten Sicht von Neonazis allerdings zur „Rassefremden“, die nach Afrika gehöre. Der eigenen Identität ging die Filmemacherin, die ihre Karriere als Moderatorin begonnen hat, in ihrem ersten Film „Roots Germania“ (2007) auf den Grund.

          Der neue Film ist die Gegenperspektive. Mo Asumang konfrontiert nun die sich als „Arier“ Gerierenden mit der Frage, was das eigentlich sei. Es geht dabei um mehr als die allgemein bekannte Tatsache, dass im neunzehnten Jahrhundert der allenfalls eine Volksgruppe in Iran und Indien bezeichnende Begriff sinnlos mit Nordeuropäern verbunden wurde. Aber man ist trotzdem dankbar für den Abstecher nach Iran, wo „echte Arier“ den immer noch durch viele Köpfe spukenden Rassenhokuspokus mit wenigen Worten abtun: verrückt, schlecht, falsch. 

          Furcht vor der Welt

          Die meiste Zeit trifft sich Mo Asumang indes mit Großkalibern der Neonazi-Szene wie einem Ku-Klux-Klan-Anhänger, einem braunen Esoteriker oder Tom Metzger, dem Gründer der „White Aryan Resistance“. Letzterer sagt ihr ins Gesicht, ihr Vater - als Schwarzer angeblich näher dem Affen verwandt - habe eine „Gen-Entführung“ begangen, aber ihrer offenen Art geht er doch auf den Leim und deutet während einer Umarmung an, diese Hass-Sache sei im Grunde ein großes Geschäft.

          Der Film „Die Arier“ hat manche Parallele zu den „Abenteuern mit Extremisten“, die der Journalist Ron Jonson in Film und Buch vorgelegt hat. Allerdings ist die Grundhaltung hier nicht das ironische Staunen angesichts des Irrsinns, sondern das Kopfschütteln. Die bewusst eingesetzte Naivität kann mitunter nerven, aber sie führt zu einem Ergebnis: Erstaunlich oft reden die Pseudoherrenmenschen von ihrer Furcht vor der Welt. Das passt so gut zu Klaus Theweleits alter Theorie eines Körper-Schutzpanzers der Nicht-zu-Ende-Geborenen, dass der Faschismus-Experte in einem kleinen Auftritt ein wenig vermisste Einordnung nachliefern darf. Wach bleiben lohnt.

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